„Das ist nicht zum Aushalten“

Wie im Wilden Westen: Spangenberger verärgert über Zustand von Straßen

Viel Verkehr in der Neustadt: Die Anrainer Dieter Angersbach, Christina Rüdiger und Karl-Heinz Woermann (von links) ärgern sich über den Verkehrslärm und zu schnelles Fahren in der 30er-Zone der Baustelle. Foto: Feser

Spangenberg. Wüsste man nicht sicher, dass Spangenberg im Schwalm-Eder-Kreis liegt, könnte man meinen, dort beginne der Wilde Westen.

Denn so manche Autofahrer meinen wohl, bei der Straße Neustadt handele es sich um eine zweispurige Fahrbahn - und fahren nebeneinander in Richtung Hessisch Lichtenau. Einer auf der Notteer-Spur, der andere daneben auf der geflickten Gegenfahrbahn - wohlgemerkt: beide in eine Richtung. Das beobachtet Anwohner Dieter Angersbach mehrfach täglich.

Auch sein Nachbar Karl-Heinz Woermann kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn er an die Verkehrssituation in der Straße Neustadt denkt, die zugleich Ortsdurchfahrt und Bundesstraße 487 ist. „Das ist nicht zum Aushalten“, sagt er, wenn er an die Risse, Buckeln, Löcher und den groben Notteer denkt. „Die Autos und Lastwagen fahren hier wie die Verrückten, und dann wackelt bei uns drinnen alles.“

Christina Rüdiger kann dem nur zustimmen. Sie ist Vermieterin an der Neustadt und weiß, dass bei einem ihrer Mieter der Kronleuchter an der Decke klirrt, wenn Lastwagen vorbeidonnern. Dabei ist der Straßenabschnitt zwischen Jahnstraße und Jägerstraße Baustelle. Und Tempo 30-Zone.

„Manche Autos haben so viel Tempo drauf, dass sie springen“, sagt Dieter Angersbach.

In dem Bereich werde temporär und regelmäßig geblitzt, teilte Bürgermeister Peter Tigges auf HNA-Anfrage mit. Zuletzt in der vergangenen Woche.

Die Anwohner fordern eine so genannte Smiley-Anlage, die den Verkehrsteilnehmern die Geschwindigkeit anzeigt. „Am besten wäre eine Anlage, die auch noch die Autos zählt“, sagt Christina Rüdiger. „Wenn ich einen Blitzer aufstellen würde, wäre ich Millionär“, scherzt Dieter Angersbach. Bürgermeister Tigges kündigte gegenüber der HNA an, dass dort mal eine Smiley-Anlage aufgestellt werden könne.

Das Straßekehren ist für die Anwohner so gefährlich, dass Dieter Angersbach dann sein Auto direkt an der Straße parkt, „sonst fahren sie mir den Besen weg“. Derzeit lohnt sich das Straßekehren, denn der grobe Notteer wird von den Autos locker gefahren oder vom Schneepflug abgefräst, und die Steine schleudern zur Seite.

Arbeiten ruhen

„Zum Glück ist noch niemandem etwas passiert“, sagt Angersbach, denn die groben Steine landen immer wieder auf dem Bürgersteig. Zwei Mal ist in der Straße Neustadt schon ein Gullydeckel aus der Straße gefahren worden. Das erste Mal Anfang Januar, das zweite Mal vor drei Wochen. Aus dem Rathaus heißt es, dass die Bauarbeiten im Bereich Neustadt derzeit witterungsbedingt ruhen. Dort müssten unter anderem noch Arbeiten an Kanal- und Wasserleitung erledigt werden. Diese würden etwa acht Wochen dauern. Für die anschließende Instandsetzung der Fahrbahn, die Hessen mobil übernimmt, kalkuliert die Stadt etwa eine Woche ein.

Bis dahin ist Anwohner Angersbach froh, dass seine Fenster zur Straße hin mit Schallschutz ausgestattet sind. Seine Frau muss trotzdem Deckchen zwischen die Tortenplatten legen, damit sie im Schrank nicht klappern, wenn Lastwagen am Haus vorbeibrettern.

Von Claudia Feser

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