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Unfaire Kosten? Körler CDU kritisiert Richtwerte für Grundsteuer

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Luftbild von Körle
In Körle wird laut der CDU-Fraktion die Grundsteuer nicht nach der Qualität der Lage berechnet. © Ruth Brosche

Die Bewertung von Grundstücken in Körle ist für die CDU-Fraktion nicht nachvollziehbar. Die Partei äußert Kritik an den Bodenrichtwerten, die ein wichtiger Faktor zur Berechnung der Grundsteuer sind.

Körle – Die Körler CDU sieht aktuell eine unfaire Verteilung der Grundsteuer für Grundstücksbesitzer in Körle. Fraktionsvorsitzender Michael Greiner kritisiert die sogenannten Bodenrichtwerte, die ein Faktor bei der Berechnung der Grundsteuerhöhe sind. Er sieht die Gemeinde in der Pflicht, eine Lösung zu finden.

„Je besser die Lage und der Wert eines Grundstücks sind, desto höher sollte der Bodenrichtwert sein“, sagt Greiner. Dem ist in Körle aber nicht so. Laut Greiner wurde für ein Haus an der Eichendorffstraße ein Quadratmeterpreis in Höhe von 80 Euro festgelegt – direkt an der Bundesstraße 83 und der Bahnstrecke, mit viel Lärm.

Im Körler Neubaugebiet Auf dem Hollunder hingegen liegt der Bodenrichtwert bei 75 Euro pro Quadratmeter. Im Wagenfurther Neubaugebiet wird er mit 30 Euro beziffert. „Diese Werte entsprechen überhaupt nicht den tatsächlichen Werten der Grundstücke“, sagt Greiner.

Das ist der Bodenrichtwert

Der Bodenrichtwert ist der durchschnittliche Lagewert des Bodens für eine Mehrheit von Grundstücken, für die gleiche Nutzungs- und Wertverhältnisse vorliegen. Laut hessischem Finanzamt werde er für Wohnbauflächen, gewerbliche Bauflächen und landwirtschaftliche Flächen sowie für gemischte Bauflächen bestimmt. Gutachterausschüsse ermitteln und beschließen mindestens alle zwei Jahre Bodenrichtwerte auf der Grundlage einer Kaufpreissammlung. Bodenrichtwerte bestimmen laut Finanzamt aber nicht mit den Marktwert – auch Verkehrswert genannt. Auszüge aus der Bodenrichtwertkarte und schriftliche Bodenrichtwertauskünfte können online unter gds.hessen.de bezogen werden.

Die Werte sind im Bodenrichtwertinformationssystem (BORIS Hessen) nachzuschauen. Festgelegt wurden sie von einem Gutachterausschuss in Homberg. Greiner richtet seine Kritik daher nur indirekt an die Gemeindeverwaltung. „Sie hätten zu den Werten allerdings auch Nein sagen können“, kritisiert Greiner gegenüber der HNA. Denn die jetzigen Werte sieht der Fraktionsvorsitzende als „unangemessen“ an. Daher solle sich die Gemeindeverwaltung für eine gerechtere Festlegung einsetzen.

„Das kann natürlich länger dauern“, sagt Greiner. Deshalb solle es bald angestoßen werden. Die Bodenrichtwerte sind seit Beginn dieses Jahres gültig und werden alle zwei Jahre neu festgelegt. Für eine Änderung, die dann ab 2024 in Kraft tritt, müsse zeitnah etwas passieren.

Eine Einflussnahme oder Beschlussfassung durch die Gemeindevertretung ist weder vorgesehen, noch möglich oder gar sinnvoll, teilt Körles Bürgermeister auf Anfrage unserer Zeitung mit. Dem Thema werde sich die Gemeinde aber trotzdem annehmen: „Ob es nicht nachvollziehbare Differenzen bei den Werten gibt, werden wir trotzdem prüfen“, sagt Gerhold. Eventuell werde die Gemeinde auf den Gutachterausschuss zu gehen.

Welchen Einfluss unterschiedliche Bodenrichtwerte überhaupt auf die ab 2025 zu zahlende Grundsteuer habe, könne Gerhold sowieso noch nicht beurteilen. Ab 2025 tritt ein neues Modell der Grundsteuer in Kraft.

Daher kann laut Gerhold auch erst frühestens in 2024 die Festlegung der Hebesätze erfolgen. Der Hebesatz ist der einzige Faktor in der Grundsteuerberechnung, den die Gemeinde selbst festlegt. Alle anderen Werte werden gesetzlich festgelegt. (William Abu El-Qumssan)

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