Nach Gewaltverbrechen an Denise

Auf Antrag bekommen Opfer-Angehörige Infos zur Entlassung des Täters

Northeim/Göttingen. Automatisch werden Opfer oder deren Angehörige nicht über die Haftentlassung des Täters informiert, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, Andreas Buick - so geschehen bei den Eltern der toten Denise. Lesen Sie hier, unter welchen Voraussetzungen diese Information erfolgt.

Die Angehörigen der 17-jährigen Denise, die 2008 am Rande einer Disko-Veranstaltung in Asche getötet wurde, hatten sich darüber beschwert, dass sie nicht über die Entlassung des heute 24 Jahren alten Täters informiert worden sind.

Sie leben in der Angst, dem Täter zufällig auf der Straße zu begegnen, wenn der seine Eltern besucht, die nach wie vor in Asche leben.

Bei erwachsenen Täter ist die Staatsanwaltschaft Strafvollstreckungsbehörde. Sie informiere nicht von sich aus

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über diese Informationsmöglichkeit, erklärte Buick.

Im Normalfall sei trotzdem gewährleistet, dass Angehörige erfahren, dass sie einen solchen Antrag stellen können. Bei schweren Straftaten kümmere sich die Stiftung Opferhilfe um Opfer beziehungsweise deren Angehörige. Sie wisse um diese Möglichkeit.

Bei nach Jugendstrafrecht verurteilten Tätern ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk sich die Strafanstalt befindet, die zuständige Strafvollstreckungsbehörde, in diesem Fall also Hameln.

Der Direktor des dortigen Amtsgericht, Herbert Seutemann, bestätigte das Verfahren der Staatsanwaltschaft Göttingen: Nur auf Antrag werde über eine Entlassung informiert. Dadurch sei auch gewährleistet, dass ein Entlassungstermin nur Personen bekannt wird, die ein berechtigtes Interesse daran haben.

Nach Buicks Worten ist bei erwachsenen Straftätern eine Entlassung nach zwei Drittel der Haftzeit möglich, wenn aus einem Gutachten der Haftanstalt hervorgeht, dass sein Verhalten in der Haft eine Freilassung rechtfertigt.

Ein entsprechendes Gutachten sei auch für eine vorzeitige Entlassung von jugendlichen Straftätern aus der Haft Voraussetzung. Allerdings, so erläuterte Buick, gelten andere Fristen.

So könne ein Jugendlicher schon nach einem Drittel seiner Haftstrafe frei kommen - Voraussetzung: Er hat mindestens sechs Monate Haft verbüßt. Eine so frühzeitige Entlassung sei aber relativ selten, betonte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. (ows)

Rubriklistenbild: © dpa

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