Operationen im Kerzenschein 

Im Einsatz für die Ärmsten der Armen: Spangenberger Arzt war für die German Doctors in Bangladesch

Im Einsatz: Dr. Joachim Hetzler untersucht in einem Gesundheitszentrum in den Slums von Chittagong Kinder. Er war dort für die German Doctors unterwegs. Foto: German Doctors /nh

Spangenberg – Was Dr. Joachim Hetzler in Bangladesch vorfand, das hat mit dem Alltag, den er in seiner Arztpraxis erlebt hatte, wenig zu tun.

 Der Spangenberger Arzt ist seit drei Jahren in Rente und war in diesem Jahr für sechs Wochen für die German Doctors (Hintergrund) in Chittagong in Bangladesch im Einsatz, um sich dort um die Ärmsten der Armen zu kümmern.

„Teilweise haben wir bei Kerzenschein diagnostiziert“, beschreibt Hetzler die Zustände. Die Menschen, die in die kleinen, behelfsmäßigen Gesundheitszentren in den Slums kamen, litten unter Lungenkrankheiten, Rückenbeschwerden, Mangelernährung, Bluthochdruck, Depressionen und Diabetes.

„Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, was man dort leisten kann, aber trotzdem ein gutes Gefühl, dass man etwas Gutes tun kann“, sagt der 69-Jährige.

Einheimische Ärzte gebe es in den Slums von Chittagong kaum. Und wenn, dann würde nur behandelt, wer die Behandlung auch bezahlen könne.

„Es gilt, bezahle oder du stirbst im schlimmsten Fall“, sagt Hetzler. Auch die hygienischen Zustände in den Krankenhäusern seien katastrophal. „Da muss man sich wundern, dass die Patienten das überleben“, sagt Hetzler, der 29 Jahre eine Hausarztpraxis in Spangenberg hatte. Die Diagnostik während seines Einsatzes für die German Doctors in Bangladesch sei nicht immer einfach, sagt der Vater von drei erwachsenen Söhnen. „Ich konnte ja nur mit einem Übersetzer arbeiten“, sagt Hetzler. Das hieß, dass er sich immer auf Dritte verlassen musste. Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitspersonal, das ihm bei seinem Einsatz zur Seite stand, und das von den German Doctors finanziert wird, haben aber gut geklappt.

Was Hetzler während seines Einsatzes erstaunte, war die Tatsache, dass viele der Slumbewohner, trotz aller Widrigkeiten, doch versucht hätten, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Oft habe er auch Enttäuschung erlebt bei den Patienten, die gehofft hatten, Hilfe in den Gesundheitszentren zu bekommen. Antibiotika seien nicht immer eine Lösung, und mit anderen Medikamenten müsse man sparsam umgehen, sagt Hetzler. „Wenn jemand eine Erkältung hat, kann man ja kein Antibiotikum geben.“ Die Patienten würden alle registriert, alle hätten Gesundheitsbücher, die sie selbst kaufen müssten. „Da geht es auch darum, dass die Menschen den Wert und die Wichtigkeit der Gesundheitsversorgung schätzen“, sagt Hetzler. Ihn hat nicht entsetzt, was er gesehen hat. Er sagt, dass er damit gerechnet habe, weil er schon in anderen Ländern war. Er will jederzeit wieder helfen. Demnächst will er nach Kaltkutta in Indien, um dort den Ärmsten zu helfen.

German Doctors 

Bei den German Doctors handelt es sich um Ärzte, die ehrenamtlich Einsätze in Entwicklungsländern leisten. Die international tätige Nichtregierungsorganisation engagiert sich in Indien, Bangladesch, Kenia, Sierra Leone und den Philippinen. Die Ärzte arbeiten nach Angaben der Organisation unentgeltlich während ihres Jahresurlaubs oder wenn sie bereits im Ruhestand sind. Seit 1985 gab es laut der Organisation 7500 Einsätze. Über Spenden werden Medikamente, Ernährungsprogramme und Ausbildung medizinischer Fachkräfte vor Ort finanziert. Spendenkonto: Stichwort Hilfe weltweit, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE26 5502 0500 4000 8000 20.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.