HNA-Interview: Pfarrer Schümers über Projektchor für Estland

Singen beim Kirchentag in Estland: Ein Spangenberger Projektchor wird im Sommer zum Kirchentag nach Tartu reisen. Unser Bild entstand beim Kirchentag im Jahr 2010. Foto: privat

Spangenberg. Zum Sängerfest der estnischen Christen soll unter der Regie von Pfarrer Michael Schümers ein Projektchor in Spangenberg gegründet werden. Die Sänger werden auf Estnisch singen. Die Proben beginnen nach Ostern. Für die Reise nach Tartu gibt es noch wenige freie Plätze.

Was ist ihr Lieblingslied? 

Michael Schümers: Mein Lieblingslied ist „Sing Halleluja“ von Dr. Alban, weil es eine schöne Mischung aus geistlichem Text, poppigem Song und gut tanzbarem Rhythmus ist. Leider wird es nicht mehr so häufig gespielt. Aber während meines Studiums Anfang der 1990er-Jahre in Kiel gab’s eine Disko, die fußläufig gut zu erreichen war.

Haben Sie auch ein estnisches Lieblingslied?

Schümers: Ja, „Ta lendab mesipuu poole“, das heißt „Er fliegt zum Honigbaum“ und besingt die Freiheitsliebe: Wie die Biene von Blume zu Blume fliegt, so wollen wir Grenzen überwinden und frei sein. Das war ein ganz starkes Lied während der Revolution in den baltischen Ländern, als friedlich singend demonstriert wurde. Es gibt mehrere Lieder dieser Art, mit denen die Freiheit singend erkämpft wurde.

Wird der Projektchor auch ihr Lieblingslied einüben? 

Schümers: Auf der offiziellen Liedliste steht es diesmal zwar nicht. Aber es kann sein, dass das Lied am Schluss der Veranstaltung gesungen wird, weil darin so viel mitschwingt. Wir werden das Lied während der Proben mindestens vorspielen und vielleicht sogar einüben, wenn noch Zeit ist.

Was erwartet die Sänger des Projektchores? 

Schümers: Alle fünf Jahre findet in Tartu ein Kirchenfest der christlichen Kirche Estlands statt. Im Mittelpunkt steht das Sängerfest mit 4000 Sängern. Höhepunkt wird ein Festumzug durch Tartu zum Sängerfestplatz sein. Das wird eine große Ermutigung für die estnischen Christen sein, denn sie sind mit 10 bis 14 Prozent eine Minderheit im Land. Zum Festgottesdienst kommen der Erzbischof, ökumenische Gäste und vermutlich der Staatspräsident.

Und wie läuft das Fest für den Spangenberger Projektchor ab? 

Schümers. Die Reise beginnt am 2. Juli. Die Proben vor Ort beginnen am 3. Juli. Dann werden die Stücke, die in den Einzelchören zuhause geübt wurden, vom Gesamtchor mit einem Dirigenten geprobt.

Können noch interessierte Sänger mitreisen?

Schümers: Ja, wir haben noch zwei bis drei Plätze frei. Und ab Ostern beginnen unsere Proben.

Was muss ein Teilnehmer mitbringen? 

Schümers: Er muss Freude am Singen haben, auch für estnische Lieder und eine andere christliche Kultur offen sein, etwas Abenteuergeist und Lust auf die Gemeinschaft mit anderen haben.

Und was ist mit Grundkenntnissen in Estnisch? 

Schümers: Das ist nicht nötig. Zu Beginn der Proben werden wir üben, was zum Beispiel Guten Tag, Bitte und Danke heißt und die Lieder sinngemäß übersetzen. Da Estnisch zur Finno-ugrischen Sprachfamilie zählt, zu denen Finnisch, Estnisch und Ungarisch gehören, gibt es wenig Verbindungen zur indogermanischen Sprachfamilie. Daher kann man grammatikalisch wenig ableiten. Aber man kann die estnische Schriftsprache gut lesen und singen.

Singen Sie eigentlich zuhause auch mal Estnisch - als Ehemann einer Estin? 

Schümers: Ja, am häufigsten vor dem Essen. Wir haben drei estnische Tischlieder im Repertoire, die wir gerne mit unseren Kindern singen.

Von Claudia Feser

• Es gibt noch wenige freie Plätze im Projektchor für den Kirchentag in Estland. Wer mitsingen möchte, kann sich bei Pfarrer Michael Schümers unter Tel. 05663 / 15 15 melden. Er erteilt weitere Informationen.

Zur Person:

Michael Schümers, 43, ist am Niederrhein aufgewachsen. Nach Theologiestudium in Wuppertal, Tallin und Kiel absolvierte er ein Vikariat in Tallin und Wuppertal. Seit 2003 ist er Pfarrer in der Kirchengemeinde Landefeld und Probst im Ehrenamt der Esten in Deutschland. Er ist mit der Estin Merika verheiratet, sie haben vier Töchter.

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