Ein Zuhause für Flüchtlinge: Ursula Knieß will Wohnung in Gensungen vermieten

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Rein in die gute Stube: Ursula Knieß freut sich auf ihre neuen Mieter – sie möchte Flüchtlingen ein Zuhause geben.

Schwalm-Eder. Privater Wohnraum für Flüchtlinge wird auch im Schwalm-Eder-Kreis dringend gesucht. Wir erklären an einem Beispiel in Gensungen, wie die Vermietung an Flüchtlinge funktioniert.

73 Quadratmeter, aufgeteilt in zwei Zimmer, eine Küche und ein Bad: Das Obergeschoss der Gensungerin Ursula Knieß bewohnte einst ihre Schwägerin. Nun steht es leer und soll ein neues Zuhause für Flüchtlinge aus der Region werden.

„Ich möchte gerne helfen“, sagt Knieß, „und außerdem haben wir Platz genug.“ Seit über einem Jahr verfolge sie bereits die Diskussionen über den Umgang mit den Geflohenen, berichtet die 75-Jährige, „da hat sich bei mir der Vorsatz entwickelt, jemanden aufzunehmen.“ Als die letzten Mieter kürzlich auszogen, bot die Gensungerin die Räume dem Landkreis an.

50 Angebote liegen vor

Ursula Knieß ist damit nicht alleine: Aktuell liegen der Kreisverwaltung rund 50 Angebote von Privatleuten vor, die an Flüchtlinge vermieten wollen. „Meist handelt es sich dabei um eigenständige Wohnungen oder ganze Wohnhäuser“, sagt Dieter Werkmeister, Leiter der Pressestelle.

Doch egal, ob es sich um ein Zimmer oder ein ganzes Haus handelt: Will jemand im Schwalm-Eder-Kreis Flüchtlinge privat unterbringen, führt der Weg über die Kreisverwaltung. Die besichtige die angebotene Wohnung - und entscheide dann, ob sie sich für die Unterbringung eignet.

Miete unterliegt Grenzwerten

„Die Wohnung muss in einem guten Zustand sein und wir achten darauf, dass jeder ausreichend Platz hat“, so Werkmeister. Wie viel das sein soll, ist in Hessen derzeit nicht gesetzlich geregelt, Werkmeister sieht sieben Quadratmeter pro Person jedoch als Minimum an. Zudem müsse die Miete passen. Die übernimmt der Landkreis, ebenso wie die Nebenkosten bis zu einem bestimmten Grenzwert. Wie viel das höchstens sein darf, hängt von der Kommune ab, es gelten jedoch dieselben Regeln wie für Hartz IV-Empfänger.

Ist die Wohnung nicht möbliert, bezahlt der Landkreis auch die Einrichtung. Bei Ursula Knieß ist das nicht vonnöten: Ihr Obergeschoss ist voll ausgestattet, nun wartet sie darauf, dass Flüchtlinge bei ihr einziehen. „Am liebsten wäre mir eine Familie“, verrät sie. Wenn möglich, berücksichtige man solche Wünsche, sagt Werkmeister. Eine Garantie gebe es aber nicht.

Sorgen macht sich die 75-Jährige deshalb keine. „Wir werden nicht alleine gelassen. Man kriegt ja nicht einfach jemanden vor die Tür gestellt“, sagt sie.

Stattdessen will sie andere ermutigen, dasselbe zu tun: „Es gibt hier im Ort einige, die sich schwer tun mit dem Gedanken, jemanden aufzunehmen. Wenn die sehen, dass es bei uns klappt, bringt das vielleicht auch etwas in Gang.“

Wer im Schwalm-Eder-Kreis eine Wohnung oder ein Zimmer an Flüchtlinge vermieten will, kann sich an die Betreuungsstelle der Kreisverwaltung wenden. Diese begutachtet die Wohnung und vermittelt die künftigen Mieter. Ebenso übernimmt sie die Mietkosten. Finden Flüchtling und Vermieter zueinander, wird ein privatrechtlicher Mietvertrag geschlossen, wie bei anderen Mietverhältnissen auch. Vor allem eigenständige Wohnungen eignen sich, im besten Fall in der Nähe des Ortszentrums, da die meisten Flüchtlinge kein Auto haben. Bei Fragen steht die Betreuungsstelle zur Verfügung.


• Kontakt: Heidrun Hartwig in der Betreuungsstelle der Kreisverwaltung, Tel. 05681/775280

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