Hochwasser

Johanniter, THW und Rotes Kreuz aus Südniedersachsen helfen in den Flutgebieten

Hilfe beim Wiederaufbau: Einsatzkräfte aus Northeim und Göttingen sind unter anderem in Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) vor Ort. Starkregen führte zu Überschwemmungen und richtete große Zerstörung an.
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Hilfe beim Wiederaufbau: Einsatzkräfte aus Northeim und Göttingen sind unter anderem in Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) vor Ort. Starkregen führte zu Überschwemmungen und richtete große Zerstörung an.

Mehrere Hundert Helfer des Technischen Hilfswerks (THW), des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Johanniter aus Südniedersachsen sind seit Tagen in den Gebieten der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Einsatz.

Landkreis Northeim – „Das ist eine Katastrophe von epischen Ausmaß“, beschreibt Frank Beckmann, Kreisbereitschaftsleiter beim Roten Kreuz Göttingen/Northeim, die Situation vor Ort. Das DRK sei vor Ort in sogenannte Führungstruppen eingeteilt, die die Gebiete erkunden und nach Verletzten Ausschau halten, berichtet er auf Anfrage der HNA. „Natürlich leisten unsere Leute auch seelischen Beistand. Viele Betroffene erkennen jetzt erst nach und nach, dass dort, wo mal ihr Haus stand, so schnell nichts mehr stehen wird.“ In einigen Ortschaften seien zahlreiche Häuser einfach von den Fluten weggerissen worden.

„Durch die gestörte Infrastruktur sind viele Hausärzte in den Katastrophengebieten auf Unterstützung bei der Versorgung von Verletzten angewiesen“, sagt Jan Klaassen, Pressesprecher des Johanniter-Landesverbands Niedersachsen/Bremen. Angesichts von zahllosen zerstörten Brücken und Straßen und unterbrochenen Strom- und Telefonleitungen sei in den dortigen Arztpraxen an einen normalen Betrieb nicht zu denken.

„Ziel ist es, eine medizinische Anlaufstelle zu schaffen“, erklärt Klaassen eine Aufgabe seiner Kameraden von den Johannitern. Neben der Versorgung von Wunden können die im Katastrophengebiet eingesetzten Ärzte der Hilfsorganisation beispielsweise auch Rezepte für Menschen ausstellen, die an chronischen Krankheiten leiden.

DRK-Kreisbereitschaftsleiter Frank Beckmann

Auch viele Unternehmen und kleine Betriebe sind von den Folgen der extremen Niederschläge hart getroffen worden. „Da unten sind Tischler, Handwerker und Bauunternehmen, die nicht helfen können, weil ihnen nichts geblieben ist“, berichtet DRK-Mann Beckmann. Umso erfreulicher sei es, dass Betriebe aus ganz Deutschland aktuell in den Krisengebiete vor Ort sind, um ohne Bezahlung beim Aufräumen zu helfen.

Ein Land räumt auf – Tausende Helfer in NRW

Neben den Einsatzkräften des THW, der Johanniter und des Roten Kreuz strömen immer mehr zivile Helfer in die Katastrophenregionen. Was gut gemeint ist, kann aber fatale Folgen haben. Einsatzkräfte berichten schon jetzt von Helfern, die unkoordiniert anpacken und dadurch das Arbeiten erschweren. Wer helfen will, sollte sich daher vorher auf Internetseiten wie beispielsweise „hochwasseradenau.de „über die Situation informieren und als Helfer melden. (luw)

Ablösung nach 72 Stunden

„Unsere Leute werden für solche Situationen ausgebildet, doch was sie dort erwartet haben sie noch nie erlebt“, sagt Frank Beckmann, Kreisbereitschaftsleiter beim Roten Kreuz Göttingen/Northeim.

Alle 72 Stunden werden die neun Kräfte aus der Region ausgetauscht, um auch ihre mentale und körperliche Gesundheit nicht zu gefährden. „Was diese Einsatzkräfte dort sehen ist eine Herausforderung für alle“, sagt auch Jan Klaassen, Pressesprecher des Johanniter Landesverbands Niedersachsen/Bremen. Rund 80 Johanniter und drei Ärzte aus Südniedersachsen helfen zur Zeit in den Katastrophengebieten. Ein großer Teil dieser Helfer arbeitet ehrenamtlich und wurde von den ihren Arbeitgebern freigestellt. „Ohne die Freiwilligen würde das alles nicht funktionieren“, ist sich Klaassen sicher.

Während das Rote Kreuz Führungstruppen entsendet, die die Gebiete erkunden und dabei auch die Suche nach den noch rund 1000 Vermissten unterstützen, kümmern sich die Johanniter um die Unterstützung der Hausärzte. Da das Strom- und Telefonnetz noch immer gestört sind, haben die Einsatzkräfte Stromaggregate und Satellitentelefone dabei, berichtet Klaassen.

Auch an die Versorgung wird bereits vor der Abfahrt gedacht: „Für ausreichend Wasser und Nahrung ist gesorgt, das wird alles mitgebracht“, sagt der Sprecher. Übernachten würden die Helfer in mitgebrachten Zelten oder Turnhallen.

Hilfe rund um die Uhr: Eine Helferin der Johanniter befüllt in Ahrweiler Sandsäcke gegen die Überschwemmungen.

„Nach dem Aufräumen kommt der Aufbau, der Bund und die Länder sind nun an der Reihe, Perspektiven zu schaffen“, sagt Beckmann. Die Flüchtlingskrise habe gezeigt, dass die Nation genügend Unterkünfte schaffen könne, wenn es darauf ankomme. „Nun müssen alle solidarisch zusammenstehen, um diese unvorstellbare Situation zu meistern“, so der DRK-Kreisbereitschaftsleiter.

Die Helfer vom DRK leisten neben den Erkundungsgängen auch einen Betreuungsdienst. „Neben den Menschen die ihre Häuser verloren haben, sprechen sie auch mit Menschen, die ihre Firma, ihre gesamte Existenz verloren haben“, erklärt Beckmann. Viele seien erst jetzt in der Lage zu realisieren, was passiert ist und säßen vor den Trümmern ihrer Häuser und Geschäfte. „Es wird dauern, bis sie das verarbeitet haben“, ist er sich sicher. (Luisa Weckesser)

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