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Spangenberg: Bürgermeister Andreas Rehm seit 100 Tagen im Amt

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Von: Barbara Kamisli

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Bürgermeister Andreas Rehm ist Verwaltungschef von Spangenberg
Spangenbergs Bürgermeister Andreas Rehm © Kamisli, Barbara

Die ersten 100 Tage als Bürgermeister hat Andreas Rehm hinter sich –Zeit um eine erste Bilanz zu ziehen. Wir sprachen mit dem Rathauschef, wie er die ersten Monate seiner Amtszeit erlebt hat.

Herr Rehm, die ersten 100 Tage sind um. Haben Sie sich gut in Ihre Rolle eingefunden?

Ja, es fühlt sich gut an. Ich kann sagen, bin im Amt angekommen. Man kann wirklich etwas bewegen. Es gibt wohl keinen abwechslungsreicheren Job als diesen. Mit der Verwaltung funktioniert es super. Ich habe da großartige Unterstützung. Mit vielen bürokratischen Dingen muss ich mich gar nicht aufhalten. Auch die Magistratsarbeit klappt wirklich sehr gut.

Gibt es etwas, das Sie lernen mussten?

Lernen nicht, aber akzeptieren muss ich, dass manches einfach viel Zeit braucht. Ich bin da nicht immer der Geduldigste (lacht). Ich kann zum Beispiel sehr gut damit umgehen, wenn ich mich in einer offenen Diskussion mit meiner Meinung nicht durchsetzen kann. Aber wenn Dinge nur aus bürokratischer Überlegung entschieden werden, kann ich nicht damit umgehen. Ich sage dann gern: Alle sagen, dass es nicht geht, bis einer kommt, der das nicht weiß und es einfach macht.

Was ist neu, seit Sie ins Rathaus eingezogen sind?

In der Magistratsarbeit zum Beispiel, dass jedes Magistratsmitglied eine Patenschaft für ein oder zwei Ortsteile hat – möglichst nicht den aus dem es selbst stammt. So können wir nährer dran sein an den Themen und Menschen vor Ort. Die Themen von der Basis sollen so im Magistrat ankommen. Die Magistratsmitglieder nehmen auch an Ortsbeiratssitzungen teil. Und wir hatten jetzt tatsächlich schon wieder eine Dienstbesprechung mit allen Ortsbeiratsvorsitzenden, das war in der Vergangenheit so ein bisschen eingeschlafen.

Sie haben sich ja einiges vorgenommen. Was konnten Sie bisher davon umsetzen?

Ich möchte weniger davon reden, was ich mache, sondern was wir machen. Wir haben schon eine Menge erreicht, das meiste konnte angestoßen oder zum Teil schon umgesetzt werden. Die Interkommunale Zusammenarbeit beim Onlinezugangsgesetz haben wird zum Beispiel beschlossen. Auch wird sehr wahrscheinlich entschieden, dass es ein kostenloses, monatlich erscheinendes Gemeindeblatt geben wird. Dort werden Vereine, Feuerwehr, Politik, Kirche und Verwaltung gleichermaßen ihre Plattform bekommen.

Eine Ihrer Überlegungen war ja auch, das Ordnungsamt wieder nach Spangenberg zurückzuholen, was ist daraus geworden?

Wir haben uns mit der Kollegin bei uns im Haus zusammengesetzt, die dafür zuständig wäre und mal zusammengetragen, was wir leisten müssten beziehungsweise was wir von Melsungen erwarten. Wir haben zum Beispiel schon den Anspruch, dass ein Hilfspolizist aus Melsungen hier 16 bis 20 Stunden in der Woche vor Ort ist. Aber wir wollen auch nichts übers Knie brechen. Wenn wir eine Einigung erzielen können, wäre das auch in Ordnung.

Die Förderung der Jugend war Ihnen ja im Wahlkampf ein großes Anliegen. Haben Sie dahingehend schon etwas unternommen?

Der Jugendpfleger arbeitete an einem Konzept. Fünf der sechs Jugendräume haben wir uns schon angeschaut. Wenn ich dann sehe, dass die das Geld, das sie bei Veranstaltungen einnehmen, in neue Deckenpaneelen für ihren Jugendraum investieren, sage ich auch: Meldet euch, dafür können wir als Stadt Geld locker machen und kauft euch von diesem Geld zum Beispiel lieber eine elektronische Dartscheibe.

Wie sieht es mit der Innenstadtentwicklung aus?

