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Reicher Leinenhändler bei Heina erschlagen - Unschuldige saßen in Haft

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Von: Peter Klebe

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Der hingerichtete Mörder von Heina wurde aufs Rad geflochten und Vögeln zum Fraß überlassen
Grausam: Auch der hingerichtete Mörder von Heina wurde aufs Rad geflochten und Vögeln zum Fraß überlassen. Das Bild stammt aus der Bamberger Halsgerichtsordnung (1507). © Staatsbibiothek

Als im Jahr 1815 bei Justizamtmann Koch in Spangenberg im Schwalm-Eder-Kreis eine Anzeige über einen Leichenfund einging, begann eine tragische Geschichte über Irrtümer und Willkür mit Verdächtigen.

Drei Geflügelhändler hatten an einem Frühlingsmorgen auf dem Weg zu einem Wochenmarkt in Heina (heute Ortsteil von Morschen) die Leiche eines gut gekleideten, etwa 30-jährigen Mannes entdeckt, dessen Kopf völlig zerschlagen war.

Blutspuren an Hut entdeckt

Drei Tage später entdeckte ein Hutmacher aus Melsungen Blutspuren an einem Hut, der ihm von Jakob Gräbe aus Heina zum Auffärben gebracht worden war. Da Gräbe kein Vermögen besaß, nicht den besten Ruf hatte und sich über die Herkunft des Hutes in Widersprüche verwickelte, schien schnell klar, dass er der Täter oder zumindest ein Tatbeteiligter sein müsse. Er wies jede Schuld von sich, doch das nützte nichts.

Koch wurde in alten Quellen eine „gewisse Bequemlichkeit im Amtsberufe“ nachgesagt. Seine Untergebenen wollten den Gefangenen schnell zu einem Geständnis bringen. Er wurde verprügelt, musste hungern, frieren und im Dunkeln sitzen. Schließlich gestand er und beschuldigte vier weitere Männer aus Spangenberg und Melsungen der Mittäterschaft. Trotz Beteuern ihrer Unschuld wurden sie „in Eisen gefesselt und als Raubmörder ins Gefängnis geworfen“.

Einer der Verhafteten war der Melsunger Händler Johannes Kothe. Dessen Schwester hörte in einem Gasthaus in Kassel von der Schwester des Wirtes, dass ein aus Hamburg kommender Leinenhändler namens Hau, der offenbar einiges an Bargeld bei sich trug, Führer nach Heina suchte. Schnell stellte sich heraus, dass er der Ermordete war.

Mehr noch: Die Wirtsschwester erinnerte sich an zwei Männer, die eifrig anboten, diesen Job zu übernehmen, Jakob Roßbach und Georg Müller.

Ein Täter floh, der andere wurde hingerichtet

Letzterer tauchte kurze Zeit später wieder im Gasthaus auf, mit einer goldenen Uhr, die dem Ermordeten gehörte. Roßbach und Müller wurden verhaftet. Roßbach legte ein vollständiges Geständnis ab. Die beiden hatten den Mann zwischen Melsungen und Heina erschlagen und beraubt, hatten das Geld geteilt und waren verschwunden. Zu weiteren Ermittlungen wurden die beiden an den Tatort geführt, wo Müller fliehen konnte. Roßbach wurde zum Tode verurteilt, am 15. Juli 1817 in Kassel mit dem Schwert hingerichtet. Danach wurde sein Körper auf ein Rad geflochten.

Dieser Fall wurde nur durch Zufall aufgeklärt. Die unschuldig Verdächtigen wurden gar nicht oder kaum entschädigt. Amtmann Koch wurde nicht bestraft.

Quelle: Udo Bürger: Die spektakulärsten Kriminalfälle in Hessen, Sutton Geschichte.

Der Artikel erschien erstmals am 10. August 2017 in der HNA.

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