Mittelspannungsnetze betroffen

Streit um die Stromnetze: Fragen und Antworten

Schwalm-Eder. Die Fulda-Eder Energie (FEE) und die Energienetz Mitte, eine Tochter der Energie aus der Mitte (EAM), streiten über die Rückgabe der Stromnetze. Wir klären wichtige Fragen.

Bei dem Streit geht es in erster Linie um die Mittelspannungsnetze. Dies sind die Netze, die durch das FEE-Gebiet verlaufen und die kleineren Netze, die Niederspannungsnetze, versorgen.

Warum sind die Mittelspannungsnetze so wichtig? 

An diesen Mittelspannungsnetze hängen zum Teil größere Kunden – zum Beispiel die B. Braun Melsungen AG. Die Summe der Erlöse aus den Mittelspannungsnetzen ist deutlich höher als bei den Niederspannungsnetzen.

Warum möchte die Energienetz Mitte die Mittelspannungsnetze nicht herausgeben? 

Das Hauptargument der ENM ist die eigene Betriebssicherheit. Denn die Mittelspannungsnetze verlaufen durch das FEE-Gebiet – sie enden nicht etwa an den Gemarkungsgrenzen. Die FEE-Geschäftsführung sieht indes wirtschaftliche Gründe bei der ENM.

Wie kann das Netzgebiet entflochten werden, also die Netze aufgeteilt werden?

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Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Die messtechnische Entflechtung: Dabei werden an allen Übergabepunkten Zähler installiert. Von der FEE heißt es dazu: einfach und schnell zu machen, Kostenpunkt deutlich unter 1 Million Euro. Die Energienetz Mitte hält eine solche Entflechtung in der Praxis nicht für umsetzbar. In Deutschland gebe es bisher keinen vergleichbaren Fall. Das Netz im Gebiet sei zu komplex. Dem widerspricht Ralf Lengemann, Geschäftsführer der FEE: Bei folgenden Unternehmen habe es vergleichbare messetechnische Entflechtungen in Deutschland gegeben: St. Wendel, Energis GmbH, Losheim, Saarwellingen.

Wie sieht die zweite Möglichkeit aus? 

Dabei handelt es sich um die galvanische Trennung. Dabei wird ein eigenes autarkes Gebiet geschaffen. Das Mittelspannungsnetz würde quasi aus dem EAM-Netz herausgelöst. Laut der ENM technisch machbar aber mit Kosten von bis zu 17 Mio. Euro verbunden. Die FEE sieht lediglich Kosten von deutlich unter zehn Millionen Euro, bevorzugt aber ohnehin die messtechnische Entflechtung.

Wer hat bei der Entflechtung nun Recht? 

Die ENM kennt sicherlich ihre Netze sehr gut, hat mit den beiden Entflechtungsverfahren in dieser Größenordnung aber auch noch keine Erfahrungen gemacht. Die FEE wird von einem Aachener Büro beraten, dass sich unter anderem auf eben diese Entflechtungen spezialisiert hat.

Gibt es weitere Streitpunkte? 

Ja, die FEE besteht auf die Herausgabe der detaillierten Daten zu den Netzen. Die Energienetz Mitte hält den Aufwand für zu groß, bevor überhaupt mit den Kaufverhandlungen begonnen wurde. Zuerst müsste man sich auf die Art der Entflechtung einigen. Die FEE sei im Besitz eines Netzplanes, der zum Betrieb reichen würde. Die FEE entgegnet, dass ohne die Daten keine sinnvolle wirtschaftliche Entscheidung zu treffen sei.

Gibt es eine rechtliche Grundlage für die Forderung der Fulda-Eder Energie? 

Ja, die gibt es. Diese ist im § 46 des Energiewirtschaftsgesetzes geregelt und durch ein Urteil des Bundesgerichtshofes konkretisiert. Demnach umfasst die Herausgabe die gemischt genutzten Leitungen. Das sind die Teile des Mittelspannungsnetzes an dem Kundenstationen hängen – zum Beispiel B. Braun. Diese will die FEE, sie gehörten zum Verteilnetz. Durchlaufende Leitungen könnten bei der ENM verbleiben. (ddd)

Rubriklistenbild: © dpa

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