Kritik aus Northeim zur Änderung des Jagdgesetzes

Jägerschaft: Aufforsten nicht zulasten des Wildes

Stürme und Borkenkäfer haben große Kahlflächen im Wald hinterlassen: Jäger Ralf-Günter Rahnert mit Hündin Zora in seinem Revier in Ertinghausen.
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Stürme und Borkenkäfer haben große Kahlflächen im Wald hinterlassen: Jäger Ralf-Günter Rahnert mit Hündin Zora in seinem Revier in Ertinghausen.

Die Wiederaufforstung der Kahlflächen im Wald darf nicht zulasten des Wildes erfolgen“, fordert Ralf-Günter Rahnert, der Vorsitzende der Jägerschaft Northeim.

Landkreis Northeim - Der Chef der Jäger im Raum Northeim kritisiert entsprechende Gesetzesentwürfe in Bund und Land, die die Jagd auf Rehe und Hirsche erleichtern sollen.

„Es stimmt, dass das Schalenwild junge Bäume verbeißt“, räumt Rahnert ein. Das eigentliche Problem seien aber die im Zuge des Klimawandels zunehmend trockeneren, heißeren Sommer. Sie ließen die Jungbäume vertrocknen. Er habe das auf einer 2019 mit Douglasien bepflanzten Kahlfläche in seinem 450 Hektar großen Revier bei Hardegsen beobachten können. Zudem vermehrten sich unter den neuen Bedingungen die Mäuse rasant. Sie nagten die Wurzeln der jungen Bäume ab.

„Die im Januar in Kraft getretene Durchführungsverordnung zum Niedersächsischen Jagdgesetz hat die Schonzeit für bestimmtes Schalenwild um einen Monat verkürzt“, bedauert der Vorsitzende. Nun darf es bereits vom ersten April an, wenn die Vegetation noch nicht so dicht ist, geschossen werden. Die Jagdzeit ist bei Rehböcken bereits vor einigen Jahren bis auf den 31. Januar ausgedehnt worden.

„Niedersachsen will in seinem neuen Jagdgesetz zudem den Schutz der Elterntiere lockern“, berichtet Rahnert. Bisher ist es eine Straftat, ein führendes Elterntier zu schießen. Gemäß Entwurf soll es nur noch eine Ordnungswidrigkeit sein, die unter bestimmten Voraussetzungen noch nicht einmal geahndet wird. Angesichts der engen Bindung zwischen Mutter- und Jungtier verstoße das gegen den Tierschutz, erklärt der Jäger. Es könne nicht sein, dass zurückbleibende Jungtiere allein durch den Wald irrten und verendeten.

Skeptisch sieht es der Jägerschafts-Vorsitzende, dass Niedersachsen in der neuen Verordnung den Einsatz von Nachtzielgeräten mit Bildverstärkung bei der Wildschweinjagd erlaubt hat. Der Schritt sei angesichts der Angst vor der Afrikanischen Schweinepest, von der es erste Fälle in Brandenburg und Sachsen gebe, nachvollziehbar, meint Rahnert. Er fürchtet jedoch, dass die Geräte später auch für die Jagd auf weiteres Schalenwild zugelassen werden.

„Das ist abzusehen, da sich Rehe und Hirsche zunehmend erst bei Einbruch der Dämmerung aus dem Wald wagen“, führt der Jäger aus. Das habe unter anderem damit zu tun, dass der Luchs inzwischen im Solling sesshaft geworden sei.

Zudem zögen immer häufiger Jungwölfe auf der Suche nach Revieren und Partnern durch den Landkreis.

Kritisch sieht der Vorsitzende die geplante Stärkung der Waldeigentümer bei der Festlegung von Abschussplänen, was Jäger zu deren „Erfüllungsgehilfen“ mache. Bisher schlage ein Revierinhaber der Jagdbehörde vor, wie viel Schalenwild er in den drei Jahren schießen wolle – Rahnert etwa 54 Rehe. Er schaffe, wie die meisten seiner Kollegen, nicht mehr, als er sich selbst auferlege. Der Vorsitzende: „Ich gehe zehnmal auf die Pirsch, bevor ich ein Tier erlege.“

(Michael Caspar)

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