Anwalt: Jan O. ist nur vermindert schuldfähig - Verurteilung trotzdem möglich

Northeim/Bodenfelde. Jan O. ist nach Einschätzung seines Northeimer Anwalts, Markus Fischer, vermindert schuldfähig. Das sei auch das vorläufige Ergebnis des psychiatrischen Gutachters über den 26-Jährigen. Er hatte gestanden, im November die 14 Jahre alte Nina und den 13-jährigen Tobias getötet zu haben.

Demnach liege bei Jan O. eine schwere Persönlichkeitsstörung vor. Seine endgültige Einschätzung werde der Gutachter erst nach Ablauf der Verhandlung vor dem Göttinger Landgericht abgeben, erklärte Fischer. Denn es muss auch noch das Verhalten des Angeklagten im Prozess in das Gutachten einfließen. Auch die Staatsanwaltschaft Göttingen hat bereits angedeutet, dass bei Jan O. verminderte Schuldfähigkeit vorliegen könnte

Fischer schließt nicht aus, dass Jan O. wegen Mordes verurteilt wird. „Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist das nicht abwegig“, sagte der Verteidiger im Gespräch mit der HNA.

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Grundsätzlich heißt die Tötung eines Menschen juristisch zunächst Totschlag. Zum Mord wird sie durch besondere, strafverschärfende Umstände. Von denen nennt die Staatsanwaltschaft nach Fischers Worten gleich vier: neben Heimtücke und Grausamkeit auch, dass die beiden Taten geschahen, um den Geschlechtstrieb zu befriedigen und um eine andere Straftat - nämlich Missbrauch - zu ermöglichen.

Nach Fischers Worten bedeutet die Feststellung der verminderten Schuldfähigkeit nicht, dass Jan O. bald wieder auf freien Fuß kommt. Es werde dann zwar eventuell keine lebenslängliche, sondern nur eine zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe von maximal 15 Jahren verhängt.

Pressekonferenz: Aufgeklärter Doppelmord in Bodenfelde

Aufgeklärter Doppelmord in Bodenfelde © hna
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Verbunden mit der Feststellung, dass Jan O. krank sei, könne dieser dann aber in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden. Eine Freilassung komme dann erst infrage, wenn er dort mindestens zwei Drittel der verhängten Haftstrafe verbracht hat und von einem unabhängigen Gutachter - also keinem seiner Ärzte - festgestellt wird, dass er nicht mehr gefährlich ist. Das sei erfahrungsgemäß in der Regel deutlich länger als die verhängte Strafe, betonte der Anwalt. Nicht therapierbare Täter kämen gar nicht mehr frei. (ows)

Mehr zum Thema lesen sie am Samstag in der Northeimer und der Sollinger HNA.

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