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Fachkräftemangel in der Region: Abgängerinnen der Burgsitzschule sprechen über ihre Pläne

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Von: Barbara Kamisli

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Haben beide schon Pläne: Didem Yüzer (links) will ihr Abitur machen und Caroline Karius beginnt eine Ausbildung zur Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement.
Haben beide schon Pläne: Didem Yüzer (links) will ihr Abitur machen und Caroline Karius beginnt eine Ausbildung zur Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement. © Barbara Kamisli

Immer mehr Betrieben fehlen Fachkräfte und Auszubildende. Mit unserer Serie „Ein Thema eine Woche“ beleuchten wir das Problem aus verschiedenen Perspektiven. Heute: Schüler der Burgsitzschule.

Spangenberg – Caroline Karius und Didem Yüzer verlassen in diesem Sommer die Burgsitzschule. Wir haben mit den beiden 16-Jährigen darüber gesprochen, wie es für sie nach der Gesamtschule weitergeht und wie sie an der Schule auf Studium oder Beruf vorbereitet werden. Caroline Karius besucht den Realschulzweig und Didem Yüzer den gymnasialen Zweig.

Wie geht es für euch nachden Sommerferien weiter?

Karius: Ich hatte die Wahl, eine Ausbildung oder Fachabitur zu machen. Im Berufspraktikum war ich in einem Büro. Das hat mir gut gefallen, ich arbeite immer noch dort. Im September beginne ich eine Ausbildung als Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement. Ich hätte mir aber auch einen Handwerksberuf vorstellen können – Schreiner zum Beispiel.

Yüzer: Ich möchte definitiv Abitur machen. Ich hatte ein Praktikum in einer Apotheke gemacht und dabei festgestellt, dass Pharmazie nicht die richtige Richtung ist. Ich möchte gern Humanmedizin oder Jura studieren.

Wie stehen denn eure Mitschüler dazu? Eher Ausbildung oder eher weiter zur Schule gehen?

Karius: Bei uns machen viele eine Ausbildung, das wird nicht negativ gesehen.

Yüzer: Bei uns macht die Mehrheit Abitur, weil sie die Möglichkeit haben und das auch als Chance sehen für später. Aber das heißt nicht, dass jeder studieren will. Eine Ausbildung ist auch für viele denkbar. Dennoch ist es so, dass die Pläne nicht bei allen schon so konkret sind. Wir haben ja noch drei Jahre Zeit.

Fühlt ihr euch denn von der Schule gut vorbereitet für euere weiteren Pläne?

Karius: Ja, wir haben von der Schule wirklich viel Unterstützung bekommen. Auch bei der Suche nach Ausbildungsplätzen. Alle vier Wochen kommt jemand von der Agentur für Arbeit und berät uns. Es gab ein Programm, bei dem wir über Gespräche und das Ausfüllen von Fragebögen etwas über unsere Kompetenzen herausfinden konnten.

Yüzer: Wir im Gymzweig sind auch gut vorbereitet worden. Klar sind da bei vielen noch Fragezeichen, wie es nach dem Abitur weitergeht. Praktika und Lehrerfeedback haben aber dabei geholfen, bei der Wahl von Kursen für die Oberstufe. Es ist jedoch schon so, dass im Gymzweig die Berufsausbildung eher etwas stiefmütterlich behandelt wird. Aber die Studienberatung war schon zielführend. Auch der Schnuppertag an der Geschwister-Scholl-Schule in Melsungen hat bei der Orientierung geholfen.

Habt ihr den Eindruck, dass ihr im Gegensatz zu vorherigen Jahrgängen durch Corona und Homeschooling Nachteile hattet?

Yüzer: Ich denke nicht. Wir mussten uns zum Beispiel wegen Corona digital besser aufstellen. Das sind ja Dinge, die uns für später auch eine Menge bringen.

Karius: Ich finde auch, dass wir gut vorangekommen sind. In manchen Dingen zwar ein bisschen stockend, aber das war nicht weiter schlimm.

