Coronavirus

Tageweise in die Schule: Schulstart im Altkreis Melsungen mit großen Hürden

Die Tische sind auseinandergestellt: Der Schulleiter der Drei-Burgen-Schule, Karl-Werner Reinbold, ist auf die nächste Woche vorbereitet.
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Die Tische sind auseinandergestellt: Der Schulleiter der Drei-Burgen-Schule, Karl-Werner Reinbold, ist auf die nächste Woche vorbereitet.

Etwa 15.000 von 20.000 Schülern werden ab Montag im Landkreis unterrichtet. Jedenfalls tageweise.

Melsungen - Diese Zahl nennt Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamtes. Die Erweiterung der Schülerzahlen sei wegen der Hygiene- und Abstandsregeln mit einem enormen Aufwand für Schüler, Eltern und Lehrer verbunden.

Bisher wurden etwa 5000 Schüler – überwiegend in den Abschlussklassen – unterrichtet. Die noch fehlenden 5000 Schüler sind zum allergrößten Teil Grundschüler der Jahrgangsstufen 1 bis 3. Diese, so der Plan des Kultusministeriums, sollen ab Anfang Juni folgen. Der reibungslose Wiedereinstieg sei jetzt die oberste Prämisse. Über alle Schulformen hinweg seien dann die Schüler im Landkreis noch etwa einen Monat im Präsenzunterricht. Die Schulen seien bemüht, möglichst viel Unterricht anzubieten, sagt Uhde. Limitierende Faktoren sind die Räume, Lehrer und die Reinigungskräfte: Die Hygienepläne vom Landkreis müssen berücksichtigt werden – beispielsweise dürfe an einem Schreibtisch ohne eine Zwischenreinigung nur ein Schüler pro Tag sitzen. Das schränke die Möglichkeiten von Schichtmodellen ein. Eventuell sei es vorstellbar, die Schulsporthallen für den Unterricht zu öffnen. Dies mache der Schulträger aktuell aus Hygienegründen noch nicht. Die Reinigungskräfte, die eigentlich für die Turnhallen zuständig sind, helfen zum Schulstart an den Schulen mit aus, teilt Kreissprecher Stephan Bürger mit. Man wisse um das hohe Arbeitsaufkommen und werde, wo möglich, die Stundenkontingente der Reinigungskräfte aufstocken. Alle 264 Reinigungskräfte sind beim Landkreis angestellt.

Jeder müsse wissen, sagt Stephan Uhde, dass es am Montag keinen Start in einen regulären Schulbetrieb geben könne. „Wir bieten einen Unterricht in der Schule an. Ein relevanter Anteil des Lernens muss auch weiterhin zu Hause stattfinden. Mehr ist unter den jetzigen Bedingungen nicht möglich.“ Unter anderem wegen der Feiertage könnten es am Ende dieser Periode nur bis zu acht Tage sein, die Schüler noch Präsenzunterricht erhielten. 

Auflagen der Landesregierung fordern Schulleitungen

In der kommenden Woche öffnen die Schulen in Hessen wieder ihre Türen. Der Schulbetrieb für die Sekundarstufe I und der Einführungsphase der Sekundarstufe II soll dann wiederaufgenommen werden. Das hat das Kultusministerium so entschieden. Allerdings gelten auch weiterhin strenge Auflagen zur Eindämmung des Coronavirus, wie beispielsweise eine verkleinerte Klassenstärke. Das stellt die Schulleitungen, Schüler und Lehrer vor große organisatorische Herausforderungen. Wir haben bei den Schulen im Altkreis nachgefragt.

