„Cybergrooming“

Gefährliche Whatsapp-Gruppen: Täter suchen Kontakt zu Kindern - Polizei warnt

Anbahnversuche: Wenn Täter über Chatgruppen Kontakt mit Kindern suchen, heißt das Cybergrooming. Im Symbolbild hält ein Kind ein Mobiltelefon.
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Anbahnversuche: Wenn Täter über Chatgruppen Kontakt mit Kindern suchen, heißt das Cybergrooming. Im Symbolbild hält ein Kind ein Mobiltelefon.

Kinder werden plötzlich unfreiwillig in gefährliche Whatsapp-Gruppen eingeladen: Cybergrooming heißen diese Anbahnversuche über WhatsApp, TikTok und andere Kanäle.

Melsungen ‒ Die Polizei im Schwalm-Eder-Kreis warnt vor Tätern, die über soziale Netzwerke Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnehmen. So wurden laut Jugendkoordinator Jens Breitenbach jüngst Schüler zweier weiterführender Schulen – elfjährige Kinder – unfreiwillig in Whatsapp-Gruppen hinzugefügt. In diesen Gruppen teilten die Täter pornografisches und sogar kinderpornografisches Material. Motiv der Täter sei es, Kontakt zu Kindern zu bekommen, erklärt Markus Brettschneider, Sprecher der Polizeidirektion. Die Kripo Homberg habe in den Fällen bereits die Ermittlungen aufgenommen.

Nach der in Kürze inkrafttretenden Gesetzesänderung ist der bloße Besitz solchen Materials eine Straftat und wird als Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr geahndet. Kinder unter 14 Jahren sind nicht strafmündig. Aber Jugendliche und Heranwachende bewegen sich im strafbaren Bereich. Es müssen laut Kasseler Staatsanwaltschaft aber nicht Jugendstrafen verhängt werden. Der Strafrahmen für Erwachsene komme nicht zur Anwendung. Die erzieherische Einwirkung sei das Mittel, das über allem stehe.

Jugendkoordinator Jens Breitenbach.

Gefährliche Whatsapp-Gruppen: So sollen Betroffene handeln

Betroffene sollten auf dem Telefon den Flugmodus aktivieren und sich dann umgehend an die Polizei wenden. Das diene der Beweissicherung.

Das Hinzufügen in eine Gruppe von Unbekannten kann gegen den Willen des Mobilfunkbesitzers geschehen. Für die Sicherheit der Kinder auf Whatsapp und Co. müssen Einstellungen in den Messenger-Apps geändert werden, die das zulassen. In den Einstellungen muss man von „Jeder“ auf „eigene Kontakte“ ändern. Ohne eine entsprechende Änderungen der Einstellungen seien die Kinder solchen Übergriffen schutzlos ausgeliefert.

Die Polizeidirektion Schwalm-Eder gibt daher Empfehlungen:

  • Eltern sollten die Einstellungen in den Telefonen ihrer Kinder überprüfen.
  • Eltern sollten die Problematik mit ihren Kindern thematisieren und auf die Gefahr hinweisen.
  • Eltern sollten generell Interesse an den Internetaktivitäten und Bewegungen in den sozialen Netzwerken zeigen.
  • Eltern sollten über Internet- und Onlinebekanntschaften Bescheid wissen.
  • Eltern sollten als Vorbild dienen.
  • Eltern sollten die technischen Möglichkeiten und Handhabungen kennen und mit ihren Kindern besprechen.
  • Auch Lehrer können über diese Problematik aufklären.
  • Keinesfalls sollten Kinder und Jugendliche pornografisches Material weiterverbreiten.

Kontakt: Bei Fragen und im Verdachtsfall können Eltern die Polizei in Homberg unter der Telefonnummer 05681/7740 verständigen .

Cybergrooming 

Im Fachjargon bezeichnetman das Vorgehen der Täter als Cybergrooming. Cyberg-rooming (englisch: anbahnen, vorbereiten) meint das gezielte Ansprechen Minderjähriger über das Internet und vermehrt auch über Mobiltelefone und Messenger mit dem Ziel, sexuelle Kontakte anzubahnen – sowohl persönlich als auch auf Bilder und Videos beschränkt. Weitere Informationen unter polizei-beratung.de und jugendschutz.net 

Das Problem ist nicht unbekannt. Jugendschützer kritisieren Whatsapp schon seit geraumer Zeit wegen solch gefährlicher Inhalte. Vor einigen Monaten wurde ein Mann vor dem Amtsgericht Hann. Münden verurteilt, weil er über Whatsapp und Co. monatelang kinderpornografische Inhalte an ein junges Mädchen schickte und sie unter Druck setzte. (Damai D. Dewert)

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