Knappe Mehrheit für Verteilzentrum

Stadtrat Northeim: Amazon darf kommen

Das neue Industriegebiet-West in Northeim mit der Fläche, auf der das Amazon-Verteilzentrum entstehen soll.
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Das neue Industriegebiet-West in Northeim mit der Fläche, auf der das Amazon-Verteilzentrum entstehen soll.

Der US-amerikanische Onlineversandhändler Amazon darf nach Northeim kommen und im geplanten neuen Industriegebiet-West ein Verteilzentrum bauen.

Northeim - Der Stadtrat ebnete dafür am Donnerstagabend mit knapper Mehrheit von nur zwei Stimmen (17:15) den Weg dafür, in dem er den Kaufvertrag für das Gelände absegnete.

Bauherr wird nicht Amazon selbst, sondern die luxemburgische Firma „P3“ sein, mit der die Stadt den Vertrag abschließt. Sie wird für Amazon auf einer Fläche von 5,5 Hektar das Verteilzentrum bauen. In ihm sollen 120 Arbeitskräfte von Lkw angelieferte Pakete umsortieren, damit sie Subunternehmer anschließend mit Sprintern in der Region ausliefern.

Möglicherweise ungewollt möglich machten die Entscheidung pro Amazon im Rat letztlich die einzigen zwei Enthaltungen bei der Abstimmung. Die kamen von CDU-Fraktionschefin Reta Fromme und SPD-Ratsfrau Hildegard Pavel, nachdem es auf Seiten der CDU auch drei Gegenstimmen gegeben hatte. Die SPD und Bürgermeister Simon Hartmann stimmten mit Ausnahme von Pavel geschlossen dafür.

Harsche Kritik am Verkauf an Amazon kam hingegen von den Grünen, der FDP, der AfD und der Gruppe FUL/Linke. Hauptargumente gegen das Amazon-Projekt waren Flächenverschwendung an einen Betrieb, der fast keine Gewerbesteuern einbringe, die Schaffung lediglich von „minderwertigen“ und schnell wegzurationalisierenden Arbeitsplätzen sowie der Verlust von zwei Millionen Euro Fördergeld für die Erschließung, weil statt der Ansiedlung von kleinen und mittleren Unternehmen ein Großkonzern komme.

Bürgermeister Simon Hartmann hatte noch einmal für das Verteilzentrum geworben. Die Stadt benötige dringend auch Arbeitsplätze für Arbeitslose ohne Berufsabschluss und Amazon als bislang einzig konkreter Interessent für das neue Industriegebiet biete sie. Das Interesse von Amazon an Northeim sei eine enorme Werbung für den Standort, und Amazon habe in Nachverhandlungen auch weitere Zugeständnisse bei der Zahlung von Erschließungskosten an die Stadt gemacht.

Für das 5,5 Hektar große Grundstück zahlt der Amazon-Investor 1,32 Millionen Euro an die Stadt. Hinzu kommen Erschließungskosten fürs Gelände. Werden diese teurer als kalkuliert 52 Euro/m², wird der Investor auch mehr zahlen, und zwar 70 Prozent der Mehrkosten bis zum Preis von 65 Euro/m². Dies wurde auf Drängen der CDU von der Stadt kurzfristig nachverhandelt. Das Verteilzentrum wird eine Fläche von 0,75 Hektar einnehmen, auf 4,75 ha entstehen Park- und Ladeflächen.

(Von Axel Gödecke)

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