46-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis verurteilt 

Milde Strafe für Messerangriff

Spangenberg. Zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, hat das Amtsgericht Melsungen einen 46-jährigen Mann verurteilt.

Der Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis hatte in Begleitung von zwei ebenfalls angeklagten Kumpanen einem 36-jährigen Mann vier Messerstiche in Bauch und Oberschenkel zugefügt. Außerdem erlitt das Opfer Schnittverletzungen an Finger und Daumen, als es die Attacken abwehren wollte. Die beiden anderen Männer - ein 34-Jähriger aus dem Landkreis und ein 41-Jähriger aus Kassel - wurden freigesprochen.

Richter Stephan Heidelbach hatte seine liebe Mühe, das Geschehen in der Kneipe „Holzwurm“ einigermaßen schlüssig zu rekonstruieren. 18 Zeugen waren geladen - und fast jeder lieferte eine eigene Version der alkoholgeschwängerten Nacht, die sich nicht selten komplett widersprachen.

Die wahrscheinlichste Variante geht so: Das Trio hatte bereits kräftig gebechert, als es nach dem Jahreswechsel den Holzwurm betrat. Dort trafen sie auf das spätere Opfer und bauten sich vor dessen Tisch auf. Der 34-jährige, ein muskulöser Mann mit glänzendem Glatzkopf mit langem Vorstrafenregister von gefährlicher Körperverletzung bis Raub, warf dem eingeschüchterten Mann vor, ihn vor 16 Jahren in den Knast gebracht zu haben. Damals saßen beide wegen Raubes gemeinsam vor dem Richter, der eine ging zwei Jahre ins Gefängnis, der andere wurde freigesprochen.

Gleichzeitig hob der 41-Jährige sein T-Shirt hoch und zeigte seine Brusttätowierung „Kassel Hooligans“, offenbar auch um dem anderen Angst zu machen. Der nämlich soll Wochen zuvor die Mutter des Tätowierten unsittlich berührt haben - was er allerdings bestreitet.

Unvermittelt habe in dieser Situation der 46-jährige Spangenberger, der etwas hinter den beiden anderen stand, mit einem Messer zugestoßen und das Opfer schwer verletzt. Dann trat das Trio eilig den Rückzug an. Die Tatwaffe wurde vermutlich in die Pfieffe geworfen, sie wurde nie gefunden.

„Das war lebensgefährlich und völlig grundlos“, kommentierte Richter Heidelbach in seiner Urteilsbegründung den Messerangriff. Ein paar Zentimeter tiefer und der bereits mehrfach vorbestrafte Mann hätte mit einer langjährigen Strafe rechnen müssen. Der schwer alkoholkranke Täter versuche immerhin seit 2001 sein Leben in den Griff zu kriegen, aber: „Beim nächsten Mal geht’s direkt in Haft“, drohte der Richter nach Verkünden der Bewährungsstrafe.

Die beiden anderen Männer würden freigesprochen, weil ihnen eine gemeinsame Tatplanung nicht nachzuweisen war, erläuterte Heidelbach. Im Zweifel heiße es dann im Strafrecht eben für den Angeklagten.

Das 36-jährige Opfer der Attacke, das im Prozess als Nebenkläger aufgetreten war, war mit diesem Urteil alles andere als zufrieden: „Wenn einer nur besoffen genug ist, kann er sich alles erlauben“, sagte der Mann verbittert.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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