Kaninchen im Karton: Zwölfjährige fand ausgesetzte Tiere im Wald

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In dieser Box saß eines der beiden Kaninchen: Jerry Stallwood zeigt den Pappkarton, auf dem das Logo einer Tierhandlung aufgedruckt ist (der Aufdruck wurde von der Redaktion unkenntlich gemacht).

Spangenberg. In Pappschachteln haben Unbekannte zwei Kaninchen im Wald am Spangenberger Schlossberg ausgesetzt.

Die zwölfjährige Cheyenne Stallwood und ihre Mutter Christine konnten es kaum glauben, als sie die Tiere bei einem Spaziergang entdeckten.

„Wir waren unterwegs, um Äste für unsere Vögel zu sammeln“, erzählt Cheyenne Stallwood. „Dann haben wir die beiden Kartons gesehen. In dem einen saß ein Kaninchen.“ Das zweite Kaninchen habe sich nicht weit entfernt im Geäst versteckt. Das Häschen, das noch im Karton saß, nahmen die Stallwoods mit nach Hause - zusammen mit der Box. Das zweite Tier ließ sich aber zunächst nicht einfangen. In den kommenden Tagen kehrten sie immer wieder an die Stelle im Wald zurück, wo sie die Häschen gefunden hatten - und schließlich gelang es ihnen mit einem Fischkescher, auch das zweite Tier einzufangen.

Gerettet: Cheyenne Stallwood mit den beiden Kanninchen

Kurios: Den zweiten Karton hatten die Stallwoods zunächst im Wald zurückgelassen - doch als sie an die Stelle zurückkehrten, war er verschwunden. Christine Stallwood vermutet, dass diejenigen, die die Tiere ausgesetzt haben, noch einmal zurückgekommen sind, um den Karton zu holen und so Spuren zu verwischen. Denn auf der Box, das meint Stallwood aus dem Augenwinkel gesehen zu haben, sei eine Adresse notiert gewesen - möglicherweise die Anschrift der Leute, die die Kaninchen gekauft hatten. Mithilfe dieser Adresse hätte man möglicherweise die Menschen ausfindig machen können, die die Kaninchen ausgesetzt haben. Im Nachhinein habe sie sich geärgert, den zweiten Karton nicht auch mitgenommen zu haben, sagt Christine Stallwood.

„Das kann man doch nicht machen, die Kaninchen einfach auszusetzen. Sie hätten vom Fuchs gefressen oder von einem Auto überfahren werden können“, sagt Cheyennes Vater Jerry Stallwood. Man merke, dass die Tiere an Menschen gewöhnt seien - für ein Leben in freier Wildbahn seien sie mit Sicherheit nicht geeignet.

Cheyenne möchte die Kaninchen gern behalten, und ihre Eltern sind einverstanden. Fünf Katzen, eine Wasserschildkröte, elf Vögel und ein Pferd hat die Familie schon, jetzt sind eben noch zwei weitere Tiere dazu gekommen. Spooks und Angel hat Cheyenne die Kaninchen getauft, ein Männchen und ein Weibchen. Spooks soll allerdings kastriert werden, denn Kaninchennachwuchs wünschen sich die Stallwoods nicht. Spooks und Angel sollen ein Gehege im Garten bekommen.

Das sagt das Tierheim: 

„Grundsätzlich gelten Tiere laut Gesetz als Sache - und eine Sache, die man findet, darf man behalten“, sagt Nicole Reubert vom Tierheim Beuern. Es sei aber dennoch von Vorteil, dem Tierschutzverein und dem örtlichen Ordnungsamt Bescheid zu geben, wenn man ein herrenloses Haustier findet. „Es kann immer vorkommen, dass sich doch noch ein Besitzer meldet.“ Wenn ganz klar sei, dass Tiere ausgesetzt wurden - so wie im Fall der Kaninchen in Spangenberg - sei es ratsam, die Polizei zu informieren. Indem man Fotos von den Tieren veröffentlicht, könne man eventuell Hinweise auf die früheren Halter bekommen. „Tiere auszusetzen ist strafbar und kann mit Geldbußen belegt werden“, sagt Reubert. Grundsätzlich sei man beim Tierheim dankbar, wenn sich jemand bereit erkläre, ein Tier bei sich aufzunehmen: „Kleintiere wie Kaninchen können wir bei uns im Tierheim nicht dauerhaft beherbergen“, sagt Reubert.

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