60.000 Produkte verfügbar

Bei Edeka Hessenring in Melsungen lagern die Vorräte für das Herz der Republik

Fertig gepackt: Dieser Wagen wird an einen Edeka-Markt in Beverungen (Landkreis Höxter) geliefert. Edeka Hessenring beliefert rund 500 Märkte, die zumeist von selbstständigen Kaufleuten geführt werden.
+
Fertig gepackt: Dieser Wagen wird an einen Edeka-Markt in Beverungen (Landkreis Höxter) geliefert. Edeka Hessenring beliefert rund 500 Märkte, die zumeist von selbstständigen Kaufleuten geführt werden.

In Melsungen steht das große Zentrallager der Edeka Handelsgesellschaft Hessenring. Dort lagern Vorräte für Hundertausende Menschen in der Mitte Deutschlands. Wir haben uns dort mit dem Chef umgesehen.

Wer von der Autobahn 7 abfährt und das Zentrallager von Edeka Hessenring bei Melsungen ansteuert, der kann sie nicht übersehen: weiße Lastwagen mit blau-gelbem Schriftzug. Folgt man ihrem Strom, führen sie einen zum Hunderttausende Quadratmeter großen Zentrallager der regionalen Edeka-Handelsgesellschaft, die über 500 Supermärkte und Großhändler in fünf Bundesländern beliefert.

Über eine kleine Brücke kommt man auf das Gelände. Viele Schilder am Pförtnerhäuschen sind mehrsprachig, damit sich auch ausländische Lkw-Fahrer orientieren können. „Über diese kleine Brücke fahren jeden Tag 800 Lastwagen“, sagt Hans-Richard Schneeweiß, Sprecher der Geschäftsführung der Edeka-Handelsgesellschaft Hessenring. Sein Büro ist im dritten Stock, genau oberhalb der kleinen Brücke, mit Blick über das riesige Gelände. Von hier oben bekommt man eine Idee, wie groß der Hessenring-Hauptsitz in Melsungen ist.

Der Standort besteht aus vier Gebäuden. Weitere Standorte sind in Großenbuseck bei Gießen und in Straußfurth bei Erfurt. Am Standort in Melsungen arbeiten rund 1300 von insgesamt 8200 Mitarbeitern. In Melsungen gibt es ein Lager für frisches Obst und Gemüse, eines für das sogenannte Trockensortiment – von Shampoo über Haribo bis zu Nudeln –, eine Produktion von Fleisch und Wurst, ein Tiefkühllager und ein Getränkelager mit der wohl größten Leergut-Annahmestelle der Region. Insgesamt lagern hier über 60 000 Produkte.

Mittags gibt es bei Edeka Hessenring kalorienreiche Mahlzeiten

„Ich muss nicht alle Details kennen, dafür habe ich mein Team“, sagt Schneeweiß auf die Frage, wie er den Überblick behält. „Ich habe das Gefühl, dass der Laden für mich noch beherrschbar ist.“ Damit das so bleibt, versuche er, sich möglichst oft mit Beschäftigen auszutauschen – am besten in der Kantine, in der jeden Mittag kalorienreiche Mahlzeiten angeboten werden. „Wir sind ein analoges Unternehmen: Hier muss noch richtig was bewegt werden, das kostet Energie“, sagt Schneeweiß. Heute gibt es Nudeln mit Fleischbällchen. Der Chef grüßt alle Mitarbeiter in lockerem Ton und hält, wenn möglich, kurz für ein Gespräch an – selbst im Tiefkühllager, bei minus 22 Grad nimmt er sich die Zeit.

Bevor es in die überdimensionale Tiefkühltruhe geht, heißt es erst mal: einpacken, und zwar sich selbst. Nur mit extra dicken Jacken und Handschuhen geht es rein in die Kältekammer. Die Luft ist beißend kalt und absolut trocken. „Feuchtigkeit ist hier der schlimmste Feind“, sagt ein dick eingepackter Mitarbeiter im Vorbeigehen. Die würde sich in Form von Eiskristallen an der Decke in über 10 Meter Höhe sammeln. Die einzigen Eiskristalle finden sich an Jacken, Mützen und Bärten der Lagerarbeiter, dort kondensiert ihre Atemluft. Alle 50 Minuten ist eine Pause angesagt, „aber man gewöhnt sich an die Kälte. Bewegung hilft“, sagt der Mitarbeiter. „Im Sommer ist es hart, da kann der Temperaturunterschied schon mal auf den Kreislauf gehen“, sagt er und eilt weiter.

Dick eingepackt: Hessenring-Geschäftsführer Hans-Richard Schneeweiß im Tiefkühllager.

Im Trockenlager ist es wärmer und deutlich wuseliger. Gabelstapler düsen durch die Gänge, als Fußgänger muss man aufpassen, nicht im Weg zu stehen. Die Regale sind chaotisch organisiert – eine bekannte Lagerform in der Logistik: Zwischen Waschmittel und Aufbackbrötchen stapeln sich Dosen mit Heringsfilets. Die Kommissionierer packen Wagen für die Auslieferung, die größeren Stapler sorgen für Nachschub aus der Reserve. Ausgeliefert wird fast rund um die Uhr, auch je nach Produktart und Frischegrad. „Statistisch gesehen werden mehr als eine Million Menschen im Hessenring-Gebiet von uns versorgt“, rechnet Schneeweiß vor.

„Ohne Nachschub wäre hier in drei Wochen alles leer“, sagt der Chef. 17 Mal im Jahr wird der komplette Lagerbestand ausgetauscht. „Es ist schon Wahnsinn: Wir haben rund 60 Sorten haltbare Milch.“ Die Produkte kommen aus aller Welt und werden gemeinschaftlich im Edeka-Verbund (siehe Hintergrund) eingekauft. Über Ladenpreise entscheiden die Edeka-Kaufleute vor Ort selbst, außerdem können sie zusätzlich lokale Produkte wie Bier, Honig oder Brot mit in ihr Sortiment aufnehmen.

Letzte Station im Zentrallager Melsungen: Von hier liefern die rund 60 Lastwagen des Fuhrparks beinahe rund um die Uhr Waren an die Märkte aus.

Schwerstarbeit wird in der Leergut-Halle geleistet. Hier kommen nicht nur Massen leerer Getränkekisten an, sondern auch Kisten für Obst, Gemüse und Fleisch, Isolationscontainer für Tiefkühl-Ware, und Papiermüll – jeder Lkw, der Märkte beliefert, bringt wieder etwas zurück. „Wer hier arbeitet, geht durch eine Charakterschmiede. Das ist wirklich harte Arbeit“ sagt Schneeweiß. (Von Gregory Dauber)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.