Guxhagen

An der Integrierten Gesamtschule Guxhagen (IGS) ist Schulleiter Jürgen Werner guter Hoffnung, dass ab kommender Woche alles glattgeht. „Wir haben ein gutes Konzept ausgearbeitet.“ Man müsse nun sehen, ob es in der Praxis gut funktioniere. Die Erstellung der Stundenpläne sei das Schwierigste und beschäftige seit Tagen eine Mitarbeiterin pausenlos. Durch die Vorgabe, dass maximal 15 Kinder gleichzeitig in einem Klassenraum unterrichtet werden dürfen, verdoppele sich die Anzahl der benötigten Lehrerinnen und Lehrer, sagt Werner. Daher gibt es an der IGS ein Blocksystem, bei dem die Schüler nach Jahrgängen in Lerngruppen eingeteilt werden. Die kleinen Klassen werden an maximal drei Tagen die Woche, abwechselnd, unterrichtet. Anders sei es personell nicht zu stemmen. Für die Tage, an denen die Schüler zuhause sind, gibt es Homeschooling-Aufgaben. Kommende Woche startet der Unterricht allerdings erst einmal „sanft“, wie Werner sagt. Für alle Jahrgänge, bis auf die Abschlussklassen, gibt es Klassenlehrerunterricht. „Wir müssen die Kinder erst einmal abholen, mit ihnen die Situation besprechen und sehen, welche Sorgen und Ängste sie haben. Das ist ja eine völlig veränderte Situation.“ Deswegen habe man sich für diesen sanften Einstieg entschieden. Wegen des Feiertages gibt es für jeden Jahrgang nur einen Präsenztag in der kommenden Woche. „Deswegen wird es dort erst einmal zu wenigen Problemen kommen“, sagt Werner.

Allerdings beginnen in der darauffolgenden Woche die Abschlussprüfungen. „Die Prüflinge bekommen einen extra Bereich zugeteilt, damit sie die nötige Ruhe haben.“ Die Infrastruktur der Schule biete „Gott sei Dank“ genug Platzkapazitäten.

Bis zum Anfang der Sommerferien sollen mit allen Schülern die Homeschooling-Aufgaben, die sie während der Schulschließung erledigt haben, vertieft und durchgesprochen worden sein. „Das ist unser Ziel“, sagt Werner. Die Eltern hätten zwar großartige Unterstützung geleistet, aber teils seien die Aufgaben „doch mit Fehlern behaftet“, sagt Werner. Man wolle die Schüler möglichst wieder alle auf ein Level bringen.

Felsberg

Auch an der Drei-Burgen-Schule in Felsberg hat man ein Konzept erarbeitet, wie der Unterricht nun laufen soll. „Ab kommender Woche werden pro Tag zwei Jahrgänge für je sechs Stunden in der Schule unterrichtet“, erklärt Schulleiter Karl-Werner Reinbold. Die Klassen werden auf zwei Räume aufgeteilt. „Das erfordert natürlich mehr Lehrer und nimmt all unsere Raumkapazitäten in Anspruch“, sagt Reinbold. Nach viel Organisationsarbeit sei das aber machbar.

Nach wie vor werden weiterhin auch die Abschlussklassen unterrichtet. „Wenn diese ihre Prüfungen ab dem 25. Mai schreiben, ändert sich der Ablauf aber nochmal“, sagt Reinbold. Verlassen die 48 Schüler die Schule nach ihrer letzten Prüfung, am 29. Mai werden wieder mehr Räume frei und es steht mehr Lehrpersonal zur Verfügung, so Reinbold. „Das ermöglicht es uns, dass jeder Jahrgang dann zwei Mal in der Woche in der Schule unterrichtet werden kann“ sagt Reinbold. Das habe vor allem den Vorteil, dass die Abstände zwischen den Unterrichtsstunden nicht so weit auseinanderliegen. Unterrichtet werden die Hauptfächer Mathe, Deutsch, Englisch. Beim Gymnasialzweig kommen die zweite Fremdsprache und ein naturwissenschaftliches Fach hinzu. „Dadurch werden dann natürlich auch wieder Eltern entlastet – es ist gut, dass die Schüler wieder kommen dürfen“, sagt er. „Als es von der Landesregierung hieß, dass die Schulen wieder am 18. Mai öffnen, wurde den Eltern Sand in die Augen gestreut“, sagt Reinbold. An vielen Schulen sei es unter den Hygienevorgaben kaum machbar, dass die Schüler zwei Mal in der Woche Präsenzunterricht erhielten, sagt er.

An der Drei-Burgen-Schule haben die Lehrer zudem einen schuleigenen Hygieneplan aufgestellt. „Auf den Gängen, im Flur und auf dem Weg zu den Bussen herrscht Maskenpflicht“, sagt Reinbold. Lehrpersonal, das nicht in den Präsenzunterricht eingebunden ist, empfängt die Schüler an den Haltestellen und kontrolliert das“, sagt er. Im Unterricht sei eine Maske wegen der auseinandergestellten Tische nicht nötig und kaum umsetzbar.

