Schäden so groß wie nie zuvor

50 Hektar Fläche geschädigt: Wildgänse im Leinepolder werden zum Problem

+
Vater, Mutter, Kinder: Auch im Leinepolder gibt es Jahr für Jahr reichlich Gänsenachwuchs.

Hollenstedt. Wildgänse bereiten Landwirten in der Region Hollenstedt immer mehr Sorgen.

Mit rund 50 Hektar ist die Fläche, die durch die Tiere in diesem Jahr bereits geschädigt wurde, so groß wie nie zuvor.

„Die Tiere haben hier ungestörte Ruhezonen und Brutplätze, Wasser und ausreichend Futter, und damit ideale Bedingungen“, sagt Landwirt Herbert Schütte, der eigentlich grundsätzlich begrüßt, dass sich die Graugänse in der Region wohlfühlen. Doch die Schäden, die die Tiere anrichten, seien inzwischen immens. „Erst waren es nur kleinräumige Schäden, dann mal ein halber Hektar, später ein paar Hektar und in diesem Jahr schon 50“, so Schütte.

Auch Milchviehhalter Matthias Lutze klagt über Schäden durch Wildgänse. Auf seiner Grünlandfläche direkt an der Leine war das Gras entweder nicht mehr vorhanden oder so verschmutzt, dass es nicht mehr zu gebrauchen war. Andere Landwirte berichten über regelrecht abgegraste Weizenfelder und Rapsflächen, die umgebrochen werden mussten. Mittlerweile können einige Kulturen wie der Winterraps überhaupt nicht mehr nahe den Polderflächen angebaut werden. Stattdessen wird dort bevorzugt Mais ausgesät, den die Gänse weitestgehend verschmähen.

Während in vielen Regionen Nordniedersachsens in solchen Fällen zwischen 330 und 410 Euro pro Hektar an Entschädigung gezahlt werden, gehen die Landwirte im Bereich des Leinepolders leer aus, weil der sich nicht im Förderbereich „Nordische Gastvögel“ befindet.

Das Landvolk Northeim-Osterode bemüht sich bereits um eine Lösung des Problems. Ein Gespräch mit dem Landkreis Northeim, dem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sowie der Jägerschaft hat es hierzu bereits gegeben. Erste Ergebnisse wird es laut Landvolks-Geschäftsführer Gerhard Rudolph aber erst im Herbst geben.

Die Jagdzeit für Graugänse, die eigentlich vom 1. August bis zum 15. Januar geht, wurde auf Antrag zwar bereits bis auf den ersten März verlängert, doch aus Sicht der Landwirte ist die Zahl der erlegten Gänse gemessen an der Gesamtzahl nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Inzwischen versuchen die Landwirte, mit Vergrämungsmaßnahmen wie Flatterbändern, Vogelscheuchen oder Fuchsattrappen die Gänse von ihren Ländereien fernzuhalten. „Aber die müssen am nächsten Tag wieder umgestellt werden, weil die Gänse sich schnell daran gewöhnen“, sagt Landwirt Christian Frohme. Bauern berichten davon, dass sie bei diesen Vergrämungen immer wieder von Vogelbeobachtern behindert werden. Ein Landwirt wurde sogar angezeigt, weil er auf seinen Flächen Dünger verstreut hat und dies als unangemessene Gänsevertreibung interpretiert wurde. Die Landwirte drängen auf eine schnelle Lösung des Problems, denn in drei Jahren sollen die im Polder als Ackerland genutzten Flächen eingesät und nur noch als Grünlandflächen genutzt werden. „Das wird das Problem noch stärker aus dem Polder heraus auf die umliegenden Ackerflächen verlagern“, befürchtet Schütte. „Denn die Gänse interessieren sich beim Fressen nicht für das verholzte Gras im Schutzgebiet, sondern bevorzugen das frische Grün auf den Äckern.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.