Verärgerte Bürger

Volle Tonnen bleiben stehen: Beschwerden über Müllentsorgung reißen nicht ab

Einfach stehengeblieben: Die Tonne des Ehepaares Kohlhaas in Altmorschen. Der Entsorger RMG will die Reklamation aber nicht anerkennen.
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Einfach stehengeblieben: Die Tonne des Ehepaares Kohlhaas in Altmorschen. Der Entsorger RMG will die Reklamation aber nicht anerkennen.

Die Beschwerden über die mangelhafte Müllentsorgung im Schwalm-Eder-Kreis reißen nicht ab. Auch im Kreisteil Melsungen stehen viele derzeit vor einem Müllproblem.

Schwalm-Eder - Laut dem Abfallzweckverband Schwalm-Eder lagen bis Mittwochabend allein aus Melsungen, Körle, Guxhagen, Spangenberg, Felsberg, Morschen und Malsfeld 113 Reklamationen wegen nicht abgeholter Tonnen vor. Im gesamten Landkreis sind es 330 Reklamationen – der Abfallzweckverband vermutet jedoch eine hohe Dunkelziffer. Die Leistung des neuen Entsorgers sei schlecht, sagt Friedhelm Holzapfel, stellvertretender Geschäftsführer der Abfallwirtschaft. So könne es nicht weitergehen, kritisiert er die Leistung der RMG Rohstoffmanagement GmbH.

Auch betroffen sind Joachim Kohlhaas und Heike Kohlhaas-Rauch aus Altmorschen. Die Restmülltonne des Ehepaares hätte eigentlich am Montag geleert werden sollen. Als sie ihre Tonne am Nachmittag zurück in die Garage stellen wollten, stellten sie allersings fest, dass die Tonne gar nicht geleert worden war. Das Ehepaar habe direkt die Firma RMG, die für die Müllentsorgung im Kreis zuständig ist, angerufen und sich beschwert. Auch viele andere Bürger haben sich über die mangelhafte Müllentsorgung in Schwalm-Eder-Kreis beschwert. 

Reklamationen abgelehnt: Müllentsorgung im Schwalm-Eder-Kreis ist großes Ärgernis

Die Antwort der Firma habe sie verärgert, sagen Joachim Kohlhaas und Heike Kohlhaas-Rauch. Zunächst seien sie gefragt worden, ob sie ihre Tonne überhaupt rechtzeitig rausgestellt hätten. Darauf hätten sie geantwortet, dass sie ihre Tonne seit Jahren bereits am Vorabend des Abholtages ordnungsgemäß an den Straßenrand stellen. Nachdem dies geklärt gewesen sei, habe die Firma den Eheleuten erklärt, dass ihre Reklamation nicht anerkannt werden könne, da die restlichen Tonnen aus der Straße schließlich geleert worden seien. „Die Erklärung ist doch ein Witz“, ärgert sich Heike Kohlhaas-Rauch.

Da der Anruf nicht weitergeholfen habe, habe das Ehepaar zusätzlich eine E-Mail an den Abfallzweckverband geschrieben. Die Antwort darauf sei einen Tag später gekommen: das Anliegen sei aufgenommen worden und es werde sich schnellstmöglich um eine nachträgliche Leerung der Tonne gekümmert. Die Eheleute Kohlhaas sind nun gespannt, wann und ob die nachträgliche Leerung tatsächlich stattfindet. Sie werden ihre Tonne abholbereit am Straßenrand stehen lassen. Mit der Firma Fehr, die vorher für die Abfuhr zuständig war, habe es fast nie Probleme gegeben.

Lösung für mangelhafte Müllentsorgung im Schwalm-Eder-Kreis: Mehrere Wochen Vorlauf

„Wir drehen die Daumenschrauben an“, sagt Holzapfel. Jedoch sei man derzeit in einer sehr unglücklichen Lage und auf die Leistungen der Firma RMG angewiesen. Denn eine neue Entsorgungsfirma zu beauftragen, ginge nicht von heute auf morgen, „ein solches Unternehmen braucht mindestens drei Wochen Vorlauf“, sagt Holzapfel. Der Abfallzweckverband werte derzeit aus, ob die Anzahl der Beschwerden abnehme oder gar weiter zunehme. Dadurch habe man etwas in der Hand. Man versuche alles, um den Beschwerden nachzukommen und diese sukzessive abzubauen.

Im Notfall müssten dann kleinere Containerdienste beauftragt werden, um stellenweise nachzubessern. Seit Montag dieser Woche erhalte der Zweckverband am Tagesende die Listen der offenen Reklamationen. „Was wir aber feststellen ist, dass immer wieder „kleine“ Wunder geschehen“, sagt Holzapfel. Betroffene berichteten nämlich auch, dass Reklamationen erledigt würden. „Vielleicht geht es voran, wenn auch langsam.“

Faire Chance auf Nachbesserung beim Müllentsorger: „Stecken in einem Dilemma“

Man habe die Probleme immer drauf geschoben, dass die Mitarbeiter von RMG eine Eingewöhnungszeit benötigten, um sich auch örtlich zurechtzufinden, „aber diese Zeit endet mit diesem Monat. Dann ist die faire Chance auf Nachbesserung verstrichen“, sagt Holzapfel. Jedoch müsse man auch sehen, dass die Entsorgung in 90 Prozent der Fälle klappe. Und das sei derzeit die bessere Lösung, als am Ende ganz ohne Entsorgungsunternehmen dazustehen, sagt Holzapfel. „Wir stecken wirklich in einem Dilemma.“ Ob RMG weiter für die Müllentsorgung zuständig bleiben wird, ist ohnehin offen.

Denn derzeit befindet sich das Vergabeverfahren zur Nachprüfung vor der Hessischen Vergabekammer. Erst am 18. August fällt die Entscheidung, ob RMG oder gar ein anderer Entsorger künftig zuständig sein wird. RMG erfüllt derzeit nur einen Interimsauftrag. (Jasmin Herzberg und Carolin Hartung)

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