Mörshäuser Mordprozess

Weitere Zeugen sagen am vierten Verhandlungstag aus: „Er war in seiner eigenen Welt“

Mord in Mörshausen: Der 25-jährige Marvin K. wird beschuldigt, im März seine Vermieterin umgebracht zu haben.
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Mord in Mörshausen: Der 25-jährige Marvin K. wird beschuldigt, im März seine Vermieterin umgebracht zu haben.

Sieben Zeugen in vier Stunden am vierten Verhandlungstag im Fall des Mordes an Anja K. aus Mörshausen. Das Gericht machte sich in der jüngsten Verhandlung ein genaueres Bild vom Angeklagten Marvin K.

Spangenberg / Kassel – Er soll im März seine 53-jährige Vermieterin in ihrem Haus im Spangenberger Stadtteil umgebracht haben. Das Gericht muss entscheiden, ob der Mann dauerhaft in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht wird. Es besteht der Verdacht, dass er wegen einer paranoiden Schizophrenie im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt hat.

Unter den Zeugen war auch die Schwester der Getöteten. „Ich hätte niemals gedacht, dass Marvin sowas tut. Ich kann es immer noch nicht verstehen“, betont sie, immer wieder mit den Tränen kämpfend.

Auch wenn es manchmal Streit zwischen den beiden gegeben habe, zum Beispiel weil Marvin sehr unordentlich war, habe sie immer den Eindruck gehabt, der 25-Jährige sei harmlos.

Trotzdem habe es Anzeichen für eine psychische Erkrankung gegeben. „Er war teilweise schon sonderbar. Meine Familie hat mir erzählt, dass er manchmal auf dem Hausdach gesessen und gesungen hat. Das ist nicht normal.“

Angeklagter Marvin K.: Immer Musik gehört

Sie berichtet, dass er fast immer Kopfhörer aufhatte und Musik hörte. Es schien, als sei er ständig in seiner eigenen Welt.

An den Tag der Tat erinnert sie sich noch ganz genau. „Kurz nachdem ich erfahren hatte, was passiert ist, dachte ich: Wo ist Marvin?“ Sie habe gedacht, dass er in seinem Zimmer sei und wegen der Kopfhörer nichts mitbekommen habe. Als sie Marvin K. nicht fand, sei ihr die Lage langsam klar geworden.

Während die Schwester des Opfers über ihn spricht, wirkt der Angeklagte unbeteiligt. Nur ab und zu schaut er zur Zeugin, meidet aber den Blickkontakt. Teilweise wirkt er gelangweilt.

Neben der Schwester des Opfers sagten auch ihr Cousin, zwei Sozialarbeiterinnen, ein Betreuer, eine Nachbarin und eine Pflegerin aus. Alle waren sich in einem Punkt einig: Das Verhältnis zwischen Marvin K. und seiner Vermieterin war gut.

Verhältnis zwischen Angeklagtem und Opfer war gut

Er half ihr im Haushalt, ab und zu waren die beiden zusammen im Dorf unterwegs. Einer Zeugin gegenüber äußerte Anja K. sogar, dass es eine Win-Win-Situation gewesen sei, dass der 25-Jährige bei ihr wohne.

Alle Zeugen berichten, dass Marvin K. nie aggressiv gewesen sei. Sie beschrieben ihn eher als verschlossen und ruhig, aber immer freundlich und hilfsbereit.

Eine Betreuerin beschreibt den Angeklagten aber auch als depressiv. „Er hat mehrmals mit mir über Suizid geredet“, erinnert sie sich. Auffällig sei dabei gewesen, dass Marvin K. auf keinen Fall andere Menschen mit seinem Tod belasten wollte. „Sich vor die Lok zu werfen, kam für Marvin nicht in Frage. Der Lokführer wäre ja involviert. Das wollte er nicht“, sagt die 57-Jährige.

Als sie von den suizidalen Gedanken des Angeklagten spricht, regt sich etwas in seinem Gesicht. Er blickt zu ihr, wirkt interessierter als zuvor. Für einen kurzen Moment schauen sie sich in die Augen. Marvin K. blickt dann aber wieder beschämt zu Boden. (Clara Pinto)

Fortgesetzt wird der Prozess am 10. Januar 2022.

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