Standortsuche

Atommüll-Lager bei Northeim? Landkreis bietet „günstige Bedingungen“

Gelbe Fässer für Atommüll stehen in einem Endlager.
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Gelbe Fässer für Atommüll stehen in einem Endlager. (Symbolbild)

In weiten Teilen des Landkreises Northeim bietet der Untergrund „günstige Bedingungen“ für ein Atommüll-Lager.

Northeim – Die Karte, die die BGE bei der Veröffentlichung ihres Zwischenberichts am Dienstag vorgelegt hat, weist im Untergrund des Landkreises Northeim weitgehend Steinsalz aus, dessen Mächtigkeit nach Ansicht der BGE als Deckgestein für ein Endlager ausreicht.

Bis zu 1200 Meter dick ist die Schicht laut BGE. Es gehört zu einem Vorkommen auf einer rund 4600 Quadratkilometer großen Flächen, die Gebiete von Nordrhein-Westfalen, Nordhessen und Südniedersachsen umfasst. Es reicht im Osten bis an den Harz und im Norden bis nach Hildesheim.

Andere, ebenfalls als „günstig“ beurteilte Steinsalzlagervorkommen gibt es in zwei kleinen Gebieten bei Düderode (sechs Quadratkilometer) und nördlich des Harzhorns bei Harriehausen (10 Quadratkilometer). Ihre Mächtigkeiten betragen 940 Meter (Düderode) beziehungsweise 1030 Meter (Harriehausen).

Das Steinsalzvorkommen ist laut der BGE-Sprecherin Monika Hotopp genau umrissen. Die in der BGE-Karte weiß gebliebenen Bereiche kommen für ein Endlager damit nicht infrage. Für die Endlagersuche aussortiert worden sind nur einige Bereiche im Solling sowie Areale in den Gebieten von Hardegsen, Moringen Nörten-Hardenberg, Katlenburg-Lindau, Kalefeld, Northeim, Dassel, Einbeck und Bad Gandersheim.

Zur Beurteilung, welche Standorte deutschlandweit für ein Endlager geeignet sein könnten, sind in diesem ersten Schritt der Suche elf Kriterien herangezogen worden. Der Untergrund des Landkreises wird dabei in sieben bis acht Kriterien als „günstig eingestuft“. So gilt er unter anderem als langfristig stabil, temperaturverträglich (der Atommüll gibt Wärme ab) und als in den Tiefen, in den eingelagert werden soll, als grundwasserfrei.

Bei zwei Kriterien wird er als ungünstig eingestuft. So beurteilt die BGE das Vermögen des unterirdischen Gesteins, radioaktives Material zu halten, und dessen hydrochemischen Verhältnisse als ungünstig. Letztere geben an, „wie sauer“ das Gestein ist, so Hotopp, und zeigen an, wie stark dort eingelagerte Behälter korrodieren würden. Diese Kriterien wiegen aber für die BGE nicht so schwer, dass die Region schon aussortiert würde.

Steinsalz für ein Endlager günstig

Alle in der Grafik farblich unterlegten Bereiche sind in einem ersten Schritt der Standortsuche von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) als grundsätzlich geeignet für ein atomares Endlager für den Atommüll aus den deutschen Kernkraftwerken gekennzeichnet worden.

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Im Landkreis Northeim ist es neben wenigen Bereichen mit Tongestein im Norden vor allem Steinsalzvorkommen, das sich laut BGE 400 bis 1500 Meter unter der Oberfläche befindet, stratiform (parallel zu anderen Sedimenten) abgelagert ist und eine maximale Mächtigkeit von 1200 Metern hat.

Zwei kleine Steinsalzvorkommen (grün) sind steil abgelagert, aber ebenso geeignet. Sie haben laut BGE eine Mächtigkeit von 940 beziehungsweise 1030 Metern und befinden sich in Bereichen zwischen 470 und 1500 Metern Tiefe.  

Standortentscheidung erst 2031

Als nächstes will die BGE Regionen in Deutschland festlegen, in welchen Gebieten oberirdische Erkundungen vorgenommen werden sollen. Nach dem nun erfolgten ersten Schritt der Standortsuche kommen dafür weite Teilen Deutschlands infrage. Auf der Basis der dabei erzielten Ergebnisse sollen Bundestag und Bundesrat entscheiden, wo Untertage Untersuchungen stattfinden sollen. Liegen diese Resultate vor, sollen Bundestag und Bundesrat beschließen, wo das atomare Endlager entstehen soll. Das Verfahren soll 2031 abgeschlossen sein, das Endlager 2050 in Betrieb gehen.

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