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Ursula Kürschner-Reiff aus Melgershausen war 1972 Hostess bei Olympia

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Sie hält das blau-weiße Dirndel-Kleid in Ehren - Ursula Kürschner-Reiff war vor 50 Jahren Hostess bei der Olympiade in München.
Sie hält das blau-weiße Dirndel-Kleid in Ehren - Ursula Kürschner-Reiff war vor 50 Jahren Hostess bei der Olympiade in München. © Manfred Schaake

Beim Betrachten des blau-weißen Dirndel-Kleides in den bayerischen Landesfarben und der Bilder von damals werden schöne Erinnerungen wieder wach.

Melgershausen – „An die Olympischen Spiele 1972 in München denke ich heute noch mit Freude“, sagt Ursula Kürschner-Reiff. Die heute 77-Jährige war Hostess in München.

Natürlich bekam sie auch das Drama um die Geiselnahme der Israelischen Sportler mit. „Das war schrecklich“, so kommentiert sie heute das Attentat vom 5. September 1972 - ein Anschlag der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ auf die israelische Mannschaft.

Das Drama der Geiselnahme

Es begann als Geiselnahme und endete mit der Ermordung aller elf israelischen Geiseln sowie mit dem Tod von fünf Geiselnehmern und einem Polizisten. „Die Liechtensteiner Mannschaft war verunsichert, alle waren geschockt“, sagt Ursula Kürschner-Reiff. Und: „Viele Mannschaften haben sich danach verabschiedet. München, die heiteren Olympischen Spiele - das war mit einem Schlag aus.“

Bis dahin sei das einzigartige Ambiente und die Kontakte mit Sportlern aus aller Welt beeindruckend gewesen. Unvergessen bleiben die internationale Atmosphäre in der täglichen Begegnung mit Menschen aus allen Ländern der Erde.

Die Krankenschwester lebt seit fast 40 Jahren mit ihrem Mann in Melgershausen. Heute noch ist die Mutter von zwei Kindern stolz auf das Zeugnis, dass ihr das Organisationskomitee für die Spiele der XX. Olympiade München 1972 – so der offizielle Briefkopf – im Januar 1973 ausstellte: „Mit großer Sprachgewandtheit und Liebenswürdigkeit hat Fräulein Ursula Reiff die ihr übertragenen Aufgaben als Betreuungshostess der Delegation aus Liechtenstein zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt.“ Gedankt wird für die „wertvolle Mitarbeit“, die „viel zum Gelingen der Olympischen Spiele beigetragen hat.“ Mit ihren Eltern wohnte sie damals in Karlsruhe, in Wiesbaden arbeitete sie in der Mayo-Klinik als Krankenschwester.

Ein Jahr vor der Olympiade las sie in einer Zeitschrift, dass für die Olympiade Hostessen gesucht werden. Sie bewarb sich, hatte aber zunächst gar nicht geglaubt, dass man sie nehmen würde.

Ich bin durch die Bewerbungsmühle gegangen

Heute sagt sie: „Ich bin durch die Bewerbungsmühle gegangen.“ In einem Zeitungsbericht wurde das einmal so formuliert: „Ihr badischer Charme hat ihr geholfen, ihr Organisationstalent und ihre exzellenten Kenntnisse in Französisch und Spanisch.“

So gut gewappnet erfüllte sich für sie damals ein Traum. „Ich war froh, dass sie mich genommen haben“, sagt sie heute, „das hat mein Selbstbewusstsein gestärkt.“

Die Delegation aus Liechtenstein war zwar eine der kleinsten, aber auch der feinsten. Der Chef der Mannschaft war Baron Eduard Alexander von Falz-Fein. Der schenkte Ursula Reiff das Buch „Das Paradies in der Steppe“ – „mit vielem Dank für freundliche Betreuung“.

Wenn sie mal nicht mit der 13-köpfigen Mannschaft aus Liechtenstein unterwegs war, erklärte sie Gästen aus fünf Erdteilen, welcher Weg von der Schwimmhalle zum Stadion und vom Stadion zum Hofbräuhaus der direkte ist. Die Zeitung in ihrer Heimatstadt hat berichtet: „Die blonde Karlsruherin kennt sich auf dem Oberwiesenfeld so gut aus wie im Schlossgarten ihrer Heimatstadt.“

Ursula war aber nicht nur „olympisches Mädchen für alles“, wie sie mal bezeichnet wurde, sondern auch ein begehrtes Fotomodell: „Alle 50 Meter wurde man von Schnappschussjägern gebeten, für ein Erinnerungsbild zu posieren.“

„Es war eine Erfahrung fürs Leben“, sagt sie heute, „ein besonderes Erlebnis waren die Kontakte mit Hostessen aus der ganzen Welt.“ Die meisten hatte sie schon während der Bewerbung kennengelernt.

(Manfred Schaake)

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