Flut-Katastrophe

Flutopfer aus dem Ahrtal besuchten Spendenhelfer aus Spangenberg

Standesgemäßer Empfang: Die Spangenberger Ritter begrüßten die Flutopfer vor dem Spangenberger Schloss.
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Standesgemäßer Empfang: Die Spangenberger Ritter begrüßten die Flutopfer vor dem Spangenberger Schloss.

Sven Rogler aus Spangenberg hat eine Initiative für die Geschädigten im Ahrtal ins Leben gerufen. Nun kamen einige Flutopfer zu Besuch.

Spangenberg – Am Wochenende waren vier Familien aus den betroffenen Ortschaften Odendorf und Heimerzheim aus der Gemeinde Swistal zu einem Gegenbesuch in Spangenberg. Zehn Erwachsene, zwei Jugendliche und zwei Kinder genossen die Gastfreundschaft von Sven Rogler, seiner Frau Yvonne und weiteren Helfern.

Nach einer Stadtbesichtigung in Melsungen und einer Runde Eis, die Sven Rogler am Freitag spendierte, folgten am Samstag eine Besichtigung des Spangenberger Schlosses, wo die Gäste auch schlafen. Dort wurden sie von Rittern in standesgemäßer Bekleidung begrüßt. Es folgte eine Besichtigung mit Fackeln in den Tiefen der Schlossmauern und des Schlossgrabens.

Besucher waren begeistert von Hilfsbereitschaft

Danach ging es durch die Stadt zum Liebenbachbrunnen mit anschließendem Abendessen in der Wandelhalle. Die Besucher waren von der Hilfsbereitschaft der Nordhessen und von der Stadt angetan.

„Wenn nicht so viele freiwillige Helfer gewesen wären, wären wir nicht so weit, die Politik hat nicht reagiert, da ist einiges schiefgelaufen“, sagte Manuela Ajua. Sie hatte die Spangenbergerin Melanie Mell vor neun Jahren in der Mutter-Kind-Kur kennengelernt, und seitdem sind sie befreundet.

„Wir wollten mit dem Wohnmobil in Urlaub fahren. Als wir von der Katastrophe hörten, haben wir storniert und sind mit dem Wohnwagen nach Remagen gefahren. Dann fuhren wir jeden Tag nach Odendorf und haben geholfen. Wir wollten zu Manuela, kamen aber nicht hin. Man kennt Hochwasser von der Fulda, aber das war eine Katastrophe.“

Flut: Nicht alles kann ersetzt werden

Manuela Ajua ist traurig, dass die Kinder leiden, viele Sachen seien weg und nicht mehr zu kaufen – wie etwa Kinderfotos und Plüschtiere. Ihr Mann habe seinen Ehering verloren, der sei nicht einfach durch einen neuen Ring zu ersetzen, sagt die Odendörferin. Ihre Tochter leide: „Alle haben ein Zuhause. Wir nicht mehr.“ Aber: Es gebe auch einen einzigartigen Zusammenhalt und es seien Freundschaft entstanden. „Wir trösten uns, dass wir überlebt haben und sind dankbar“, sagt die Mutter.

Ihr Haus wurde überflutet, alle Möbel seien hin – viele erst vor Kurzem gekauft. Der Vorgarten mit neuem Gartenzaun sei komplett weggeschwemmt. Seit sechs Monaten wohnten sie zur Miete – seien schon viermal umgezogen. Sie hätten nun lange Fahrwege und die Versicherungen kürzten das Geld.

Jens Rosing hat noch vor Augen, wie fremde Sofas im Garten vorbei schwammen, auch ihre Gartenhütte mit dem Betonfundament, Autos und vieles mehr, „Wir haben tolle Leute um uns, der Besuch in Spangenberg wird wohl unser Jahresurlaub gewesen sein“, sagt Rosing.

Sven Rogler half mehrmals im Ahrtal

Mehrfach kutschierte Rogler Kleider, Möbel und Spielzeug in das Ahrtal. Beispielsweise kamen 270 Paar Socken und Mützen aus Spenden für Kinder zusammen. Wichtig sei die direkte Hilfe, erläutert er, weil Geld und finanzielle Zuwendungen manchmal nicht ankämen. Inzwischen sind die Menschen vor Ort gut bestückt mit Kleidung und brauchen andere Dinge.

Als nächstes plant Sven Rogler Ende November eine Lieferung von 70 Heizgeräten. Aber er hat nicht nur Helfer, sondern auch Sponsoren wie die Eschweger Brauerei und die Firmen Stock und Wikus, Bau-Spezi, Mücke, Bernd Böde, Matthias Schneeweiß von Akku Mann, Werkzeugbau Weidemann, Renault Griesel, Schloss Spangenberg, Life Balance Campus, YES Catering, Firma Rarack und den Edeka-Markt von Lars Kröniger, der Verpflegung und Getränke kostenlos zur Verfügung stellt.

Er freut sich „über die bedingungslose Unterstützung der Stadt Spangenberg“. Die Sponsoren waren in die Wandelhalle eingeladen, und einige waren auch anwesend.

Ausflug nach Spangenberg tat gut

„Ich wäre auch froh, wenn mir geholfen würde, sagt Rogler auf sein Engagement angesprochen. Die Kinder bekamen am Abend noch Bücher oder Playmobil geschenkt.

Manche Menschen im Ahrtal hätten alles verloren und rängen auch vier Monate nach der Katastrophe noch um das Notwendigste. Viele Häuser seien nur zum Teil oder überhaupt nicht mehr bewohnbar – manche hätten noch keinen Strom oder Wasser. Da tue ein Ausflug ins idyllische Spangenberg gut, um den Geruch von Schlamm und Heizöl mal aus der Nase zu bekommen, da waren sich die Besucher einig. (Hannelore Braun)

Kontakt: Wer helfen möchte, Sven Rogler, unter Tel. 0173/2611637

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