Aufregung um Eröffnung des Spangenberger Schlosses

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Schloss im Nebel: Wann der Hotel- und Gastronomiebetrieb auf dem Spangenberger Schloss losgehen kann, ist ungewiss. Das Hessische Immobilienmanagement (HI) will erst noch das Dach für 1,6 Millionen Euro sanieren. Der Pachtvertrag läuft ab Juni 2016. Das HI spricht nun von einer Eröffnung frühestens im Frühsommer 2017. Unser Foto stammt von Leser Peter Wimmel.

Spangenberg. Schloss Spangenberg soll Thema in einer Parlamentssitzung werden.

„Unfassbar“, „völlig unerhört“, „unfair“, „Unsinn“ - diese Kommentare sind zu hören, wer in diesen Tagen mit Spangenbergern über die Entscheidung des Hessischen Immobilienmanagements (HI) spricht. Die Behörde hat nun, neun Monate vor der geplanten Eröffnung des Spangenberger Schlosses, entschieden, das Dach neu einzudecken. Dabei war alles im Zeitplan: Die Pächterfamilie hat die ersten 20 Zimmer fertig umgebaut, im Oktober wollte sie mit dem Umbau des Jagdmuseums zum Wellnesstempel beginnen. Und das Land wollte Ende des Jahres in den Umbau einsteigen: unter anderem mit dem Einbau eines Aufzugs und dem Umbau der WC-Anlagen im Rittersaal.

Die Behörde 

Die Immobilie gehört dem Land Hessen, für deren Verwaltung das HI, eine landeseigene Behörde mit Sitz in Wiesbaden, zuständig ist. Deren Sprecherin bestätigte auf HNA-Anfrage, dass die Sperrung des Schlosses noch mindestens bis zum Frühsommer 2017 dauern werde. Der Grund: Ein nach dem Sturm im Juli in Auftrag gegebenes Gutachten habe ergeben, dass das Dach neu eingedeckt werden sollte. HI-Pressesprecherin Ate Plies teilte mit, dass demnach die derzeitige Dachdeckung in ihrer Gesamtheit nach den heutigen gültigen Normen und Richtlinien nicht sicher sei. „Das Gutachten empfiehlt eine Nutzung des Schlosses als Veranstaltungsstätte erst nach fachgerechter Sanierung.“ Die Baukosten dafür werden vom HI auf 1,6 Millionen Euro geschätzt.

Fünf Jahre Leerstand 

Fünf Jahre lang stand das Schloss leer - war da nicht genug Zeit für ein Gutachten und eine Dachsanierung? In den vergangenen Jahren seien aufgetretene Kleinstschäden an den Dächern des Schlosses repariert worden, teilte HI-Pressesprecherin Ate Plies mit. „Es erfolgten hierbei keinerlei Hinweise auf ein mögliches bestehendes Gefahrenpotential an das HI.“ In diesem Jahr seien dann weitere undichte Stellen an den Dächern, dem Turm und dem nördliche Hauptgebäude-Teil aufgetaucht.

Die Pächter 

„Eine so umfassende Dachsanierung hätte doch im Vorfeld geprüft werden müssen“, sagte Arno Gattschau, Ehemann der Pächterin Silvana Gattschau, „wir mussten im Vorfeld doch auch prüfen, ob wir den Pachtvertrag eingehen können.“ Er erwarte das natürlich auch vom Land Hessen als Geschäftspartner. Gattschau werde in den kommenden Tagen einen Brief an das HI schreiben. „Ich gehe davon aus, dass das HI feststellt, dass der Fehler bei Ihnen gemacht wurde und dass sie dafür geradestehen werden.“ Welche Auswirkungen das für sie als Pächter habe, könne er heute noch nicht abschließend sagen.

Die Politik 

Bürgermeister Peter Tigges erfuhr von der HNA über die verschobene Eröffnung: „Ich wurde vom HI nicht darüber informiert.“

CDU-Fraktionssprecher Jörg Lange kündigte gegenüber der HNA an, einen Dringlichkeitsantrag für die kommende Stadtparlamentssitzung am 1. Oktober einzubringen. Darin will seine Fraktion das HI auffordern, die Gründe für die verschobene Eröffnung darzulegen. Lange solidarisierte sich mit der Pächterfamilie und bezeichnete das Hessische Immobilienmanagement als „Hessisches Missmanagement“: „In der freien Wirtschaft würden Köpfe rollen.“

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