Melsungen

Die Gesamtschule in Melsungen startet erst am Dienstag wieder schrittweise mit der Schulöffnung. Dann kehren zunächst die Schüler der fünften und sechsten Klassen zurück in den Unterricht. „Wir teilen die Schüler in zwei Gruppen ein. Ein Teil der Fünft- und Sechstklässler kommt am Dienstag zur Schule, der andere Teil am Mittwoch“, erklärt Schulleiter Matthias Bohn.

Ohne Halbierung der Klassen auf maximal 13 Schüler seien mehr Räume und Lehrkräfte nötig, weshalb die Schüler nun in eingeteilten Gruppen und an festen Terminen zur Schule kommen. Auch die anderen Klassenstufen können so in den kommenden Tagen zum Unterricht zurückkehren. Bis zu den Sommerferien könnte so jeder Schüler noch etwa neun bis zehn Tage beschult werden. „Es freut uns, dass wir trotz der Umstände eine Möglichkeit auf Schulunterricht gefunden haben“, sagt Bohn.

An der Radko-Stöckl-Schule ist Schulleiter Markus Gille zuversichtlich, dass der Start sehr gut gelingen werde.

„Wir hatten zuletzt schon viele Abschlussklassen in der Schule. Die Hygienemaßnahmen haben sich bei den Schülern und Lehrern schon sehr gut eingespielt“, sagt er.

300 Schüler in knapp 20 Klassen werden am Montag an der Radko-Stöckl-Schule erwartet. „Wir haben einen detaillierten Plan gemacht und die Schüler aufgeteilt, sodass maximal 15 Schüler in jeder Klasse sitzen“, sagt Gille.

In den nächsten Tagen und Wochen kämen vor allem die Auszubildenden zurück in die Schule, die wochenweise fünf Tage unterrichtet werden sollen. Lehrer, die zur Risikogruppe zählen, bieten zudem weiter Videokonferenzen an.

Morschen

An der Georg-August-Zinn-Grundschule in Morschen startet am Montag nur die vierte Klasse. Wie Schulleiter Michael Appel mitteilte, wird die Klasse getrennt unterrichtet. Jeweils zehn Schüler werden auf zwei Klassenräume verteilt. 20 Wochenstunden Unterricht seien für die ersten zwei Wochen geplant, danach, wenn auch die Klassen 1 bis 3 wieder in die Schule zurückkehrten, könne man das nicht aufrechterhalten, sagt Appel. Am Montag bekommen die Schüler zunächst eine Einweisung in die Hygieneregeln. „Ich erkläre ihnen, was zu tun ist und werde den Schülern auch klar machen, dass wir das hier nicht zum Spaß machen“, sagt Appel. Zunächst sollten die Kinder dann über die vergangenen Wochen sprechen. „Da gibt es sicher einiges, was ihnen auf den Nägeln brennt“, sagt Appel. Wie der Unterricht dann wieder aufgenommen wird, müsse man sehen, denn Appel geht davon aus, dass nicht alle Schüler auf dem gleichen Wissensstand sein werden.

Spangenberg

In der Burgsitzschule in Spangenberg starten die Schüler der Klassen 4 bis 9 sowie Gy10 im zweiwöchigen Rhythmus. Die Schüler werden laut Schulleiterin Sieglinde Strieder zwischen 16 und 20 Wochenstunden in der Schule verbringen, wobei jede Gruppe auch einen Tag zuhause bleiben wird. Raumtechnisch gebe es keine Probleme. „Ein größeres Problem ist das Personal“, sagt Strieder. Denn auch Mitglieder des Kollegiums gehörten zur Risikogruppe.

Es wurde ein umfassender Hygieneplan entwickelt, der den Schülern genau vorgibt, wie sie sich zu verhalten haben. In allen Klassenzimmern seien Waschbecken, Seife und Papierhandtücher vorhanden. Im Klassenzimmer müssten die Schüler keine Mund-Nase-Bedeckung tragen, allerdings im Bus, im Gebäude und in den Pausen, sagt Strieder. Außerdem gibt es einen Wegeplan, der vorsieht, welche Gruppe auf welchem Weg das Gebäude betritt oder verlässt.

In den Pausen sind den Gruppen feste Bereiche zugeordnet. Eine Herausforderung werde dabei sein, dafür zu sorgen, dass die jüngeren Schüler in den Pausen die Abstände einhalten. „Aber durch die tolle Zusammenarbeit im Schulleitungsteam und mit dem Schulelternbeirat haben wir es geschafft, ein gutes Konzept für den Schulstart zu erarbeiten“, sagt die Schulleiterin.

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