DNA-Probe soll Gewissheit geben

War es ein Wolf? Schäfer in Herlefeld in großer Sorge - "Ganze Herde war in Panik"

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Flüchteten Schafe vor Wolf?: Schäfer Anton Göbel zeigt eine beschädigte Stelle am Elektrozaun. Seine Herde und den toten Bock fand er rund 200 Meter weiter.

Der Wolf hat erneut zugeschlagen. Da ist sich Schäfer Anton Göbel aus Herlefeld ziemlich sicher.

Erst vergangenen Mittwoch hatte wie berichtet vermutlich ein Wolf Tiere bei Sipperhausen und Dickershausen gerissen und schwer verletzt. Anton Göbel hatte nun vorgestern spätabends einen seiner Schafböcke tot auf einem Feld gefunden.

Landwirt Dirk Wetzel hatte Göbel gegen 23 Uhr verständigt, weil vor seinem Hof im Dorf ein Schaf stand. „Da habe ich schon nichts Gutes geahnt“, sagt Göbel. Er und Wetzel seien dann zusammen zur Wiese gefahren. Sie fanden nur den leeren Pferch und entdeckten, dass Wetzels Tiere – vier Mutterkühe mit vier Kälbern – von der Nachbarweide ebenfalls verschwunden waren. „Das ist schon das zweite Mal in diesem Jahr, dass Kühe abgehauen sind“, sagt Wetzel. 

Landwirt ist überzeugt: Die Tiere hatten absolute Panik

Es sei absolut ungewöhnlich, dass sie soweit wegliefen. Während Göbel seine Schafe und den toten Bock zirka 200 Meter weiter fand, wurden Wetzels Kühe erst am Donnerstag gegen sechs Uhr zwei Kilometer entfernt entdeckt. Göbel ist sich sicher, dass seine 15 Schafe und die zwei Böcke, die auf einer vollständig mit Elektrozaun umzäunten Wiese standen, panisch vor einem Wolf geflüchtet sind. Gewissheit wird eine DNA-Probe bringen.

Erst vergangene Woche wurden zwei Schafe bei Rotenburg gerissen - auch hier war der Zaun laut dem betroffenen Schäfer "wolfssicher".

Der Rest der Herde steht nun verängstigt und verletzt im Stall von Schäfer Göbel aus Herlefeld.

„Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Göbel. Er habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht aus Sorge um seine Schafe. Derzeit stehen 800 seiner Schafe – davon 500 trächtige – bei Sontra sowie 100 weitere in Rotenburg. „Ich mag mir nicht vorstellen, was los ist, wenn da der Wolf reingeht“, sagt der 66-Jährige. Den gerissenen Zuchtbock habe er erst im Sommer für 1000 Euro gekauft. „Schlimmer als das Geld ist aber die emotionale Seite“, sagt der 66-Jährige.

Schäfer Göbel macht sich Sorgen um die Zukunft

Die Zukunft mache ihm Sorgen. Er habe keine Ahnung, wie er seine Herde schützen könne. Er erhofft sich Lösungen von der Politik. Dass ein Zaun den Wolf nicht aufhalten kann, das habe der Vorfall gezeigt. Herdenschutzhunde seien auch keine Lösung. „Schafe haben von Natur aus Angst vor Hunden“, sagt er. 

Deshalb könne er nicht einfach Herdenschutzhunde in die Herde setzen. Seine Schafe seien nicht daran gewöhnt. Schon seit Langem sage er, dass das mit dem Wolf nicht funktionieren könne. Er befürchtet, dass sich Rudel bilden. Wie berichtet, gibt es zwei weibliche Wölfe im Schwalm-Eder-Kreis beziehungsweise in Landkreis Hersfeld-Rotenburg. „Und die Tiere haben Hunger“, sagt Anton Göbel.

Immer wieder kommt es in der Region zu Wolfssichtungen: Vor Kurzem gelangen in Waldkappel im Werra-Meißner-Kreis Andreas Brandau Filmaufnahmen eines Wolfes.

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