Urenkel des einstigen Melsunger Tuchhändlers Mendel Kaufmann besuchte die Stadt seiner Ahnen

Auf der Suche nach den Wurzeln

Stadtrundgang mit Halt am historischen Rathaus: von links Hans-Peter Klein, Nadine Strossen, Eli Noam, Dieter Hoppe und Irmgard Hoppe. Foto: Mangold

Melsungen. Tuchhändler Mendel Kaufmann betrieb den ersten Versandhandel in Melsungen und in seinen Manufakturhallen übten die Melsunger Turner. Das war Mitte des 19. Jahrhunderts. Am Wochenende besuchte sein Urenkel die Bartenwetzerstadt: Eli Noam, Professor für Finanzen und Wirtschaft an der Columbia Universität, war von New York angereist, um Gräber seiner Vorfahren und die Stadt anzuschauen.

„Melsungen ist die schönste Stadt, die ich bisher in Deutschland gesehen habe“, sagte Eli Noam bei einem Stadtrundgang. Die vielen gut erhaltenen Fachwerkhäuser fügten sich zu einem sehr harmonischen Stadtbild zusammen. Bei der Erforschung seines Familienstammbaumes habe er inzwischen verschiedene Orte in Deutschland kennen gelernt. Auch seine Frau habe noch Verwandtschaft in Deutschland, so seien sie unter anderem schon in Berlin, Frankfurt, Fulda und Freiburg gewesen. Anlass für die diesjährige Reise war die Feier zum 100-jährigen Bestehen der Odenwaldschule in Heppenheim, bei der er als ehemaliger Schüler eine Rede hielt.

Bei der Suche nach den eigenen Wurzeln hatten ihn die Lehrer und Historiker Dieter Hoppe und Hans-Peter Klein aus Melsungen unterstützt, die sich beide mit jüdischer Geschichte in Nordhessen beschäftigen. Eli Noam hatte einen Vortrag über jüdische Geschichte von Dieter Hoppe im Internet entdeckt und vor fünf Jahren Kontakt zu ihm aufgenommen. Jetzt lernten sie sich persönlich kennen.

„Es ist wichtig, dass man die Familiengeschichte und die Erinnerungen weiter an die nächste Generation gibt.“

Eli Noam

„Es ist wichtig, dass man die Familiengeschichte und die Erinnerungen weiter an die nächste Generation gibt, damit sie nicht vergessen werden“, sagte Noam, der sich von der Initiative zur Verlegung von Stolpersteine beeindruckt zeigte. Durch die Namen erhielten die Steine etwas sehr persönliches.

Jüdischer Friedhof

Auf dem jüdischen Friedhof in Melsungen besuchte Eli Noam die Gräber seiner Vorfahren und legte nach jüdischer Sitte Steinchen auf ihre Grabsteine. Seinen Melsunger Stadtführern stellte er viele Fragen zur Geschichte der jüdischen Gemeinschaft vor Ort. Hans-Peter Klein berichtete von Schulfahrten nach Auschwitz, die er als Geschichtslehrer der Gesamtschule Melsungen begleitet hatte.

Deutschland sei demokratisch, weltoffen, tolerant und vielfältig, beschrieb Eli Noam seine Reiseeindrücke, sparte aber auch nicht mit Kritik: Entsetzlich sei das Fahren auf deutschen Autobahnen - da fehlte dem Gast die in den USA übliche Geschwindigkeitsbegrenzung.

Nach einer Übernachtung im Melsunger Altstadthotel reiste der berühmte Wissenschaftler, der auch schon den amerikanischen Präsidenten beriet, wieder ab.

Von Bettina Mangold

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