Ärztliche Versorgung sicherstellen

Innenstadt im Fokus: Spangenberger Bürgermeisterkandidaten im digitalen Leserdialog der HNA

Im Gespräch mit den HNA-Redakteurinnen Claudia Feser (oben von links) und Barbara Kamisli waren Michael Johne (SPD), (unten von links) Andreas Rehm (parteilos), Wilfried Dräger (unabhängig) und Peter Scheben (CDU).
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Im Gespräch mit den HNA-Redakteurinnen Claudia Feser (oben von links) und Barbara Kamisli waren Michael Johne (SPD), (unten von links) Andreas Rehm (parteilos), Wilfried Dräger (unabhängig) und Peter Scheben (CDU).

Wer wird Bürgermeister in Spangenberg? In einem digitalen Leserdialog hat die HNA-Redaktion den vier Kandidanten Wilfried Dräger, Michael Johne, Andreas Rehm und Peter Scheben auf den Zahn gefühlt.

Spangenberg – Welcher der vier Kandidaten soll der neue Bürgermeister von Spangenberg werden? Wer sich noch nicht ganz sicher ist, bei wem er am 26. September sein Kreuzchen macht, für den könnte es sich lohnen, den digitalen HNA-Lesertreff im Internet anzuschauen. Andreas Rehm (parteilos), Wilfried Dräger (parteiunabhängig), Michael Johne (SPD) und Peter Scheben (CDU) stellen sich dort den Fragen der HNA-Redakteurinnen Claudia Feser und Barbara Kamisli. Die Themen reichen von Innenstadtbelebung bis Vereinsförderung.

Ärztliche Versorgung

Einig sind sich zumindest drei Kandidaten beim Thema Ärztliche Versorgung. Sicherzustellen, dass in Spangenberg weiterhin Ärzte praktizieren, gehört bei Johne, Rehm und Dräger zu den drei wichtigsten Punkten auf der Prioritätenliste. Das wurde bei der Beantwortung der Frage von HNA-Leser Manuel Gutermuth deutlich, der sich danach erkundigte, welche Projekte für die Kandidaten besonders wichtig sind.

Johne und Rehm positionieren sich ganz klar pro Ärztehaus, „mit der Stadt als Träger und unter ärztlicher Leitung“, sagte Rehm. Nur mit einem Ärztehaus könne man die Versorgung langfristig gewährleisten, sagte Rehm. Johne pflichtete ihm bei: Ein Ärztehaus – kombiniert mit medizinischen Vorsorgeleistungen – sei eine gute Möglichkeit. Vorrangiges Ziel sei, so Johne, die Ärzte, die man habe, zu halten und für frei werdende Arztsitze Nachfolger zu finden. Scheben zeigte sich bei diesem Thema jedoch zurückhaltend. „Die ärztliche Versorgung als kommunale Verwaltung zu steuern, ist schwierig.“ Hinzu kämen finanzielle Hürden. Alleine die Einrichtung einer Praxis koste viel Geld. Die Stadt werde es sich nicht leisten können, als Gesundheitsversorger aufzutreten, sagte er.

Nur wie lockt man junge Mediziner nach Spangenberg? Dafür hat Andreas Rehm eine Idee: Habe man erst einmal ein Ärztehaus, könne man auch Stipendien an junge Medizinstudenten aus der Umgebung vergeben. „Die verpflichten sich im Gegenzug, eine gewisse Zeit hier zu praktizieren“, sagte Rehm. Man müsse junge Menschen, die Medizin studiert haben und aus der Region kommen, gezielt ansprechen, sagte auch Wilfried Dräger. Denn es sei sicher einfacher, jemanden aus der Region dazu zu bewegen, in Spangenberg zu praktizieren, als jemanden, der gar nicht aus der Region kommt. Räume müsse man als Stadt zur Verfügung stellen.

Spangenberger Innenstadt

Wie kann man die Innenstadt attraktiver machen? Das wollte HNA-Leser Manuel Gutermuth von den vier Kandidaten wissen. Wilfried Dräger machte deutlich, dass die fehlenden Parkplätze in der Innenstadt ein großes Problem seien, das der Innenstadtbelebung im Weg stehe. Deshalb regte er an, vielleicht auch mal ein Fachwerkhaus zu opfern, um Parkflächen zu schaffen. Denn er wisse, dass einige Häuser eine „grenzwertige Bausubstanz“ hätten.

Wie man davon das Amt für Denkmalschutz überzeugen wolle, fragte sich indes Peter Scheben. Er finde Programme wie „Jung kauft Alt“ sinnvoll, bei dem junge Menschen beim Kauf und der Sanierung von Bestandsgebäuden unterstützt werden.

