Gefeiert wird am 10. März

Sie trugen einst Kittelschürze: Weidelbacher Spinnstube wird 50 Jahre alt

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Lustige Gesellschaft: Die Weidelbacher Spinnstuben-Frauen bei einem Kirmesumzug in Schnellrode.

Weidelbach. Wenn im November der Winter vor der Tür steht, dann decken die Weidelbacher Frauen jeden Donnerstag den Tisch für eine Kaffeetafel.

Dort treffen sie sich reihum zur Spinnstube, also zum Kaffeetrinken, schwatzen und stricken. Diese Tradition wird dort seit 50 Jahren gepflegt.

Mittlerweile sind es noch zwölf Frauen, die sich an der winterlichen Zeremonie beteiligen. Kaffee und Kuchen stehen auf dem Tisch, Brote, appetitlich mit Wurst und Käse angerichtet. Immer mit dabei ist das Strickzeug. Die Damen stricken meist Strümpfe für die Familie. „Früher haben wir auch gestickt und gehäkelt“, erzählen sie. Sie stickten Gobelinbilder mit Stillleben oder häkelten Stolas.

Im November 1968 trafen sie sich das erste Mal. Damals waren sie zwischen 20 und 40 Jahre alt. Es kamen immer mehr dazu, sagt Waltraud Tiedemann, die jetzt 30 Jahre dabei ist. Sie hat früher in Weidelbach gewohnt und verpasst kein Treffen, obwohl sie nach Melsungen gezogen ist. Ein Fotoalbum zeigt Bilder von früher, auf denen die Damen beim Feiern zu sehen sind. Anfangs trafen sie sich abends und erzählen von der Ananasbowle, die in riesigen Einkochbehältern für die ausgelassenen Treffen hergestellt wurde. Die tranken sie teilweise aus einem Glas in Stiefelform. „Heute gibt es nur noch Saft und wir treffen uns nachmittags“, sagt Tiedemann.

Lustige Gesellschaft: Die Weidelbacher Spinnstuben-Frauen bei einem Kirmesumzug in Schnellrode.

Auch die Gesprächsthemen hätten sich verändert. Wo früher die Schwiegermütter oft im Mittelpunkt standen, sind es heute die Schwiegertöchter und Enkel. So manche Anekdote kommt ihnen in den Sinn: In der Faschingszeit gingen sie verkleidet zu den Hausschlachtungen, um die Wurstesuppe zu probieren.

„Bei unseren ersten Treffen trugen wir noch alle Schürzen“, sagt Adelheid Bettenhausen. Später kamen sie in bunten Kittelschürzen zu den Treffen. „Heute tragen wir alle Hosen.“ So ändern sich die Zeiten. Die älteste Teilnehmerin Gisela Sinning ist 89 Jahre. Viele der Frauen arbeiteten im Sommer mit in der Landwirtschaft oder im Garten, daher traf man sich nur im Winter, wenn die Feldarbeit ruhte. Auch wenn sie heute im Rentenalter sind, behalten sie die Tradition der winterlichen Treffen bei. Meist schwatzen sie pladde. Rezepte werden ausgetauscht, und das Neueste aus dem 120-Seelen-Dörfchen kommt auf den Tisch.

Feiern wollen die Frauen das 50-jährige Bestehen am zehnten März in der Vockeröder Hütte. Dann dürfen die Männer auch mal dabei sein.

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