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Zwei Sanitäter berichten über schweren Unfall bei Rhünda

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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Sie saßen beim Unfall in Rhünda im August im Rettungswagen: Andrea Breiding und Leon Grehling vom DRK in Homberg fuhren mit ihrem Rettungswagen in einen Lkw. Sie gingen unterschiedlich mit dem Schock um.
Sie saßen beim Unfall in Rhünda im August im Rettungswagen: Andrea Breiding und Leon Grehling vom DRK in Homberg fuhren mit ihrem Rettungswagen in einen Lkw. Sie gingen unterschiedlich mit dem Schock um. © William Abu El-Qumssan

Im August 2022 waren zwei Notfallsanitäter in einen Unfall mit einem Lkw verwickelt. Ihr Rettungswagen brannte komplett aus. So geht es ihnen heute.

Rhünda/Homberg – So ein Ereignis brennt sich ein, da sind sich Andrea Breiding und Leon Grehling einig. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn an die Flammen bei dem Unfall bei Rhünda am 18. August, in den die beiden Mitarbeiter des DRK verwickelt waren, werden sie sich noch lange Zeit erinnern.

Die 23-Jährige ist im dritten Lehrjahr zur Notafallsanitäterin, ihr 25 Jahre alter Kollege ist seit 2019 Notfallsanitäter. Gemeinsam waren sie an dem Tag gegen 14 Uhr auf dem Weg von der DRK-Wache Homberg in Richtung Gensungen zu einem Notfall.

Auf der B 253 waren sie unterwegs, „so um die 80 Kilometer pro Stunde sind wir gefahren“, sagt Breiding. Sie saß am Steuer, als der Unfall an der Kreuzung Richtung Rhünda passierte.

Unfall bei Rhünda: Erinnerungen sind schwammig

Die Erinnerungen an den Moment des Zusammenstoßes mit Lastwagen sind bei beiden schwammig. „Leon hat noch etwas gerufen“, sagt Breiding. Was, das wissen beide nicht mehr. Der Lkw war bereits am Abbiegen auf die Bundesstraße.

„Dann habe ich volle Kanne gebremst.“ Doch die 23-Jährige konnte den Aufprall nicht mehr verhindern. „Ich weiß noch, dass ich mich am Griff festgehalten habe“, sagt Grehling. Außerdem erinnert er sich, dass die Straße nass war, und deshalb der Bremsweg länger.

„Dann wurde es warm an den Beinen“, beschreibt Breiding das erste Gefühl, woran sie sich nach dem Aufprall erinnern kann. Der Rettungswagen war mit der linken Seite direkt in den Tank des Lkw eingeschlagen. „Mit dem Aufprall hat das Fahrzeug gleich angefangen zu brennen“, sagt Breiding.

Unfall bei Rhünda: Fahrzeuge brannten rasend schnell

Dann kam trotz der sehr ernsten Lage ein Moment, über den die beiden vier Monate nach dem Unfall lachen können. Der 25-Jährige war sogleich aus dem Rettungswagen ausgestiegen, um nach dem Lkw-Fahrer zu sehen. Was er nicht wusste: Seine Kollegin kam auf ihrer Seite nicht aus dem Fahrzeug. „Und da hat mir Leon knallhart seine Tür vor der Nase zugeschlagen“, berichtet die Auszubildende und lacht.

Weder die 23-jährige Hombergerin noch ihr Kollege aus Großropperhausen hatten schwere Verletzungen davon getragen. Und auch der Lkw-Fahrer war selbstständig aus seinem Fahrzeug gestiegen. Grehling hatte auch sogleich einen Notruf abgesetzt. Sowohl für ihren Unfall, als auch für den Notfall in Gensungen. Grehling und Breiding entfernten sich von dem Unfallort und beobachteten aus sicherer Entfernung, wie die beiden Fahrzeuge in rasender Schnelle ausbrannten.

Nur noch Metallreste: Viel blieb von dem Rettungswagen nicht übrig.
Nur noch Metallreste: Viel blieb von dem Rettungswagen nicht übrig. © Helmut Wenderoth

Beim Warten auf Hilfe erlebten die beiden Sanitäter einen Perspektivwechsel: „Uns sagen Patienten häufig, dass ihnen die Minuten wie Stunden vor kamen, bis wir endlich da waren. Das kann ich jetzt nochmal besser verstehen“, sagt Grehling.

Als die Einsatzkräfte ankamen, ergab sich ein erneuter Fall von Situationskomik. „Ein Kollege fragte uns nach einigen Minuten, was wir denn eigentlich dort machen würden“, sagt Grehling. „Er war komplett fassungslos, als wir ihm erzählten, dass der eine Klumpen Metall dort auf der Straße mal unser RTW war.“

Nach Unfall bei Rhünda: Sanitäter arbeiten am nächsten Tag wieder

Trotz Prellungen und Schmerzen im Hals-Nacken-Bereich gingen beide am nächsten Tag wieder an die Arbeit. „Für mich hieß es gleich am nächsten Tag: Frühdienst“, sagt Breiding. Ihr erster Einsatz war gleich wieder eine Alarmfahrt. „An jeder Kreuzung hatte ich Angst, ich war bestimmt keine gute Beifahrerin“, sagt sie.

Grehling arbeitete die drei Nächte nach dem Unfall im Spätdienst, musste sich dann allerdings eingestehen, dass das sowohl körperlich als auch vom Kopf her keinen Sinn ergibt. Für knapp zwei Wochen ließ er sich krankschreiben. „Mittlerweile geht es wieder“, sagt er. „Wenn ich privat Auto fahre, merke ich aber schon, dass ich hin und wieder den Fuß vom Gas nehme und sehr vorsichtig bin.“

Auch bei Breiding ist der Unfall noch nicht aus dem Sinn. Plötzlich sehe sie an fast jeder Ecke einen Muldenkipper, jene Sorte Lkw, mit der sie kollidiert war. Sie arbeitete nach dem Unfall noch einige Tage weiter und setzte sich auch wieder hinters Steuer eines Rettungswagens.

Die Unfallstelle besuchten beide unabhängig voneinander wieder. „Die Brandschäden auf dem Asphalt zu sehen, das war schon krass“, sagt Grehling. Die 23-Jährige hat das Ganze nicht von ihrem Berufswunsch abgebracht. „Es hat mich nur bestärkt darin, dass der Job der richtige für mich ist.“ (William Abu El-Qumssan)

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