Informationsveranstaltung des Investors

Asche wehrt sich gegen Windkraft

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Volles Haus: Rund 90 Bürgerinnen und Bürger kamen ins Dorfgemeinschaftshaus Asche zur Info-Veranstaltung von Energiekontor aus Bremen über einen Windpark südlich des Bergdorfes.

Asche. Rund 90 Einwohner waren der Einladung des Unternehmens Energiekontor aus Bremen ins Dorfgemeinschaftshaus Asche gefolgt, um über den geplanten Windpark am südlichen Rand des Bergdorfes informiert zu werden.

Die Anlage würde vier bis fünf jeweils 230 Meter hohe Windräder mit einem Rotordurchmesser von 140 Metern umfassen. Die benötigte Bodenfläche betrüge 50 Hektar.

Mit den Grundstückseigentümern hat das Energiekontor Vorverträge abgeschlossen. Asches stellvertretender Ortsbürgermeister Frank Wiese entrüstete sich: „Sie behaupten, Sie wollen einen Dialog, aber mit den Vorverträgen haben Sie Tatsachen geschaffen.“ Einer der anwesenden Grundstückseigentümer erzählte, die finanziellen Angebote seien zu gut zum Ablehnen gewesen.

Ungenauigkeiten

Die anwesenden Gemeinde- und Ortsratsmitglieder und die Bürger wiesen den Vertretern von Energiekontor mehreren Ungenauigkeiten nach. Diplom-Ingenieur Joscha Gartelmann erweckte den Eindruck, man hätte schon Umweltgutachten vorgelegt, musste aber auf Nachfrage einräumen, dass diese erst erstellt werden müssten. Diplom-Verwaltungswirt Udo Stenger sprach von gesetzlichen Vorgaben darüber, wie viele große Flächen eine Kommune für Windenergie zur Verfügung stellen müsse. Ratsherr Rainer Lutter korrigierte ihn, dass es sich beim Windenergieerlass eben um einen Erlass und nicht um ein Gesetz handele. Der Erlass spreche lediglich Empfehlungen aus.

Unübliches Vorgehen

Bürgermeister Michael Kaiser fand es „nicht schön“, dass das Unternehmen das Gespräch mit ihm erst nach Abschluss der Vorverträge mit den Eigentümern gesucht habe. Üblich sei, dass sich Projektentwickler zunächst bei ihm über Ziele und Stand der Planungen informierten.

Er sei ein Befürworter der Windenergie, fühle sich aber dem Votum des Ortsrates Asche aus 2013 verpflichtet, zu dem auch der neue Ortsrat stehe, so Kaiser. Damals wurden Windkraftanlagen in Asche abgelehnt, nachdem eine Bürgerumfrage 90 Prozent dagegen ergeben hatte. Die meisten Häuser in Asche sind nach Süden ausgerichtet.

Der Bürgermeister berichtete, dass der neue Teil-Flächennutzungsplan (F-Plan) für Windkraftanlagen so weit gediehen sei, dass er wohl in diesem Sommer ins Beteiligungsverfahren gehen kann, wo Träger öffentlicher Belange, Umweltbehörden und Bürger gehört werden.

Entscheidung aussetzen

„Sollte noch vor Rechtsverbindlichkeit des Flächennutzungsplanes ein Antrag für einen Windpark in Asche vorgelegt werden, werde ich alle mir zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um die Entscheidung über diesen Antrag bei der Genehmigungsbehörde zurückstellen zu lassen, bis der F-Plan genehmigt ist“, kündigte Kaiser an. Die Versammlung nahm diese Ankündigung begeistert auf. Ortsbürgermeister Tobias Klinge sagte aber zum Schluss: „Ich habe Angst, dass durch die Vorgehensweise von Energiekontor ein Keil in unsere Dorfgemeinschaft getrieben worden ist.“ (zäl)

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