Neues Gutachten der Betreibergesellschaft

Fledermäuse könnten Spangenberger Windpark verhindern

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25. Mai 1974: ein letztes Mal fährt der 3-Uhr-Zug aus Richtung Spangenberg kommend, in den Tunnel ein. Die Aufnahme entstand bei einem kurzen Stopp für die Fotografen

Bischofferode. Fledermäuse könnten über den Bau des Windparks Stölzinger Höhe entscheiden.

Nach HNA-Informationen wird die Betreibergesellschaft, die Windfarm Spangenberg-Stölzinger Höhe, ein neues Fledermausgutachten erstellen lassen.

Der Grund: Der stillgelegte Eisenbahntunnel bei Bischofferode gilt als bundesweit bedeutsames Winterquartier für Fledermäuse, speziell für das Große Mausohr. Das geht aus einem Gutachten des Instituts für Tierökologie und Naturbildung, Laubach, hervor. Damit steht der Tunnel unter besonderem Schutz. Er ist seit 2008 FFH-Gebiet und liegt rund 1300 Meter von einem möglichen Windrad-Standort entfernt. Diese Anlagen sind kanadischen Forschern der Universität Calgary zufolge eine1 Gefahr für Fledermäuse: Die Rotorblätter erzeugen Unterdruck, wodurch die Blutgefäße in den Lungen der vorbeifliegenden Fledermäuse platzen – dieses Phänomen wird Barotrauma genannt.

Kritik von Bürgerinitiative

Für Roland Dilchert von der „Bürgerinitiative zur Rettung des Waldes“ ist es „ein Irrsinn“, dass nur der Tunnel zum FFH-Gebiet erklärt wurde, nicht aber das Gelände und damit das Jagdrevier drumherum. Er erklärt das mit einem Vergleich: „Das Haus ist zwar geschützt, aber der Garten mit dem Obst und Gemüse drumherum wird kaputt gemacht.“

Laut Regierungspräsidium, das als Genehmigungsbehörde über den Windpark-Antrag entscheidet, hat das neue Gutachten „nach derzeitigem Stand keine Auswirkungen auf den Zeitplan des Verfahrens“, so Pressesprecher Michael Conrad.

Das Verfahren wurde bis September ausgesetzt. Michael Zimmermann, Pressesprecher des Antragsstellers, geht davon aus, dass der Windpark „im Einklang mit den naturschutzrechtlichen Bestimmungen errichtet und betrieben werden kann“.

Hintergrund

Auf der Stölzinger Höhe an der Grenze zwischen den Landkreisen Schwalm-Eder, Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg soll ein Windpark entstehen. Betreibergesellschafter ist die Windfarm Spangenberg-Stölzinger Höhe aus Leer/Ostfriesland. Sie hat beim Regierungspräsidium Kassel beantragt, zwölf Windkraftanlagen zu bauen – zur weiteren Klärung der naturschutzrechtlichen Situation ruht das Genehmigungsverfahren bis September 2017. Jedes Windrad soll 199 Meter hoch sein. Acht Standorte befinden sich auf Schwalm-Eder-Gebiet, vier im Werra-Meißner-Kreis. Grundstückseigentümer sind die Stadt Spangenberg (sechs Anlagen) und Hessen Forst.

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