Kirchmauer

Spangenberger waren besorgt: Tiere nisten in Spangenberger Kirche und Burgsitz

Bienenexperte: Michael Schermeier findet es interessant, dass sich die Bienen in der alten Kirchenmauer im Spangenberger Stadtpark eingenistet haben.
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Bienenexperte: Michael Schermeier findet es interessant, dass sich die Bienen in der alten Kirchenmauer im Spangenberger Stadtpark eingenistet haben.

Wer öfter an der Kirche im Stadtpark oder am Burgsitz in Spangenberg spazieren geht, wird es vielleicht schon bemerkt haben. In den alten Gemäuern haben sich tausende Honigbienen eingenistet.

Spangenberg - Während sich Insektenfreunde an dem Naturschauspiel erfreuen, sorgen sich viele Anwohner um das Mauerwerk der beiden Gebäude. Dazu besteht allerdings überhaupt kein Grund, wie uns Michael Schermeier, Vorsitzender des Imkervereins Melsungen verrät. „Bienen fressen sich nicht durch Steine“, stellt der Experte klar. Sie suchten sich vielmehr Baumstümpfe und ab und zu auch mal altes Gestein aus, um darin zu überwintern.

Das sei dann der Fall, wenn das auserkorene Gemäuer optimale klimatische Bedingungen für die Bienen böte, erklärt er. Allerdings bauen sich die Insekten keine Behausung, indem sie Löcher in die Mauern fressen, sondern sie nutzen schon vorhandene Höhlen, wie Schermeier erklärt. Wenn eine Altkönigin ihren Bienenstock aus Platzmangel verlässt oder weil eine neue Königin aufgezogen wird, nimmt sie rund 60 Prozent ihres Volkes mit.

Das Schwärmen der Bienen erfolgt im späten Frühjahr. Dabei halten die sogenannten Späherbienen Ausschau nach einer neuen Behausung, die Schutz vor Wind, Regen und Schnee bietet. „In der Natur suchen sich Bienen große und hoch gelegene Behausungen, um optimale Bedingungen zu schaffen“, sagt der Imker. Haben sie das Passende gefunden, wird diese Information innerhalb weniger Sekunden im Volk kommuniziert und mit gemeinsamer Kraft wird die Behausung zum Bienenstock umfunktioniert. „Ganz wichtig dabei ist das Verharzen der Wände mit Propolis“, erklärt der Bienenexperte, denn dies wirke wie ein Antibiotikum und verhindere, dass sich Krankheiten im Bienenheim breit machen.

Parallel dazu beginnt im Inneren der Wabenbau, damit die Königin in Eilage kommen kann. Rund 2000 Eier legt die Königin pro Tag, die zuvor von den Drohnen (männliche Bienen, entstehen aus unbefruchteten Eiern) begattet wurde. „Das ist Natur und sorgt für Vielfalt“, klärt Michael Schermeier auf. Zu einem Bienenvolk gehören rund 40 000 bis 80 000 Bienen, von denen jede ihre Aufgabe hat. „Vermutlich gehören zu dem Volk in der Kirchenmauer rund 50 000 Bienen“, schätzt der Experte.

Er vermutet, dass es Imkerbienen sind, weil sie sich auch unter Beobachtung nicht stören lassen und sehr friedfertig den Menschen gegenüber ihrer Arbeit nachkommen. „Die sind bestimmt schon länger hier“, glaubt Michael Schermeier. Die Arbeit der Bienen besteht darin, ihre Königin den ganzen Tag mit Blütenpollen zu versorgen. Während die weiblichen Arbeitsbienen oft jahrelang miteinander in einem Volk leben, sterben die Drohnen nach der Befruchtung der Königin. In einem Honigbienenvolk ist ausschließlich die Königin für die Eiablage verantwortlich. Sie entscheidet auch individuell, aus welchem Ei eine Arbeitsbiene und aus welchem eine Drohne schlüpft. (Tina Hartung)

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