Flüchtlings-AG Spangenberg pachtete Schrebergarten für Flüchtlingsfamilie

Im neuen Garten: Die Familie Tursum/Ahmetovic aus Bosnien lebt seit 13 Monaten in Spangenberg. Die Flüchtlings-AG hat einen Schrebergarten für die Familie gepachtet. Im Bild von links Enes Ahmetovic, Patin Nadine Rogler, Munira Ahmetovic, Emma, Sajla und Lejla Tursum. Foto: Feser

Spangenberg. Die Flüchtlings-AG Spangenberg hat für eine bosnische Familie einen Schrebergarten gepachtet.

So was hatte Lejla Tursum noch nie gesehen: mannshohe Büsche „mit so komischen grünen Dingern dran, wie Murmeln“. Die junge Frau aus Bosnien, die als Asylbewerberin in Spangenberg lebt, wunderte sich über die Büsche, die überall im neuen Garten wachsen. Die Spangenberger Flüchtlings-AG hat die Parzelle mit Häuschen und Gemüsebeet für Lejla Tursum und ihre Familie gepachtet.

Lejlas Mutter Munira Ahmetovic, 53, hat zuhause in Bosnien auch immer im Garten gearbeitet: Tomaten gepflanzt, Paprika, Kartoffeln, Zwiebeln, Spinat, Petersilie, aus denen bosnische Gerichte gekocht wurden, deren deutsche Übersetzungen sie nicht kennt. Aber dass sie lecker schmecken, das kann sie sagen. Jetzt hat Munira gemeinsam mit ihrem Mann Enes, 58, der Tochter Lejla und den beiden Enkeln Sajra, acht Jahre, und Emma, 13 Monate, in ihrer neuen Heimat ein Stück Heimat gefunden.

„Hier können wir abschalten von den Sorgen“, sagt Lejla Tursum. Seit 13 Monaten wartet die Familie auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag und hofft alle drei Monate auf eine Erneuerung des Duldungsstatus’. Dabei würde Lejla so gerne arbeiten: In Bosnien hat die 27-Jährige ein Wirtschaftsstudium mit Bachelor abgeschlossen. Hochschwanger aus Bosnien geflohen, kam Emma, ihre zweite Tochter, vor 13 Monaten in Deutschland zur Welt. Ihre ersten Schritte machte Emma im neuen Garten in Spangenberg, erzählt Lejla. Sie freut sich, wenn sie Emma den Garten entdecken und Sajra im Gras spielen sieht. „Das ist ein Stück normales Leben.“

Denn die Flüchtlingsfamilie hat Probleme - neben der Ungewissheit über eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis kommen Sorgen über die Gesundheit des Vaters Enes hinzu, der an Diabetes leidet. Die deutsche Sprache ist kein Problem für die Familie: Lejla spricht fließend Deutsch, weil sie als Sechsjährige mit den Eltern vor dem Bosnienkrieg flüchtete und fünf Jahre lang in Bad Zwesten lebte und dort zur Schule ging. Dann kehrte die Familie zurück nach Bosnien. Tochter Sajra geht in die Burgsitzschule und spricht fließend Deutsch, Oma Munira kann sich in der Sprache ihrer neuen Heimat verständigen, Opa Enes versteht sie.

Beim Lösen der Alltagsprobleme hilft ihnen Nadine Rogler. Die Spangenbergerin engagiert sich in der Flüchtlings-AG und ist Patin der bosnischen Familie. Fehlt eine Matschhose für Emma, gibt es Probleme mit der Zuzahlung für Enes’ Brille, dann kümmert sich Nadine Rogler darum. „Sie ist uns eine große Hilfe“, sagt Lejla.

Die mannshohen grünen Büsche mit den komischen Murmeln dran, die im Garten wachsen, sind übrigens Pflanzen gegen Mäuse. Das hat Lejla mittlerweile herausgefunden. Den deutschen Namen für die Mausefalle kennt sie aber noch nicht.

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