Corona-Pandemie 

Wieder ein Stück Freiheit: So kehren die Menschen in Felsbergs Partnerstadt  zur Normalität zurück

In einer Serie stellen wir die Situation in Felsbergs ausländischen Partnerstädten und -gemeinden in der Coronakrise vor. Heute: Vernouillet in Frankreich.

Felsberg/Vernouillet – Liberté, Égalité, Fraternité (Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit) – die Errungenschaften der Französischen Revolution sind für die Menschen in unserem Nachbarland noch heute das höchste Gut. Doch gerade in ihrer Freiheit waren sie zuletzt massiv eingeschränkt. Wegen der Pandemie durften sie bis zuletzt nicht mehr ihre Häuser verlassen. Denn Frankreich gehört zu den am härtesten betroffenen Ländern in Europa. Etwa 30 000 Menschen starben infolge der Virus-Erkrankung. Das Land ist in orangene und grüne Zonen aufgeteilt. Zuletzt gab es noch rote Zonen, in denen der Anteil von Menschen mit einer Covid-19-Infektion am höchsten war. Die Region um Paris gehörte zur roten Zone.

Felsbergs Partnerstadt Vernouillet liegt mittlerweile in einer orangenen Zone, die Stadt ist eine knappe Autostunde von Paris entfernt. Etwa 130 Menschen starben in der Region Eure et Loir. Seit Mitte März hat es einen Lockdown in Frankreich gegeben. „Mit der Schließung von Kinderkrippen, Schulen, Colleges, Gymnasien und Universitäten hat es angefangen“, berichtet Marielle Cabart, die ehemalige Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins in Frankreich. Danach wurden alle nicht unentbehrlichen öffentlichen Einrichtungen wie Parks, Bars und Restaurants geschlossen. Einige Restaurants haben einen Mitnahmeservice eingerichtet, sagt sie. Seit 16. März waren die Franzosen dann eingesperrt. „Es war verboten, das Haus zu verlassen, außer zum Einkaufen, zum Arzt oder zu einer anderen Notaufnahme. Sport war eine Stunde am Tag erlaubt, nur einen Kilometer von zu Hause entfernt. Für jeden Ausgang war eine Bescheinigung erforderlich, die die Polizei überprüfen konnte“, berichtete Cabart.

Von Beginn an habe es ein Problem mit der Ausstattung von Mund-Nasen-Masken, den Tests und der Ausrüstung für die Krankenhäuser gegeben. „Es gab einfach nicht genug“, sagt sie. Etwa zwei Monate später – Mitte Mai – wurden die Beschränkungen nach und nach aufgehoben: „Es war wieder möglich, ohne Bescheinigung, aber weniger als 100 Kilometer vom Ort der Einschließung, also dem eigenen Wohnhaus, entfernt, hinauszugehen“, sagt sie. Geschäfte wurden geöffnet, Bars, Kinos blieben geschlossen. Auch der Schulbetrieb wurde nach und nach wieder aufgenommen – allerdings mit maximal zehn Schülern pro Klasse. „Und es war wieder möglich, sich mit Familie und Freuden zu treffen“, berichtet sie. Seit Anfang Juni haben wieder Bars und Restaurants geöffnet. „Allerdings nicht in Paris, wo die Pandemie noch massiv grassiert.“ Die Universitäten werden erst im September wieder eröffnet.

In Vernouillet fand am 15. März die erste Runde der Kommunalwahlen statt. „Es gab aber keine Sieger, deshalb braucht es eine zweite Runde, die am 28. Juni stattfindet“, sagt sie.

Die Stadt habe Masken an alle Bewohner von Vernouillet verteilt. „Die älteren Menschen wurden regelmäßig telefonisch kontaktiert, um sich zu vergewissern, dass es ihnen gut geht, und es wurde ein solidarischer Lieferdienst eingerichtet“, schildert sie die Situation während des Lockdowns.

Zusätzlich zu dem nationalen Programm hat die Stadtverwaltung ein lokales System zur Begrenzung der sozialen und wirtschaftlichen Krise eingerichtet. Da die aktuellen Zahlen der Infizierten immer weiter sinken, hofft man in Vernouillet allmählich auf Normalität. „Und dass wir ein Stück unserer Freiheit wieder bekommen.“

Austausch

„Jährlich veranstalten wir Busfahrten nach Vernouillet beziehungsweise aus Vernouillet nach Felsberg“, sagt Ulrich Brandenstein, Felsbergs Städtepartnerschaftsbeauftragter.

„Wie in allen Vereinen hat aber auch der Partnerschaftsverein mit einer gewissen Überalterung zu leben, der Austausch untereinander ist sehr reduziert“, sagt Brandenstein. Umso bedauerlicher sei es, dass in diesem Jahr kein Austausch über das lange Himmelfahrtswochenende stattfinden konnte wegen der Pandemie, so Brandenstein. Denn: „30 Musiker des Blasorchesters Brunslar wollten in diesem Jahr mitfahren – den überwiegenden Teil der Musiker kann man durchaus als jung bezeichnen“, sagt er. Sie seien zwischen zwölf und 40 Jahren alt.

Das Blasorchester sei schon in vergangenen Jahren mit nach Vernouillet gereist. Oft seien dadurch auch neue Bekanntschaften in den Partnerstädten entstanden. „Die Freunde in Vernouillet hatten Kontakte zur dortigen Musikschule geknüpft. Vor Ort waren eigentlich auch ein Besuch der Neuen Oper am Place de La Bastille geplant – das alles ist nun abgesagt.“ Ob und wann die Fahrt nachgeholt werden kann, ist unklar.

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