Ein erstes Ziel ist erreicht. Die Haushaltssperre für den Ankauf des Seelenhauses wurde aufgehoben (Anm. d. Red.: Die Stadt möchte vor dem eventuellen Abriss oder der Sanierung des Hauses dort temporär einen Ort für Kunst und Kultur schaffen). Wir könnten sofort loslegen, aber wir wollen mit dem Projekt in das Förderprogramm Zukunft Innenstadt. Dafür habe ich auch Klinken geputzt. Wir könnten eine Förderung von 90 Prozent erhalten. Die Politik muss nur noch den Beschluss fassen, dass die Stadt für den Rest der Kosten aufkommt.

Was meinen Sie damit, Sie haben Klinken geputzt?

Ich war in diesem Fall auf einer Tagung in Eschwege zum Förderprogramm Zukunft Innenstadt. Die dürfen den Namen Spangenberg bei der Antragstellung nicht zum ersten Mal hören. Außerdem muss man den Verantwortlichen in Wiesbaden manchmal klar machen, was in einer Kleinstadt wie Spangenberg, die gerade unter dem Rettungsschirm herausgeschlüpft ist, möglich ist und was nicht.

Stichwort Rettungsschirm: Finanziell kann Spangenberg keine großen Sprünge machen, dennoch stehen in Zukunft mit Feuerwehr und Kindergärten große Investitionen an.

Das Geld für die Kindergärten ist im Haushalt eingestellt. Die Planungen für den Anbau Alter Bahnhof sind fertig, es können jetzt die ersten Ausschreibungen erfolgen. Für den Neubau des Schlossberg-Kindergartens wollen wir möglichst einen Generalunternehmer finden, der den Kindergarten schlüsselfertig baut. Das nimmt im Vorfeld mehr Zeit in Anspruch, aber damit soll verhindert werden, dass hinterher Zeitpläne nicht eingehalten werden können.

Wie ist der Stand der Dinge bei der Feuerwehr?

Zunächst einmal ist zu sagen, dass ein Bedarf- und Entwicklungsplan für die Feuerwehr für die kommenden beiden Jahre so gut wie abgesegnet ist. Er muss nur noch in der Stadtverordnetenversammlung nächste Woche beschlossen werden. Das bedeutet, dass künftig wieder Förderung etwa beim Schwalm-Eder-Kreis beantragt werden kann.

Ohne diese ist das nicht möglich. Außerdem wird eine Arbeitsgruppe gegründet mit Vertretern der Feuerwehr, dem Stadtbrandinspektor und aus der Politik. Diese Arbeitsgruppe soll ein Zukunftskonzept für die Feuerwehren entwickeln.

Wie sieht es mit dem Feuerwehrstützpunkt aus?

Dort muss ein Planer nun eine Verteilung der Gebäude von Feuerwehr und DRK auf dem Gelände festlegen, damit das Vorhaben genehmigungsfähig ist. Ich habe mir mit den Stadtbrandinspektoren und dem Ersten Stadtrat den Feuerwehrstützpunkt in Gudensberg angeschaut und wir haben festgestellt, dass wir hier in Spangenberg von den Dimensionen her 1:1 so bauen können.

Hochwasserschutz steht ebenfalls auf Ihrer Agenda. Wurde da schon etwas angestoßen?

Die Planungen für die Renaturierung der Pfieffe zwischen Industriegebiet und Stadtgrenze Melsungen sind abgeschlossen. Da warten wir auf ein Okay von der WI-Bank. Die Pläne für den Abschnitt Landefelder Kreuz bis Spangenberg können hoffentlich im vierten Quartal vorgelegt werden. Was den Landebach angeht, mussten Grundstücke zugekauft werden, weil wir nur etwas machen können, wenn uns die Grundstücke gehören. (Barbara Kamisli)

Zur Person

Andreas Rehm (54) führte vor seiner Wahl zum Bürgermeister einen Malerbetrieb in Spangenberg. Den Familienbetrieb hat sein Sohn mittlerweile übernommen. Rehm ist Malermeister und hat eine Ausbildung zum Restaurator im Maler- und Lackiererhandwerk. Bei der Bürgermeisterwahl im vergangenen September setzte er sich im ersten Wahlgang gegen drei Mitbewerber durch - er erhielt 50,52 Prozent der Stimmen.

Andreas Rehm ist geschieden und hat zwei erwachsene Kinder, Sohn André und Tochter Janina. Er ist fünffacher Großvater. Er lebt seit zehn Jahren mit seiner Partnerin Anja Lange und deren Tochter Giuliana in der Spangenberger Altstadt. In seiner Freizeit reist er gern mit seiner Familie an die Ostsee und nach Gran Canaria oder fährt mit seinem E-Bike durch die Wälder rund um Spangenberg. kam

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