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Corona: im Landkreis Northeim 2000 Infektionen in einer Woche

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Von: Kathrin Plikat

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Aktuell gibt es in mehreren Alten- und Pflegeeinrichtungen im Landkreis Northeim Corona-Ausbrüche (Symbolbild).
Aktuell gibt es in mehreren Alten- und Pflegeeinrichtungen im Landkreis Northeim Corona-Ausbrüche (Symbolbild). © Tom Weller/dpa

Nahezu explodierende Infektionszahlen, Corona-Ausbrüche in mehreren Alten- und Pflegeheimen: So stellt sich aktuell die Corona-Lage im Landkreis Northeim dar. Am Mittwoch meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) für das Kreisgebiet eine 7-Tage-Inzidenz von 1580,8 mit gut 2000 Neuinfektionen innerhalb einer Woche.

Northeim – Damit ist der Kreis Northeim weiter der Landkreis mit den höchsten Werten in ganz Niedersachsen. Doch wo liegen die Ursachen für die zurzeit extrem steigenden Zahlen?

Auf HNA-Anfrage betonte eine Sprecherin der Kreisverwaltung, dass konkrete Einzelveranstaltungen, die den Anstieg der Fallzahlen bewirkt haben könnten, aktuell nicht auszumachen seien. Das Virus verbreite sich flächendeckend. Für die meisten Veranstaltungen seien keinerlei Hygienemaßnahmen mehr vorgeschrieben, sodass in diesen Tagen überall die Zahlen steigen: „Fachleute haben genau dies seit Monaten vorausgesagt, und der Landkreis Northeim wird davon nicht ausgenommen sein“, heißt es weiter.

Dr. Regina Pabst, Leiterin der Gesundheitsdienste in der Kreisverwaltung.
Dr. Regina Pabst, Leiterin der Gesundheitsdienste in der Kreisverwaltung. © Hubert Jelinek

Neben der Auffrischung des Impfschutzes rät die Leiterin der Gesundheitsdienste, Dr. Regina Pabst, dazu, FFP2-Masken zu tragen. Und: „Die Menschen sind gefordert, sich eigenverantwortlich um ihre Gesundheit zu kümmern. In den meisten Bereichen entscheidet jeder selbst, welche Risiken man eingehen möchte“, so Dr. Pabst.

Angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen betont sie: „Mehr als je zuvor im Verlauf der Pandemie repräsentieren die offiziellen Zahlen sicher nicht die tatsächlichen Infektionszahlen, denn noch immer fließen hier nur die positiven PCR-Testergebnisse ein.“ Daher sei die „Dunkelziffer“, also die Zahl der tatsächlichen Infektionen, mit Sicherheit viel höher.

Für viele Menschen gebe es nach ihren Worten gar keine Motivation mehr, nach einem positiven Schnelltest noch einen PCR-Test machen zu lassen, weil in den meisten Fällen „davon nichts mehr abhängt“. Eine Krankschreibung gebe es auch ohne PCR-Test, und bei Erkältungssymptomen sei dafür keine persönliche Vorstellung beim Hausarzt mehr notwendig.

Ob die inzwischen wieder überall stattfindenden Feste oder auch Sportveranstaltungen in Sporthallen ein Grund für den Anstieg sind, vermag der Landkreis Northeim nicht zu sagen. Aktuell, so heißt es auf HNA-Anfrage, verbreite sich das Virus im Kreisgebiet nicht punktuell, sondern flächendeckend.

In jedem Fall bestehe überall dort, wo sich mehrere Personen in Innenräumen treffen, ein wesentliches Infektionsrisiko, betont Dr. Regina Pabst, Leiterin der Gesundheitsdienste beim Landkreis Northeim.

Dieses Risiko sei umso höher, je mehr Menschen sich treffen, je schlechter belüftet die Innenräume sind und je länger sich die Menschen dort aufhalten. Auch beim Sport oder durch lautes Singen oder Sprechen steige das Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren.

Deshalb rate Dr. Pabst dringend dazu, den Immunschutz überprüfen zu lassen. Ein guter Schutz sei dann vorhanden, wenn man mindestens dreimal „Kontakt“ mit Covid-19 bestand, wobei nach ihren Worten sowohl die Infektion als auch die Impfung als Kontakt gelte. Neben der Auffrischungsimpfung empfiehlt sie, in Bereichen mit erhöhtem Infektionsrisiko, also dort, wo in geschlossenen Räumen mehrere Menschen aufeinandertreffen, eine gut sitzende FFP2-Maske zu tragen.

In den niedersächsischen Krankenhäusern werden aktuell täglich mehr Patienten mit einer Corona-Infektion aufgenommen, hieß es am Dienstag in einer Stellungnahme der Landesregierung. So sei die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz seit Ende September von 9,4 auf 14,7 pro 100 000 Einwohner gestiegen.

„Die Herbstwelle ist in vollem Gange. Auch wenn wir derzeit noch ein Stück weit von der Warnstufe 1 entfernt sind, nehmen wir die aktuelle Entwicklung ausgesprochen ernst. Wenn wir aufgrund der Zahlen aus den Krankenhäusern in die Warnstufe 1 gehen müssen, wird vor allem die Maske in Innenräumen das angemessene Mittel sein“, heißt es weiter.

Laut der aktuellen Daten des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes und des RKI ist das Durchschnittsalter bei den Neuinfektionen auf 48 Jahre gesunken.  (Kathrin Plikat)

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