Corona-Impfung

Unmut bei Impfterminen: Lange Schlangen und kein Spielraum im Landkreis

Eine Spritze wird aufgezogen.
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Die Impfzentren in Landkreis und Stadt Kassel knicken aktuell unter dem Ansturm Impfwilliger ein. Auch im Schwalm-Eder-Kreis gab es am Mittwoch Chaos bei Impfterminen.

Die Impfzentren in Landkreis und Stadt Kassel knicken aktuell unter dem Ansturm Impfwilliger ein. Auch im Schwalm-Eder-Kreis gab es am Mittwoch Chaos bei Impfterminen.

Schwalm-Eder / Kassel – Nur im Impfzentrum in Calden können sich Impfwillige aus der Region boostern lassen, wenn ihre Zweitimpfung fünf Monate zurückliegt. Der Schwalm-Eder-Kreis beharrt weiter auf den vollen sechs Monaten, die Stadt Kassel gibt einen Spielraum von bis zu zwei Wochen.

Das strikte Beharren auf den sechs Monaten hat bei den ersten Impfterminen am Mittwoch im Landkreis sogleich für erheblichen Unmut gesorgt. Bei der HNA gingen mehrere Anrufer ein, die sich über die Organisation vor Ort beschwerten. So zum Beispiel in Malsfeld. Rolf Angersbach aus Spangenberg ist sauer: Der 60-Jährige wollte sich am Impfmobil in Malsfeld impfen lassen. Dort seien Impfwillige weggeschickt worden, die nur wenige Tage bis zu den sechs Monaten gehabt hätten.

Andrang beim Impfen: Landkreis schlecht vorbereitet

Bereits eine Stunde vor Beginn des Termins hätten 60 Menschen in der Schlange gestanden. Kurze Zeit später seien es mehr als 250 gewesen. Einige seien frustriert gegangen. Vorerkrankungen und ehemalige Priorisierungen hätten keine Rolle gespielt.

Der Landkreis sei ganz schlecht vorbereitet. Es fehle an ausreichend Impfmöglichkeiten. „Das war eine Frechheit und ein Schlag ins Gesicht der Impfwilligen“, sagt er. Vor den Impfgegnern knicke die Regierung hingegen seit Monaten ein.

Manche Wartenden hätten beim Gesundheitsamt des Kreises die Information bekommen, geimpft werde nach fünf Monaten. Die seien in Malsfeld dennoch weggeschickt worden „Weiß denn die rechte Hand nicht, was die linke tut.“

Unmut bei Impfwilligen: Dritte Impfung erst sechs Monate nach der zweiten

Die Grenze wurde in den vergangenen Tagen auf sechs Monate festgesetzt, sagte Landrat Winfried Becker am Mittwoch. Dafür entschuldige er sich. Eine Grenze sei aber nötig. Natürlich treffe es dann Impfwillige mit nur wenigen Tagen.

Eine Malsfelderin berichtet: Ihre 74-jährige Nachbarin sei nach Hause geschickt worden – ihr hätten nur Tage gefehlt. Jüngeren sei die Impfung verweigert worden, die nur noch ein oder zwei Tage gehabt hätten. Für viele Malsfelder – insbesondere ältere – sei das eine der wenigen Möglichkeiten, vor Ort eine Impfung zu bekommen. In vielen Orten fehlten Arztpraxen. „Wo sollen wir uns denn impfen lassen.“

Neue Hessische Corona-Verordnung

Ab heute gelten in Hessen verschärfte Corona-Regeln, die von der Zahl der Corona-Patienten in Krankenhäusern abhängen, der sogenannten Hospitalisierungsinzidenz, die derzeit bei 4,43 liegt. So gilt etwa für Clubs die 2G-plus-Regel. Der Eintritt ist nur noch für geimpfte oder genese Personen plus tagesaktuellem Schnelltest möglich. Für Jugendliche reicht das Schülertestheft. Grundsätzlich gibt es eine Testempfehlung für private Treffen auch für Geimpfte und Genesene.

Impftermine in Planung: Landkreis aktiviert mobiles Impfteam

Der Landkreis plant mit einem weiteren mobilen Impfteam. Das ist eine Erkenntnis aus dem Auftakt der Impftour vom Mittwoch. Das teilte Landrat Winfried Becker am Mittwoch mit. Dieses solle sich vornehmlich um die Versorung älterer Menschen kümmern. So sollten beispielsweise Alten- und Pflegeheime sowie Ärzte abgefragt werden.

Impftermine

Bei den Impfterminen in Wabern und Malsfeld waren am Mittwoch hunderte Menschen. Kritik gab es von einigen daran, dass es den Impfstoff von Biontech/Pfizer nur für unter 30-Jährige und Schwangere gab. „Wir haben damit auf die von Jens Spahn angekündigte Verknappung des Impfstoffs reagieren müssen“, sagt Becker. Der mRNA-Impstoff von Moderna sei aber ebenfalls sehr gut und sicher.

