GESPRÄCHE AM GARTENZAUN

Bischofferode ist ein Örtchen im Grünen

In kleiner Gruppe durch Bischofferode: Mit Ortsvorsteher Bernd Deist (von links), Georg Möller, Jens Sandrock und Herbert Grimm ging es durch das kleine Dorf an der Pfieffe.
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In kleiner Gruppe durch Bischofferode: Mit Ortsvorsteher Bernd Deist (von links), Georg Möller, Jens Sandrock und Herbert Grimm ging es durch das kleine Dorf an der Pfieffe.

Für unsere Sommerserie Gespräche am Gartenzaun waren wir diesmal in Bischofferode zu Gast. Einem 195-Seelen-Dorf mitten im Grünen.

Bischofferode – Grün soweit das Auge reicht. Bischofferode hat laut Ortsvorsteher Bernd Deist rund 7000 Quadratmeter Felder und Wiesen. Und das merkt man auch. Wie ein Kurort erscheint das Dorf. Dieses Gefühl stellt sich bereits am Dorfplatz, dem Startpunkt des Ortsrundgangs, ein. Zur 725-Jahrfeier im Jahr 2005 wurde der Dorfplatz neu gestaltet.

Die Arbeit

Doch es ist auch eine Menge Arbeit, diese Schönheit zu erhalten – das betonen die Bischofferöder immer wieder. „Den Ort schön zu halten, ist ein Gemeinschaftsprojekt“, sagt Herbert Grimm. Bernd Deist pflichtet ihm bei. Als Ortsvorsteher geht er mit gutem Beispiel voran. Meist viel zu bescheiden, sagt Grimm weiter. Zäune müssen erneuert, Blumen gepflegt und Gebäude instand gehalten werden. Und das alles in Eigenregie. „Eigentlich müssten alle mit anpacken“, sagt Deist. Doch das Engagement zur Ortspflege sei nicht mehr ganz das, was es einmal war.

Die Probleme

Die jüngeren Generationen verschlägt es immer häufiger aus dem ländlichen Raum in die Städte. Das merkt man auch in Bischofferode. Nur noch 195 Menschen leben in dem Dörfchen. 2004 waren es noch 215. Gewerbliche Landwirtschaft gibt es nicht mehr, auch die letzte Gaststätte hat vor Jahren geschlossen.

Die Schönheit

Und doch glänzt das Örtchen in einem satten Grün und es wirkt nicht so, als fehle es in dem Dorf an etwas. Bunte Blumenkübel schmücken die Wege entlang der Dorfstraßen. Viele idyllische Sitzbänke laden während des Rundgangs zum Rasten und Verweilen ein. „Alles selbst gemacht“, sagt Bernd Deist stolz. „Wir machen hier eigentlich alles selbst, und außer ein paar kleinen Zuschüssen von der Stadt Spangenberg zahlen wir auch alles aus der Dorfkasse.“ Man merkt in Bischofferode nicht nur, dass alles selbst gemacht ist, sondern auch, dass es gerne gemacht wird. Die Gärten der Bischofferöder tragen ebenfalls zu dem Gefühl bei.

Das Hochwasser

Ein Thema, das einen Großteil der Bischofferöder jedes Jahr aufs Neue beschäftigt, ist die Angst vor Überschwemmungen. „Der Wassergraben ist einfach zu schmal. Wenn da nur ein bisschen zu viel Geäst reinfällt, staut sich alles auf und läuft auf kurz oder lang über“, sagt Deist. Da seien Schäden vorprogrammiert. Keller laufen voll mit Wasser, die Straßen werden überschwemmt und die schönen Gärten der Bischofferöder werden komplett auf den Kopf gestellt. „Es ist einfach frustrierend, wenn man im Garten schon alles eingesät hat und dann wird dir alles weggespült“, berichtet Jens Sandrock. Vor allem im Frühling und Frühsommer kommt es zu Überschwemmungen. Manchmal sogar mehrfach im Jahr. „Das dauert schon ein paar Tage, bis man das wieder alles auf Vordermann gebracht hat“, sagt Sandrock weiter.

Die Gastfreundschaft

Wenn die Gärten der Bischofferöder vom Hochwasser verschont bleiben, stehen sie jederzeit für Besucher offen. Da spürt man die Verbundenheit der Dorfgemeinschaft. Auch wenn zu Corona-Zeiten keine größeren Veranstaltungen stattfanden, blieb man doch über Gespräche im Garten oder über den Gartenzaun in Kontakt. Jeder ist bei jedem willkommen. Man bleibt gerne auf ein Getränk und ein Schwätzchen.

Die Tierliebe

Auf den satten und gepflegten Wiesen und Feldern tummeln sich eine Menge Tiere in Bischofferode. Die Kühe, Schafe und Schweine haben jede Menge Platz und fühlen sich pudelwohl. Attraktionswert hat der junge Rehbock Rudi, der ein großes Auflaufgehege im Garten von Ehepaar Heine hat. Vor etwas mehr als einem Jahr fand das Ehepaar den Bock angefahren am Straßenrand. „Er war noch ein Kitz und angewiesen auf seine Mutter. Die hätte ihn aber nicht angenommen“, erzählt Stefan Heine, der bei Hessenforst arbeitet. Also entschieden die Heines, Rudi mit zu sich nach Hause zu nehmen, um ihm eine Überlebenschance zu geben. Der Bock hatte einen gebrochen Kiefer und es war unklar, ob er es schaffen würde. Doch mit einiger Hilfe päppelten Heines ihn wieder auf. „Der Tierarzt kommt heute noch manchmal zu Besuch, so etwas hat der auch noch nicht erlebt“, erzählt Erna Heine. Zu ihr hat Rudi am meisten Vertrauen gefasst.

Auch der Garten von Familie Grimm hat neben dem dorfbekannten Bahnsignal etwas Außergewöhnliches zu bieten. Als Herbert Grimm einen Stein in seinem Garten anhebt, kommt eine junge Landschildkröte zum Vorschein. Insgesamt tummeln sich über 20 Schildkröten in dem Garten. Herbert Grimm ist stolz auf seine Zucht.

In Bischofferode ist man begeistert von dem, was man hat und von dem, was man tut. Bei so viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft vergisst man sogar fast, dass es keinen Handyempfang im Ort gibt.

Man trifft sich am Dorfplatz oder kommt in den Gärten zusammen und genießt die Gesellschaft.

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