Freunde seit 25 Jahren

Spangenbergerin lud nach der Grenzöffnung eine Familie zu sich ein

Urlaub: (von links) Silke Wagner und Friedhelm Scherzberg unternahmen mit Irmtraud Illing eine Reise nach Berlin. Kleines Foto: Irmtraud Illing heute in Spangenberg. Fotos:privat/Nieswandt

Spangenberg. Vor 25 Jahren fiel die innerdeutsche Grenze und die Menschen konnten aus der DDR in den Westen reisen. Sie kamen in großer Zahl auch in den Schwalm-Eder-Kreis. Zeitzeugin Irmtraud Illing berichtet, wie sie die Ereignisse damals erlebte.

An ihre Begegnung mit ihren Freunden aus Sondershausen in Thüringen erinnert sich Irmtraud Illing aus Spangenberg noch ganz genau. „Es war eisig kalt draußen und es hat geschneit“, sagt sie über den Freitagnachmittag im Dezember 1989. „Ich hatte im Rathaus geputzt und konnte vom Fenster beobachten, dass eine vierköpfige Familie an der Klinke der Rathaustür rüttelte“, erzählt die heute 69-Jährige aus Spangenberg.

Dann sah sie den Trabbi auf dem Parkplatz stehen. „Da wusste ich, dass es Menschen aus der ehemaligen DDR waren, die ihr Begrüßungsgeld abholen wollten“, sagt Illing. Nach Feierabend ist sie aus der Tür getreten. Die Fremden, seien ihr gleich aufgefallen, weil sie andere Kleidung trugen als die, die zu dieser Zeit in der Bundesrepublik modern war. „Sie haben sicherlich gefroren “, sagt Illing.

Deshalb habe sie etwas getan, was sie sonst eher selten tut: Eva und Waldemar Scherzberg mit ihren Söhnen Carsten und Friedhelm spontan zu Kaffee und Kuchen bei sich zu Hause einladen. Das war der Beginn einer Freundschaft, die noch heute vorhanden ist.

„Sie waren mir von Anfang an sympathisch. Darüber, dass ich mir fremde Menschen ins Haus hole, habe ich nicht nachgedacht“, sagt die Spangenbergerin. Dazu sei auch keine Zeit gewesen, da sie gleich mit ihnen ins Gespräch gekommen ist.

Erinnerung:(von links) Eva Scherzberg, Irmtraud Illing und Friedhelm Scherzberg mit dem Auto von Irmtraud Illing.

Dabei hat sie auch erfahren, dass Waldemar Scherzberg nach Spangenberg fuhr, da es dort statt der üblichen 100 Mark Begrüßungsgeld 130 Mark gab. „Wir haben uns mit dem Holen des Begrüßungsgeldes Zeit gelassen. Wir wollten uns nicht in die lange Schlangen der Trabbis einreihen“, sagt der heute 80-Jährige.

Die Geduld hat sich gelohnt, schließlich haben sie tiefe Freundschaft mit Illing geschlossen. Sie hat sich beim Kaffeetrinken besonders gut mit Friedhelm Scherzberg, einem der drei Söhne der Familie, verstanden. „Er hat mir erzählt, dass er Arbeit sucht, also habe ich mich für ihn umgehört und ihm eine Stelle besorgt“, sagt sie. Friedhelm Scherzberg sei oft zu Besuch gekommen.

Im Februar 1990 ist er dann in einen Bungalow in Spangenberg gezogen und hat mit seiner Arbeit als Arzneilieferant begonnen. Außerdem ist er viel gereist, um die Welt zu sehen.

Doch seine Freundschaft zu Irmtraud Illing blieb. „Ich habe ihm oft mein Auto geliehen, damit er zu seiner Familie fahren konnte“, sagt die 69-Jährige. „1995 ging er wieder zurück in sein Heimatdorf. Wir haben sehr viele Urlaube gemeinsam gemacht“, sagt sie. Sie hat ihm beispielsweise Westberlin gezeigt. Auch heute, 25 Jahre später, sehen sie sich mehrmals im Jahr und telefonieren regelmäßig.

„Ich feiere bald 70. Geburtstag, er hat schon gefragt, ob er da eine Einladung bekommt“, sagt Irmtraud Illing lachend.

Von Leona Nieswandt

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