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Vermieterin getötet: Urteil gefallen - 25-Jähriger ist schuldunfähig

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Von: Barbara Kamisli

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Das Landgericht in Kassel, an dem am Montag der Prozess gegen Marvin K. zu Ende ging.
Das Landgericht in Kassel, an dem am Montag der Prozess gegen Marvin K. zu Ende ging. © Barbara Kamisli

Das Kasseler Landgericht sieht es zwar als erwiesen an, dass Marvin K. seine Vermieterin umgebracht hat – jedoch im Zustand der Schuldunfähigkeit.

Spangenberg/Kassel – Marvin K. bleibt bis auf Weiteres in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung. Das entschied die 10. Große Strafkammer des Landgerichts Kassel im Sicherungsverfahren (siehe Hintergrund) gegen den 25-Jährigen am Montag. Er ist bereits seit seiner Festnahme in der forensischen Psychiatrie in Haina untergebracht.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der junge Mann seine 53 Jahre alte Vermieterin im März vergangenen Jahres zwar vorsätzlich, aber im Zustand der Schuldunfähigkeit umgebracht hat. Da er die Tat aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie im Wahn begangen habe, seien zum Tatzeitpunkt seine Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit aufgehoben gewesen, so der Vorsitzende Richter. Der Beschuldigte habe in seinem Geständnis die Tat detailliert geschildert und glaubhaft vermittelt, was in dieser Nacht passiert sei, hieß es in der Urteilsbegründung.

Tötungsdelikt Mörshausen: Details wurden am letzten Verhandlungstag bekannt

Schon länger habe der 25-jährige Stimmen in seinem Kopf gehört. Außerdem habe er das Gefühl gehabt, dass jemand ein Eisen in seinen Kopf stecke, was ihm Schmerzen verursacht habe. Wie der Sachverständige in seiner Aussage erläutert hatte, habe Marvin K. diesen Schmerz real empfunden. In der Wahrnehmung des 25-Jährigen war das Opfer dafür verantwortlich.

Die Stimmen hätten ihm gesagt, dass die 53-Jährige böse sei. Deshalb habe er beschlossen, sie zu töten. „Er hat in diesem Moment nicht gedacht, etwas Falsches zu tun“, sagte sein Verteidiger. Der 25-Jährige habe den Tatzeitpunkt am Vortag auf den 11. März um drei Uhr festgelegt und die Stimmen in seinem Kopf hätten ihn ermahnt, dass er sein Vorhaben auch wirklich umsetzen müsse, schilderte der Verteidiger Teile der Aussage des 25-Jährigen.

Vermieterin getötet: Ambulante Behandlung oder Bewährung kommt nicht infrage

Während der Einlassung von Marvin K. zu Beginn des Prozesses war die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden, doch durch die Plädoyers und die Urteilsbegründung wurden am letzten Verhandlungstag Details seiner Aussage bekannt.

Eine ambulante Behandlung oder gar eine Bewährung kam im Fall des Beschuldigten für das Gericht nicht infrage, da laut Sachverständigem eine nahezu 100-prozentige Rückfallwahrscheinlichkeit besteht, in deren Folge auch schwere Straftaten möglich wären. Somit stelle Marvin K. eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Das Urteil ist rechtskräftig, alle Parteien verzichteten auf Rechtsmittel. (Barbara Kamisli)

Das ist ein Sicherungsverfahren

Bei einem Sicherungsverfahren wird davon ausgegangen, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war und behandelt werden muss. Damit steht eine Gefängnis- oder Geldstrafe nicht zur Debatte. Sollte sich während des Verfahrenes ergeben, dass der Beschuldigte während der Tat doch schuldfähig beziehungsweise teilweise schuldfähig war, kann es laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel in ein Strafverfahren umgewandelt werden. 

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