Mörshausen: Täglich pilgern Wanderer in die Kirche am Elisabethpfad

Mörshausen. Die dunkelblaue Regenhose hat Pfarrerin Ilona Grenzebach wochenlang aufgehoben, abholt hat der Pilger die Hose nicht mehr.

„Er hat sie wohl auf seinem Weg nach Santiago de Compostela in Spanien als Ballast abgeworfen", sagt die Pfarrerin. Der Mann kam aus Hamburg und machte in der Kirche Mörshausen Station. Täglich wandern Pilger durch das Dorf.

Seit August 2007 ist die romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert eine Station entlang des Elisabethpfads. Denn sie liegt direkt am Elisabethpfad 2, der von Eisenach nach Marburg führt.

Da die Kirche als offene Kirche verlässliche Öffnungszeiten bietet, wird sie täglich von Pilgern besucht. Der Gemeindesaal dient als Übernachtungsmöglichkeit. „Dort gibt es keinen Komfort“, sagt Pfarrerin Grenzebach. Die Pilger schlafen in Schlafsack und auf Isomatte. Aber es gibt Toilette und Waschmöglichkeit. „Und sie haben ein Dach überm Kopf, und das ist viel Wert.“ Schließlich sind die Wanderer bei Wind und Wetter unterwegs.

Ihre Dankbarkeit bringen viele Pilger im Gästebuch zum Ausdruck, das in der Kirche ausliegt. Der letzte Eintrag stammt von vergangenen Mittwoch. Ein Pilger dankte für die offene Kirchentür. Ein anderer schrieb ins Buch, dass er sich nach dem Kirchenbesuch gestärkt fühlte, weiterzugehen. Ein Mann aus Hamburg wollte weiter, musste jedoch bei 35 Grad Hitze und auf ärztlichen Rat aufgeben. Seine Enttäuschung, aber auch Dankbarkeit hielt er im Mörshäuser Gästebuch fest. Ein anderer dankte einem Mörshäuser Landwirt, der ihm eine Schraube in den Pilgerstab gedreht hatte, um einen besseren Halt zu haben.

An den Einträgen lässt sich auch erkennen, woher die Pilger kommen: aus Hamburg, Leipzig, Bad Sooden-Allendorf, aus Ungarn und Holland, einer kam aus Australien. Auch eine Pilgergruppe der Hessischen Polizei hat sich im Buch verewigt.

Der Mörshäuser Pilgerstempel kommt besonders gut an. Vor Jahren hatte ein Kirchenvorstandsmitglied diese Idee mit nach Mörshausen gebracht. Direkt überm Gästebuch hängt der Stempel an einer Kette. Damit drücken sich Besucher die Mörshäuser Kirche in ihren Pilgerpass.

Neu ist in diesem Jahr auch das Pilgerwasser: Unterm Stehpult hält die Kirchengemeinde kleine Wasserflaschen bereit. „Denn zwischen Spangenberg und Malsfeld kann man nirgendwo etwas kaufen“, berichtete Pfarrerin Ilona Grenzebach. Auch das ist Thema vieler Einträge.

Und für den weiteren Pilgerweg können sich die Besucher ein winziges Leporello mit einem Foto der Kirche mitnehmen. Darin finden die Pilger neun Bibelsprüche, Psalmen und Losungen, die sich bequem in die Hosentasche stecken lassen. „Damit wollen wir den Pilgern etwas aus Mörshausen mitgeben, das ihnen auf dem Weg hilft“, sagt Pfarrerin Ilona Grenzebach. Schließlich sind für viele Krankheit oder Verlust der Grund fürs Pilgern.

Bestens gerüstet kam Michael nach Mörshausen. Er drückte seinen eigenen Stempel, mit Pilgermännchen und Jakobsmuschel, in das Gästebuch der Kirche. Darauf steht: „Michael, Schweiz - 4000 Kilometer zu Fuß von Krakau nach Santiago de Compostela“.

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