Sexuelle Übergriffe in Praxis im Schwalm-Eder-Kreis

Vergewaltigung während Therapie: Haftstrafe für Physiotherapeuten

Symbolbild Justizia
+
Sexuelle Übergriffe auf Patientinnen: Dafür ist ein Physiotherapeut jetzt zu drei Jahren Haft verurteilt worden. (Symbolbild)

Schwalm-Eder – Während der Behandlung von vier Frauen in einer Praxis im nördlichen Schwalm-Eder-Kreis ist ein 34-jähriger Physiotherapeut sexuell übergriffig geworden. Wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung in der besonderen Vertrauenssituation einer medizinischen Behandlung wurde der Mann am Donnerstag von der 10. Strafkammer des Landgerichts zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

Strafmildernd, so Richter Geisler, habe sich das Geständnis des Angeklagten und seine glaubhafte Reue ausgewirkt. Die vier Frauen hatten als Zeuginnen ausgesagt. Das Geständnis des Angeklagten, der aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg kommt, hatte ihnen aber eine detaillierte Schilderung der Vorkommnisse und eine möglicherweise damit verbundene erneute Traumatisierung erspart.

Die Taten ereigneten sich zwischen Juni und August 2019 in der Praxis. Der Angeklagte hatte sich die Termine mit den vier Frauen jeweils ans Ende des Arbeitstages gelegt. Vermutlich, um Zeit für die Übergriffe zu haben, wie die Anwältin einer Nebenklägerin bemerkte.

Den Frauen war Krankengymnastik zur Linderung von Beschwerden verordnet worden. Während der Behandlung hatte der Angeklagte Methoden angewendet, die seiner sexuellen Stimulation dienten und die nicht notwendig gewesen wären. Dabei kam es zu unangemessenen Berührungen, die die Frauen zum sofortigen Abbruch der Behandlung veranlassten.

Den Straftatbestand der Vergewaltigung sah die Kammer von Richter Geisler als erfüllt an, weil es bei einer der Frauen zur Einführung des Fingers in die Scheide gekommen war. Die Frau hatte sich mit Tritten gegen den Übergriff gewehrt und sofort Strafanzeige erstattet.

Staatsanwältin Trixi Sturm hatte für die Taten eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren gefordert, die Verteidigung vergebens darauf gehofft, dass auch eine Bewährungsstrafe möglich sei.

Wegen Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall schloss sich die Kammer der Strafforderung der Anklägerin an. Der Angeklagte habe das Vertrauensverhältnis ausgenutzt. Das Eindringen sei für die Betroffene besonders erniedrigend gewesen und habe schwerwiegende Folgen für das spätere Leben gezeigt.

Die Kammer honorierte, dass der Angeklagte das dauerhafte Verbot zur Ausübung des Therapeutenberufs akzeptierte.

Neben der Haftstrafe muss der Angeklagte an zwei der Frauen Schmerzensgeld in Höhe von einmal 4000 und einmal 5000 Euro zahlen. Die Frauen, so erklärte der Richter in seiner Urteilsbegründung, litten bis heute unter den inzwischen mehr als zwei Jahre zurückliegenden schwerwiegenden Vorfällen. Außerdem muss der 34-Jährige für eventuelle Behandlungskosten der Frauen aufkommen und die Kosten des Verfahrens tragen.  (Thomas Stier)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.