„Die Trauer braucht Zeit“

Interview: Kirche und Pflegedienste initiieren Angebot für Hinterbliebene

Hinterbliebene trauen: Unser Foto entstand auf dem Alten Friedhof in Melsungen. Archivfoto: Schwarz

Spangenberg. In Melsungen gibt es bereits ein Trauercafé - nun soll ein Trauercafé auch in Spangenberg gegründet werden. Es ist ein Kooperationsangebot von Evangelischer Kirchengemeinde und örtlichen Pflegediensten.

In Spangenberg gibt es künftig ein Trauercafé . Das soll Treffpunkt für Trauernde sein, die sich dort austauschen und ihren Schmerz gemeinsam verarbeiten können. Dies ist eine Initiative der Evangelischen Kirchengemeinde und örtlichen Pflegediensten. Darüber sprachen wir mit den beiden Spangenberger Pfarrern Kathrin Mantey und Michael Schümers.

Warum soll es in Spangenberg ein Trauercafé geben?

Kathrin Mantey: Bei Beerdigungen, wenn die Trauer akut ist, sind oft viele Menschen da. Nach einiger Zeit haben Trauernde oft das Gefühl, den Freunden ihre Trauergeschichte nicht zum zehnten Mal erzählen zu wollen. Sie wissen dann nicht wohin mit ihrer Trauer. Das Trauercafé kann ein Ort sein, von der eigenen Traurigkeit zu erzählen - und zwar Menschen, die einem zuhören und die einen verstehen, weil sie ähnliches erlebt haben.

Michael Schümers: Das Trauercafé kann ein Ort sein, wenn die große Stille ausbricht. Dort können Trauernde sich gegenseitig stärken und nach dem Tod des Partners oder Familienangehörigen neue Schritte zurück ins Leben gehen.

Mantey: Und dort können neue Bekanntschaften und Freundschaften entstehen.

Trauer ist aber doch etwas sehr Privates - warum soll ich öffentlich trauern?

Mantey: Wir geben Trauernden die Möglichkeit, sich in gemütlicher, ruhiger Atmosphäre und im geschützten Raum zu treffen. Die Erfahrung der Pflegedienste ist, dass speziell ältere Trauernde oft sehr alleine sind: Die Kinder sind weit weg und haben viel zu tun. Und die Trauernden sitzen alleine zuhause. Im Trauercafé haben sie die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen.

Wann findet das erste Trauercafé statt?

Mantey: Es ist für kommenden Dienstag, 14. April, von 14.30 Uhr bis 16 Uhr geplant und soll erst mal vierteljährlich stattfinden. Eingeladen sind Trauernde, egal welchen Alters, egal wo sie herkommen und egal wie lange der Trauerfall her ist.

Was erwartet die Besucher?

Schümers: Dort gibt es keine Referate von Fachleuten, denn das Treffen von Gleichgesinnten ist hilfreicher und bestärkender. Dort können Menschen sich mit ihren unterschiedlichen Trauererfahrungen auch helfen und gegenseitig Trost geben.

Mantey: Wir geben lediglich einen Impuls für einen positiven Zuspruch, zum Beispiel ein Gebet, einen Psalm, eine Geschichte

Schümers: Dort wird Raum zur Trauer und zur Klage sein, hier müssen die Besucher nicht stark sein. Wir wollen damit verdeutlichen, dass man wegkommt vom Du-musst-doch-funktionieren. Denn wie ein gebrochener Arm Zeit braucht, um wirklich zu heilen, braucht ein Trauernder auch Zeit, um den Schmerz des Verlusts eines geliebten Menschen zu verarbeiten.

Welche Rolle spielt der christliche Glaube?

Mantey: Jeder kann zum Trauercafé kommen, auch wenn er sich vom christlichen Glauben nicht angesprochen fühlt. Aber unser Handeln ist gestärkt durch unseren christlichen Glauben; wir können als Seelsorger die Trauer gut aushalten….

Schümers: ...weil wir an einen Gott glauben, der Leiden kennt und neue Lebenshoffnung schenkt, so wie wir es Ostern wieder gefeiert haben.

• Termin: Trauercafé in Spangenberg am Dienstag, 14. April, 14.30 bis 16 Uhr, Gasthaus Grüner Baum

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