2400 junge Aale für die Leine

Jungaale werden nach dem Wiegen zum Aussetzen in Bottiche umgefüllt.Von links Jannek Rogge, Christian Lohrengel, Matthias Litmeyer und Biologe Ralf Gerken. Foto:  Niesen

Northeim. Angler aus Südniedersachsen haben über Pfingsten kiloweise Jungaale in Leine, Oder, Oderparksee sowie den Rhumezuflüssen Hahle und Suhle im Eichsfeld ausgesetzt.

Insgesamt beteiligen sich an der niedersachsenweiten Aktion rund 120 Angelvereine, bei der rund eine Million Jungfische in die Gewässer entlassen wurden.

„Seit Jahrzehnten bemühen sich Angler und Berufsfischer in Niedersachsen, die Bestände des Aals durch den Besatz mit Jungaalen zu stützen, damit zumindest einige Elterntiere die Wanderungen in Richtung Sargassosee schaffen und dort für Nachwuchs sorgen können“, erläutert Ralf Gerken, Biologe beim Landessportfischerverband Niedersachsen in Hannover.

Übergabestation für die beteiligten Angler- und Fischerereivereine war auf dem Northeimer Autohof. Dort machte Gerken mit einem Speziallaster Station. Dann ging alles ganz schnell. Aale wurden mit Wasser in Wannen gespült, gewogen und an die Vereinsvertreter übergeben. „Wir setzen 6,5 Kilogramm aus. Das sind rund 2400 Tiere“, sagte der Vorsitzende des Fischereiverein Salzderhelden/Vogelbeck, Lars Hühne, der sich, kaum hatte er die Jungaale in Empfang genommen, in Richtung Leine aufmachte, um sie in die Freiheit zu entlassen.

Die Angler machen sich große Sorgen um den Erhalt des Fischs. „Der Aal gehört zu den am stärksten bedrohten Tierarten in Deutschland und Europa“, sagt Biologe Gerken. Und er gehört zu den faszinierendsten: Aale unternehmen eine der spektakulärsten Wanderungen aller Süßwasserfische. Ausgewachsene Tiere von bis zu 1,5 Meter Größe ziehen aus Niedersachsens Flüssen in die Nordsee und weiter bis in die 4500 Kilometer entfernte Sargassosee östlich der Bahamas im Atlantik. Dort pflanzen sie sich fort und sterben. Der Golfstrom befördert die winzigen Aal-Larven dann auf einer wochenlangen Odyssee zurück in die Mündungsgebiete der großen Flüsse. Hier wachsen sie heran, schwimmen flussaufwärts, werden nach vielen Jahren geschlechtsreif - und die große Wanderung wiederholt sich aufs Neue.

Doch das ist vorbei, sagt Gerken: „Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts machen Hunderte kleinere und größere Querverbauungen die natürliche Wanderung des Aals in unseren Flüssen nahezu unmöglich. Sie sind einer der Gründe, warum die Populationen von Jungaalen in Europa um bis zu 90 Prozent eingebrochen ist.“

Viele Wasserkraftanlagen seien zwar mit Fischwanderhilfen ausgestattet, davon funktionierten aber nur erschreckend wenige. Nachzüchtungen sind bislang nicht gelungen. Zurückkehrende Jungaale werden in der Nordsee gefangen, aufgepäppelt und in den Flüssen wie jetzt an der Leine ausgesetzt. (zhp)

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