Kreis ist verantwortlich

Auf Nachfrage teilte gestern das hessische Sozialministerium erneut mit, dass es keine Planung für weitere stationäre Angebote gebe. Um der jetzt erfreulicherweise wieder gestiegenen Nachfrage nach Impfungen begegnen zu können, habe die Landesregierung Klarheit geschaffen, in welchem Umfang die Städte und Gemeinden ihre Impfaktivitäten steigern müssten. So hätte die Ärzteschaft wöchentlich 250 000 Impfungen in Hessen zugesagt, 150 000 Impfungen wöchentlich müssten demnach von den Gesundheitsämtern vor Ort organisiert werden. Dort liege auch die Verantwortung für die Feststellung des Bedarfs sowie die Umsetzung und Koordination der Impfangebote vor Ort.

Impfstatus

Noch immer ist das hessische Gesundheitsministerium nicht in der Lage, die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuansteckungen nach Geimpften und Ungeimpften und nach Altersklassen zu differenzieren. Andere Bundesländer weisen diese statistische Angabe aus.

Keine Verlegungen

Seit Mittwoch werden deutschlandweit Intensivpatienten aus den östlichen Bundesländern und Bayern verlegt, da die dortigen Krankenhäuser voll sind. Die Kliniken des Schwalm-Eder-Kreises müssten keine aufnehmen. Auch für andere Kliniken in Hessen gebe es aktuell keine Anfragen.

Impfangebote

Um die aktuelle vierte Infektionswelle zu brechen, muss das Impftempo erhöht werden, da sind sich Experten einig. Zusätzlich zu den Impfangeboten des Schwalm-Eder-Kreises hätten einige im Landkreis niedergelassene Ärzte angekündigt, Impfaktionen anzubieten, das teilt der Landkreis mit. Zu den genauen Terminen und Orten lägen aber noch keine gesicherten Informationen vor. Weitere Bausteine sind das stationäre Impfen im Kulturbahnhof Wabern und der Einsatz von zwei mobilen Impfteams. Diese seien in den Kommunen und in Einrichtungen im Einsatz. Der Umfang der Impfungen werde aber abhängig von der Zuteilung des Impfstoffes durch den Bund sein. Auch über den Impfbus der Kassenärztlichen Vereinigung wird es drei Termine im Landkreis geben. Die Kreisverwaltung hatte den Bus angefragt. Termine und Orte werden noch bekannt gegeben.

Boostern

„Wir sind bei den Planungen davon ausgegangen, dass wir ausreichend Impfstoff zur Verfügung gestellt bekommen, um Auffrischungsimpfungen bereits nach fünf Monaten anzubieten“, teilt Kreissprecher Stephan Bürger mit. Leider habe sich jetzt herausgestellt, dass nach Aussage des Bundesgesundheitsministers keine entsprechenden Mengen zur Verfügung gestellt werden könnten. Auch aufgrund der Erfahrungswerte aus den benachbarten Landkreisen habe man beschlossen, zur Sechs-Monate-Regelung zurückzukehren. „Die daraus entstandenen Irritationen, die bei den Impfwilligen entstanden sind, bedauern wir sehr und bitten, dies zu entschuldigen“, sagt Bürger.

Vorbereitung

Zur Impfung bitte Impfpass, Aufklärungsblatt und Anamnese- sowie Einwilligungsbogen ausgefüllt mitbringen. Die Formulare gibt es zum Herunterladen auf der Internetseite des Kreises.

Schlange über 100 Meter lang: DRK organisierte zusätzlichen Arzt und weiteren Impfstoff für Malsfeld

Ganz enormer Andrang herrschte am Mittwoch am mobilen Impfzentrum in Malsfeld. Die Schlange vor der Fuldatalhalle war über hundert Meter lang. Thomas Wölfert aus Guxhagen sagte, dass er in 90 Minuten etwa zehn Meter vorwärtsgekommen war.

Mussten lange warten: Marion und Michael Schäfer aus Felsberg kamen nach Malsfeld, um sich impfen zu lassen. Sie zeigten, auch am Ende der Schlange kann man gute Laune haben.

Aber gegen 13.30 Uhr waren die Wartenden sehr geduldig. Eine Frau aus Melsungen, die ihren Namen nicht nennen wollte: „Mir war klar, dass es Wartezeiten geben würde, aber dass es so lange dauern würde, damit habe ich nicht gerechnet“. Landrat Winfried Becker und Manfred Lau, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, überzeugten sich vor Ort vom Ablauf der Impfaktion.

Großer Andrang in Malsfeld: Menschen warteten Stunden

Sie hatten, um dem großen Andrang in Malsfeld, der wohl an vielen mobilen Impfzentren herrscht, gerecht zu werden, einen weiteren Arzt, der die Impfungen vornahm, zusätzliches medizinisches Personal und weiteren Impfstoff organisiert.

Oliver Ermisch und Konstantin Beckel, beide aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, sagten, dass sie auf dem Rückweg von ihren Arbeitsstellen in Kassel und Melsungen zu dem Impfzentrum in Malsfeld gefahren sind, da es in ihrem Heimatkreis kein mobiles Impfzentrum gibt und sie bei ihrem Hausarzt monatelang auf einen Termin zum Boostern hätten warten müssen.

Da würden sie die Wartezeit von mehreren Stunden gern in Kauf nehmen. Marion und Michael Schäfer aus Felsberg hatten erst im Frühjahr einen Termin bei ihrem Arzt angeboten bekommen, daher standen sie an. Von vielen Passanten wurde das totale Parkchaos in der Nähe der Fuldatalhalle beklagt. Besonders am Vormittag waren Wege und Einfahrten zugeparkt. (Damai D. Dewert, Helmut Wenderoth)

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