8000 Autos täglich direkt vor der Haustür: Anwohner vermuten Mautflüchtlinge

Beschallung bei Tag und bei Nacht: Das Haus von Hermann Fröchtenicht steht nur wenige Meter von der Ortsdurchfahrt entfernt. Lärmbelästigung gibt es für die Anlieger zusätzlich von der nahen Autobahn und der Bahnlinie. „Wenn hier nachts die Güterzüge durchfahren, dann hört sich das wie ein Dauerrauschen an!“ Foto:  Oschmann

Lütgenrode. Die Welle von Personenwagen, Transportern und Lastwagen scheint überhaupt nicht abreißen zu wollen. Wer das nicht gewohnt ist, hält sich schnell die Ohren zu, denn die Blechlawine wälzt sich unaufhörlich durch die Lütgenroder Ortsdurchfahrt. „Das ist unser Hauptproblem. Für uns Anlieger ist es hier unwahrscheinlich laut", beschreibt Hermann Fröchtenicht die Situation.

„Der Verkehr muss fließen, da sind wir uns ja alle einig“, räumt Fröchtenicht ein, der im Haus mit der Nummer 30 direkt an der Durchgangsstraße zu Hause ist. Die Fenster zur Straße hin sind bei ihm quasi immer geschlossen - auch während der größten Hitze im Sommer. „Sonst wäre es nicht auszuhalten!“

Der Verkehr rollt in Lütgenrode Tag und Nacht und hat nach Einschätzung der Anlieger durch die Mautflüchtlinge, die die nahe Autobahn 7 meiden, und nach der Fertigstellung der neuen Straße durch den Bollert (eingeweiht 2011) noch zugenommen. Gut möglich also, dass mehr als die 8000 Fahrzeuge, die anno 2010 gezählt wurden, täglich durch den Ort fahren.

Alle 10 Sekunden ein Auto

Umgerechnet fährt demnach alle zehn Sekunden ein Auto am Haus von Hermann Fröchtenicht vorbei - Tag und Nacht. Tagsüber reißt die Autoschlange oft überhaupt nicht ab, nachts ist es schon etwas ruhiger. „Wenn dann aber ein leerer Lastwagen mit Anhänger durch die kleine Senke fähren, scheppert es gewaltig. Dann wird man schnell aus dem Schlaf gerissen.“

Die Sanierung der Bundesstraße liegt nach Aussagen von Fröchtenicht viele Jahre zurück. „Da könnte mal wieder etwas passieren“, räumt er ein. Doch eine grundlegende Erneuerung der Fahrbahndecke ist in absehbarer Zeit nicht geplant, bestätigte der Leiter der Landesbehörde für Straßenbau in Bad Gandersheim, Udo Othmer, auf Nachfrage der HNA.

„Bei uns reißt die Beschallung Tag und Nacht nicht ab!“

Georg Hahn von der zuständigen Straßenmeisterei Northeim will sich die Ortsdurchfahrt in Lütgenrode ansehen. „Wenn dort Dellen, Risse oder Senkungen vorhanden sind, die ausgebessert werden müssen, dann werden wir das auch kurzfristig machen“, sagte er der HNA.

Mehrere Ideen

Die Lütgenrode hätten mehrere Ideen, wie sie künftig etwas ruhiger an dieser Hauptverkehrsader leben könnten. „Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde zumindest für Lastwagen würde ganz sicher helfen“, sagt Fröchtenicht. Doch diese Lösung ist laut Straßenverkehrsbehörde nicht in Sicht.

Auch die Umgehungsstraße, die vor etwa zehn Jahren verstärkt diskutiert wurde, ist inzwischen in weite Ferne gerückt. Da wird sich nach Ansicht der Experten auch in den nächsten zehn oder 20 Jahren nichts bewegen. Und auch die von den Anliegern ins Spiel gebrachte stationäre Blitzeranlage ist alles andere als aktuell.

Von Hans-J. Oschmann

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