Wenn aus oui ja wird: Melsunger Arbeitsgruppe sucht Lehrer für Flüchtlinge

Gemeinsam Deutsch lernen: Flüchtlinge und ihre ehrenamtlichen Lehrer im Hinterhof von Harnings Mühle in Melsungen. Foto:  Pflug

Melsungen. „Zwei Stunden ist nicht genug. Wir würden gerne mehr lernen", sagt Helen Tsegay.

Tsegay ist eine der Asylsuchenden, die mit Hilfe der Arbeitsgemeinschaft Sprachförderung Deutsch lernen. Die Mitglieder dieser Initiative suchen momentan Verstärkung. Bei einem Treffen am 27. Mai wollen die ehrenamtlichen Lehrer über ihre Arbeit informieren.

Die Initiative bietet den Lernenden in Gruppen von maximal vier Schülern, die Möglichkeit, ihr Deutsch zu verbessern. Der Unterricht findet in der Regel ein- oder zweimal in der Woche vormittags in Harnings Mühle statt.

Die Kleingruppen ergänzen dabei einen weiteren Deutschkurs der vhs, den Karin Wegehaupt leitet. Sie unterrichtet eine größere Gruppe einmal die Woche. Es mache sehr viel Spaß, Menschen zu unterrichten, die so gerne lernen wollen, erklärt sie. Aber auch: „Ich bin so froh über die Unterstützung“. Ein Grund dafür ist der unterschiedliche Kenntnisstand der Schüler. In den Kleingruppen kann individueller auf die Bedürfnisse der Lernenden eingegangen werden. Das sei einer großer Vorteil der AG, sind sich Karin Muche und Dr. Matthias Bohn einig, die zu den Initiatoren gehören.

Die beiden Schulleiter sind von der Arbeitsgruppe Asyl und Integration der Stadt Melsungen angesprochen worden und haben daraufhin ehemalige Kollegen kontaktiert. Diese sammeln seit Anfang März Erfahrungen. Zu ihnen gehört auch Marlene Schanze, die mit Helen Tsegay und Almaz Mahri Deutsch lernt. „Große Schwierigkeiten macht die Aussprache“, erklärt sie. Aber auch kulturellen Austausch findet Schanze wichtig. Sie hat ihre Schülerinnen auch schon Zuhause besucht und ihre Gastfreundschaft genossen. Inge-Katrin Seidel besucht ihre Schülerin sogar regelmäßig zu Hause. „Ich falle ein bisschen aus dem Raster“, erklärt sie, „bei mir ist es eher eine Familienbetreuung.“ Nachdem es ihr gelungen sei, eine Beziehung zu ihrer Schülerin aufzubauen, sei diese aufgetaut. Es zeigte sich, dass sie bereits recht gut Deutsch spricht. In solchen Fällen können die Lehrer ihren Schüler auch helfen, sich etwa im deutschen Bürokratiedschungel zurechtzufinden.

Nicht alle der Freiwilligen sind pensionierte Lehrer. Dorothea Junginger etwa. Sie spricht arabisch und unterrichtet zwei Männer aus Syrien. „Ich weiß, wie es ist, wenn man sich in eine andere Sprachfamilie mit einer ganz anderen Schrift einarbeiten muss.“ In ihrer Gruppe ist daher nicht nur das unterschiedliche Lernniveau ein Problem, sondern da wird aus „in“ auch einmal ein „ni“, weil im arabischen von rechts nach links gelesen wird. Junginger erklärt aber auch, dass ihre Schüler schnell Fortschritte machen, weil sie motiviert und lernwillig sind. Etwas, das auch alle anderen Ehrenamtlichen wieder betonen. „Es ist ja nicht nur ein Geben, man bekommt soviel zurück“, erklärt Marlene Schanze.

Treffen: Mittwoch, 27. Mai, ab 18 Uhr, im Familienbüro am Huberg 4 in Melsungen.

Informationen: Theresa Adenekan und Heiko Bamberger, Integrationsstelle, Tel. 0 56 61/ 9 26 19 36.

Von Michaela Pflug 

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