Bildung ist ihnen wichtig 

Familie aus Syrien hat in Spangenberg ein Zuhause gefunden 

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In Spangenberg angekommen: Die syrische Familie Salhani hat in Spangenberg ein neues Zuhause gefunden. Im Bild von links Lamar (9 Jahre alt), Adnan (13), Mutter Rawaa, Ahmad (15), Kosay (6) und Vater Mustafa Salhani.

Spangenberg. Vor anderthalb Jahren floh Familie Salhani von Syrien nach Deutschland. Damals landeten sie in Schnellrode. Jetzt haben wir die Familie in Spangenberg besucht. 

Bildung ist das Wichtigste, findet Mustafa Salhani. Der 42-Jährige ist mit Frau und vier Kindern vor dem Krieg aus seiner syrischen Heimat geflüchtet. Er durfte nur drei Jahre zur Schule gehen. Seit seinem elften Lebensjahr arbeitete Mustafa als Koch; er musste Geld verdienen, weil sein Vater krank war. Beim Pressetermin sitzt er auf dem Plüschsofa in seinem Wohnzimmer in der Spangenberger Altstadt – mit Schrankwand, Couchtisch, Fernsehgerät auf dunkelbraunem Sideboard. Mustafas Deutsch klingt noch gebrochen. Der Familienvater ist sichtbar stolz und glücklich, dass seine Kinder in Deutschland zur Schule gehen dürfen.

Ahmed, 15 Jahre

Sein Sohn Ahmed, 15, hat gerade auf den gymnasialen Zweig der Burgsitzschule gewechselt. Er besucht die siebte Klasse und lernt fleißig, weil er Arzt werden möchte. Er liebt Sprachen, vor allem Deutsch. Und weil er der älteste Sohn ist, übersetzt er für die Familie.

Deutsch hat er auch mit deutschen Büchern gelernt. Henriette Wodtke, die Patin der Familie, hat ihm „Greg’s Tagebücher“ mitgebracht: Comicbücher mit Texten aus dem Leben von Kindern. Und vier Mal pro Woche geht Ahmed nachmittags zu seinem Landsmann Abdulrazzak Daadaa. Der 23-Jährige hat in Syrien Französisch studiert und gibt syrischen Kindern in Spangenberg Nachhilfe. Bei Daadaa lernt Ahmed auch Arabisch. Es ist zwar seine Muttersprache, der Junge soll sie aber weiterhin gut lesen können – weil es die Muttersprache ist.

Adnan, 13 Jahre

Gut integriert ist Bruder Adnan, 13. Der Fünftklässler hat auch über den Sport viele Freunde gefunden: Er liebt Schwimmen und Fußball, besucht nach der Schule die Hip-Hop-AG und die Handball-AG. Stolz ist er auf sein Freischwimmer-Abzeichen, das er während eines Schwimmkurses gemacht hat. Vor anderthalb Jahren hatte ihm eine Klassenkameradin den Wellensittich Karli geschenkt. Als dieser irgendwann durch ein offen stehendes Fenster verschwand, war Adnan zwei Tage lang traurig. Seine Liebe zu Tieren zeichnet er gerne auf Papier. Kein Wunder, dass neben Mathe Kunst sein Lieblingsfach ist.

Lamar, 9 Jahre

Seine Schwester Lamar ist neun Jahre alt. Anfangs schüchtern beim Pressetermin, sprudelt sie los, als es um ihre Lieblingsfächer in der Schule geht: „Mathe, Deutsch, Kunst, Musik und alles“, sagte sie – in akzentfreiem Deutsch. Und was will sie mal werden? „Lehrerin für alles.“

Kosay, 6 Jahre

Der Jüngste der Familie, Kosay, geht noch in den Kindergarten. Der Sechsjährige versteht Deutsch gut, traut sich beim Pressetermin noch nicht so recht, zu sprechen. Ab Sommer wird er zur Burgsitzschule gehen.

Rawaa, 33 Jahre

„Es ist schwer, Kontakt mit Deutschen zu haben“, sagt Rawaa. Sechs Stunden pro Woche hat sie Deutschunterricht, den Kurs organisiert der Verein Spangensteine. Mutter Rawaa vermisst ihre Familie: Die Oma lebt in Beirut, ein Bruder in der Türkei, die Eltern leben in Saudi-Arabien, zwei Brüder in Hama/Syrien.

Die 23-jährige Schwester ist in Saudi-Arabien verheiratet. Mit ihren sieben und fünf Jahre alten Töchtern war sie im vergangenen Sommer für einen Monat zu Besuch bei den Salhanis in Spangenberg. „Das war so schön“, sagt Rawaa. Die 33-Jährige ist froh, dass die Familie nach einigen Monaten in Schnellrode seit September 2016 in einer Wohnung in Spangenberg lebt: „Hier ist es einfacher: Schule, Supermarkt, Henriette“, sagt die junge Frau. Patin Henriette Wodtke unterstützt die Familie bei allen Hürden des Alltags.

Mustafa, 42 Jahre

Dem Familienvater hat die Patin die Buchstaben beigebracht. Nach nur drei Schuljahren in Syrien musste der 42-Jährige die lateinische Schrift lernen. Seine Frau hatte in der Schule Englisch, sie konnte schon die lateinischen Buchstaben. Die lateinische Schrift fiel Mustafa anfangs schwer. „Wir haben mit Supermarkt-Prospekten geübt“, berichtet Patin Henriette, „und er hat schnell eine schöne Schrift entwickelt.“ Nun pendelt er fünf Tage die Woche nach Kassel, um dort beim Integrationskurs Deutsch zu lernen.

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