SPD und Grüne im Stadtrat sind sich einig

Antrag: Hindenburgstraße in Northeim soll umbenannt werden

Die Hindenburgstraße in Northeim: Sie trägt den Namen des Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Paul von Hindenburg (1847-1934), der am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler berief.
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Die Hindenburgstraße in Northeim: Sie trägt den Namen des Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Paul von Hindenburg (1847-1934), der am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler berief.

Die Hindenburgstraße in Northeim soll umbenannt werden und ab Mai 2021 Sophie-Scholl-Straße heißen. Das haben die Ratsfraktionen der SPD und Grünen beantragt.

Northeim - Als Begründung heißt es, dass Reichpräsident Paul von Hindenburg 1933 Hitler durch dessen Ernennung zum Reichkanzler den Weg geebnet habe, an die Macht zu kommen.

Die heutige Hindenburgstraße habe bis 1933 Bergstraße geheißen, heißt es weiter im Antrag der beiden Fraktionen. Zusammen mit der Zollstraße sei sie anlässlich des Führergeburtstags am 20. April 1933 vom damals bereits von den Nationalsozialisten dominierten Stadtrat in Hindenburgstraße umbenannt worden.

In derselben Sitzung des Bürgervorsteher-Kollegiums (so hieß damals der Stadtrat) am Vorabend des Führergeburtstags, am 19. April 1933, wurden auch noch fünf andere Straßen nach Nazi-Größen umbenannt, so etwa der Bürgermeisterwall in Adolf-Hitler-Wall.

Aus dem Oberen Tor und der Osteroder Straße (heute Harztor) wurde die Göringstraße, aus der Damaschkestraße die Darré-Straße (benannt nach dem NS-Reichsbauernführer Walther Darré) und die Anna-Straße bekam den Name Elsbeth-Zander-Straße nach der NS-Frauenschaftsführerin.

Die überwiegende Anzahl der 1933 umtitulierten Straßen sei nach der Befreiung 1945 unverzüglich wieder umbenannt worden, heißt es weiter in dem Antrag der SPD und Grünen. Bei der Hindenburgstraße sei das aber unterblieben.

Ein wesentlicher Grund dafür sei, so formulieren es die beiden Fraktionschefs Marek Wischnewsky (SPD) und Hans Harer (Grüne), möglicherweise, dass sich in den Jahren bis 1933 verschiedene Vorstellungen von der Person Hindenburgs gebildet hätten, die teils nebeneinander existierten oder sich ablösten.

So sei er einst von den Deutschen als „Held der Schlacht von Tannenberg“ (1914) gefeiert worden, dann galt er als Stichwortgeber der „Dolchstoßlegende“ und Symbol der Deutschen Einheit, aber später auch als der Reichkanzler, der am Ende Hitler den Weg geebnet habe.

Welchen Hindenburg die nationalsozialistische Mehrheit im Northeimer Rat 1933 gemeint habe, sei daraus zu ersehen, dass er konsequenterweise den Führergeburtstag als Stichtag für die Umbenennung gewählt und in der selben Sitzung auch Hitler und Göring die Ehrenbürgerwürde der Stadt Northeim verliehen habe, meinen SPD und Grüne in ihrem Antrag.

Statt Hindenburg soll die Northeimer Straße zum Stichtag 9. Mai 2021 in Sophie-Scholl-Straße umgetauft werden, heißt es weiter. Sophie Scholl wäre am 9. Mai 2021 100 Jahre alt geworden. Sie gelte, „stellvertretend für andere Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, als weltweites Symbol für den Aufstand des Gewissens gegen den nationalsozialistischen Unrechtsstaat.“

Debatte im Rat

Der Northeimer Stadtrat wird sich in seiner öffentlichen Sitzung am Donnerstag, 10. Dezember (ab 17 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Langenholtensen), erstmals mit dem Antrag beschäftigen und diesen wahrscheinlich zur weiteren Beratung erst einmal in die Fachgremien überweisen.

(Von Axel Gödecke)

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