Um die Innenstadtbelebung voranzutreiben, brauche man zunächst ein Konzept, waren sich dagegen Johne und Rehm einig. „Wir müssen ein Konzept erarbeiten, wie wir in der Innenstadt leben wollen“, sagte Johne. Man müsse die Möglichkeit eröffnen, dass alte Häuser mit überschaubaren Mitteln gekauft und saniert werden können. Die Stadt müsse dabei ganz klar helfen, lautet auch Rehms Meinung. Beispielsweise mit Konzepten zur Nutzung von denkmalgeschützten Häusern. Die Menschen müssten Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, „denn die Leute haben Angst vor alten Häusern“, sagte Rehm.

Die Kernstadt von Spangenberg braucht Belebung: Da sind sich die Bürgermeisterkandidaten einig.

Mehr Geschäfte und mehr Gastronomie seien zwar wünschenswert, so Scheben, jedoch seien dies auch Dinge, die man nur schwer als Stadt beeinflussen könne. Gut wäre aus seiner Sicht ein städtisches Portal, über das Immobilien-Angebote geteilt werden können. Aber erst einmal müsse man genau wissen, wo die Reise in Spangenberg überhaupt hingehen soll.

Andreas Rehm setzt die Hoffnung bei diesem Thema auf Förderprogramme. Man müsse in Programme wie „Lebendige Zentren“ reinkommen. Dort würde sogar ein Konzept zur Innenstadtbelebung bereits mit finanziert. Auch müsse man überlegen, wie man mit dem Parkplatzproblem in der Innenstadt umgeht, knüpfte Rehm an Dräger an. Aber vielleicht würde eine verkehrsberuhigte Zone in der Innenstadt helfen.

Vereinsförderung

Als Spangenberg unter den Rettungsschirm gekommen ist, fiel aus Kostengründen auch die Vereinsförderung weg. Jedoch will sich Michael Johne dafür einsetzen, dass es künftig wieder eine städtische Förderung für Vereine gibt. Gerade durch die Coronazeit hätten die Vereine an Zulauf verloren. Rehm, Dräger und Scheben sprachen sich hingegen gegen eine pauschale Förderung aus. „Man sollte projektbezogen fördern“, sagte Wilfried Dräger. Man müsse eine Förderung daran knüpfen, ob ein Verein Jugendarbeit leistet, sagte Scheben. „Keine Jugendarbeit, keine Förderung.“

Jugend

Ein Jugendparlament wie in Melsungen könne sich Wilfried Dräger auch für Spangenberg vorstellen. „Diese Idee unterstütze ich seit Langem.“ Für eine projektbezogene Einbindung der Jugendlichen spricht sich hingegen Michael Johne aus. „Vielleicht kann man auch mithilfe von Ideenwettbewerben herausfinden, was Jugendliche wollen.“ Das könne man ebenso für ältere Menschen machen. Ideen könne man auf einer Plattform sammeln und darüber abstimmen lassen, sagte Johne. Auf jeden Fall müsse man der Jugend in Spangenberg eine Stimme geben, sagte Rehm. Ein Jugendparlament sei eine Möglichkeit. Auch könne man so junge Menschen frühzeitig für Politik begeistern.

Ordnungsamt

Spangenberg ist derzeit Mitglied im gemeinsamen Ordnungsamt. Aber soll das auch in Zukunft so bleiben, wollte ein anonymer Leser von den Kandidaten wissen. Rehm plädiert eindeutig dafür, das Ordnungsamt wieder in die Stadt zu holen. Man bräuchte jemanden direkt vor Ort als Ansprechpartner. Anderer Meinung ist da Peter Scheben: „Ich würde das Ordnungsamt nicht zurückholen.“ Die Kosten, beispielsweise für Verwaltung, seien dann nämlich deutlich höher, ist sich der Christdemokrat sicher.

Hochwasserschutz

Beim Hochwasserschutz habe die Stadt zwar schon einiges getan, aber man müsse das Thema weiter vorantreiben, sagte Scheben. Man brauche eine gute Planung, sagte Johne. Die Fläche am Bahndamm und das Gebiet dahinter soll als Staufläche genutzt werden. Damit könne man beispielsweise das Wasser aus dem Landetal abfangen, sagte Johne. Aber natürlich müsse man sich auch die Gräben und Bachläufe in den kleinen Orten anschauen. Auch Dräger betonte: „Wir müssen in die Puschen kommen beim Hochwasserschutz.“ (Carolin Hartung)

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