Neuer Zeitplan

Amazon in Northeim: Neuer Standort? Versand-Riese muss Geduld zeigen

Flächen für das neue Industriegebiet: Hier soll das Amazon-Verteilzentrum bei Northeim entstehen.
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Flächen für das neue Industriegebiet: Hier soll das Amazon-Verteilzentrum bei Northeim entstehen.

Bei dem Internetriesen Amazon verschiebt sich der Bau eines Verteilzentrums weiter. Das Projekt in Northeim könnte sogar ganz scheitern. 

Northeim – Die Entscheidung darüber, ob der Internet-Riese Amazon wie geplant sein neues Verteilzentrum in Northeim bauen kann, ist erst Ende Oktober möglich. Das hat die Northeimer Stadtverwaltung gestern in einer Pressekonferenz mitgeteilt, bei der der neue Zeitplan für die Aufstellung des Bebauungsplans „Industriegebiet West“ vorgestellt wurde.

Der sieht vor, dass die Planungen vom 1. bis 21. September zunächst erneut öffentlich ausgelegt werden und der Rat am 29. Oktober den entsprechenden Satzungsbeschluss fasst.

Als einen Grund für die Verzögerung, beim Amazon-Bau, nennt die Verwaltung den Beschluss des Northeimer Bauausschusses vom 21. Juli. Demnach soll die Stadt gemäß einem Antrag der FUL-Fraktion mit zwei Landwirten einen städtebaulichen Vertrag über die Herstellung und Pflege von notwendigen Ausgleichsflächen verhandeln.

Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, dazu mit Klosterkammer einen Vertrag auszuhandeln. Den habe man bereits am 27.04.2020 dem Verwaltungsausschuss zur Verabschiedung vorgelegt. Eine Entscheidung dazu sei aber mehrfach vertagt worden.

Ein weiterer Grund für die Überarbeitung des Bebauungsplans sei das Ergebnis von Probebohrungen gewesen. Bei diesen seien auf dem vorgesehenen Baugrund in einer Tiefe von zehn Metern Rückstände von teerhaltigem Sediment – mutmaßlich Rückstände der ehemaligen Schwelltränke der Bahn – gefunden worden.

Sollte der Rat den Bebauungsplan Ende Oktober nicht verabschieden, dürfte Amazon wohl seine Pläne begraben. Laut Christine Unger, die im Norheimer Rathaus für die Wirtschaftsförderung verantwortlich ist, möchte der Onlinehändler bereits das Weihnachtsgeschäft im kommenden Jahr über das neue Verteilzentrum abwickeln.

„Alle Beteiligten brauchen jetzt Klarheit“, sagte Bürgermeister Simon Hartmann. Er forderte die Politik auf, eindeutig Stellung zu beziehen, ob sie bereit sei, die entsprechende städtische Fläche an die Firma „P3“ zu verkaufen. „P3“ will das Verteilzentrum bauen und es an Amazon vermieten.

Bislang habe sich lediglich die Fraktion der Grünen eindeutig gegen die Ansiedlung von Amazon ausgesprochen, so Bürgermeister Simon Hartmann. Und aus der SPD-Fraktion werde es voraussichtlich eine Zustimmung geben.

Ohne die Verabschiedung des Bebauungsplans könne die Stadt weder mit den Erschließungsarbeiten noch mit den dazugehörigen Ausschreibungen beginnen, machte die Verwaltung deutlich. Auch für die Gewährung von Zuschüssen, für Amazon, aus dem Landesprogramm „Förderung hochwertiger wirtschaftsnaher Infrastrukturmaßnahmen“, für die die Stadt Northeim im Dezember des vergangenen Jahres einen Antrag gestellt habe, sei der Beschluss zwingend notwendig.

Hinzukomme, dass die Stadt noch gar nicht Eigentümerin der Grundstücke sei, auf dem das Industriegebiet entstehen soll. Insofern könne die Stadt auch noch keine Kaufverträge mit den Unternehmen schließen, die sich, wie Amazon, für eine Ansiedlung interessieren.

Mit den insgesamt vier derzeitigen Eigentümern habe man zwar bereits Kaufverträge abgeschlossen, aber diese behielten nur ihre Gültigkeit, wenn der Beschluss des Rates zu bestimmten Stichtagen vorliege.

„Für einen der Verträge ist das der 31. Oktober, und die anderen drei Verträge erlöschen automatisch am 31. Dezember“, erklärte Christiane Unger.

Eine erneute Verhandlung sei dann zwar möglich, ergänzte Baurat Frederik Backhaus, aber das sei dann vermutlich mit höheren Kaufpreisen verbunden.

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