Was wünscht ihr euch jetzt für euren weiteren Werdegang?

Karius: Ich freue mich darauf, in meiner Ausbildungsstelle bei Edeka Hessenring neue Leute kennenzulernen und neue Erfahrungen im Beruf zu sammeln.

Yüzer: Ich wünsche mir, dass ich weiter so ehrgeizig bleibe und mir meinen Traum vom Medizin- oder Jurastudium erfüllen kann. Ich freue mich darauf, neue Leute kennenzulernen, und hoffe, dass ich die richtigen Fächer (Englisch/WiWi) gewählt habe. Und ich hoffe, dass mir neben der Schule weiterhin genug Zeit für Arbeit und Hobbys bleibt.

Zu den Personen

Caroline Karius (16) besucht den Realschulzweig der Spangenberger Burgsitzschule. Sie macht gerade ihren Schulabschluss und will im Anschluss eine Ausbildung bei Edeka-Hessenring als Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement in Melsungen beginnen.

Didem Yüzer (16) besucht den Gymnasialzweig der Burgsitzschule. Sie möchte Abitur machen und anschließend entweder Humanmedizin oder Jura studieren. Beide engagieren sich an der Burgsitzschule in der Schülervertretung. Caroline als Schulsprecherin und Didem als Beisitzerin.

Berufsorientierung früh beginnen

Die Schüler der Burgsitzschule werden schon früh aufs Berufsleben vorbereitet, sagt Verena Reichmann, Haupt- und Realschulzweigleiterin und Berufsorientierungs-Koordinatorin an der Burgsitzschule.

Sie sagt, dass im R-Zweig zwei Drittel der Schüler in diesem Jahr eine Ausbildung machen wollen. In den vergangenen Jahren seien es meist weniger gewesen. Die Angebote an die Schüler sind dabei vielfältig. Sie reichen von Berufspraktika, über Bewerbungstrainings, Kompetenzfeststellungsverfahren und Berufsberatung.

„Wir starten in der 7. Klasse“, sagt Reichmann. Die Schüler des Haupt- und Realschulzweiges machen zwei Berufspraktika sowie ein zweiwöchiges Praktikum in der Jugendwerkstatt Felsberg. Für den Gymnasialzweig steht ein Berufspraktikum auf dem Plan. Und es gebe viele Informationen zum Thema Studium.

„Es ist für die Schüler schwierig, sich festzulegen. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig anzufangen“, sagt Reichmann.
Mit der Firma Wikus gibt es noch ein besonderes Projekt: Dort können Schüler in der Ausbildungswerkstatt des Unternehmens als Mechatroniker oder als Maschinen- und Anlagenführer ein Praktikum machen und so einen Ausbildungsplatz bekommen.

„Das ist auch mit Zielvereinbarungen für den Unterricht verbunden und soll motivieren“, sagt Reichmann. Es gibt auch eine interne Praktikumsmesse bei der Schüler Schülern über ihre Erfahrungen berichten. „Der optimale Weg ist, viele Gespräche mit den Schülern zu führen.“

(Barbara Kamisli)

Mehr zur Serie „Fachkräftemangel in der Region“

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie „Ein Thema eine Woche: Fachkräftemangel in der Region“. Mehr zum Thema gibt es in weiteren Teilen.

Wie Migration dem Fachkräfte- und Auszubildenenmangel entgegenwirken kann, lesen Sie hier.

Wie beliebt das Dachdeckerhandwerk heutzutage ist, lesen Sie hier.

Wieso ein Florist seine Filiale wegen des Fachkräftemangels schließen musste, lesen Sie hier.

Welche Arbeit Ukrainerinnen aktuell im Melsunger Fleischwerk der Edeka-Hessenring haben, lesen Sie hier.

Wie Berufsschullehrer auf den Fachkräftemangel blicken, lesen Sie hier.

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